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Gerhard Kubassa, Thron, 2014
© Gerhard Kubassa

„Thron“

Dünn und krumm streben die Beine dieses Stuhls in die Höhe. Ohne Größenvergleich meint man in der Abbildung einen Hochsitz aus dornigen Ästen vor sich zu haben. Die großen Dornen laden zum Erklimmen des Hochsitzes ein, gleichzeitig warnen sie es nicht zu tun. Für die langen schmalen Beine – die an Dalís Elefantenbeine (z.B. in „Versuchung des hl. Antonius“, 1946) erinnern – verwendete der Künstler als Vorbilder aus der Natur Robinienäste, für den Sitz Brombeeräste.

Die Betrachtung der wirklichen Skulptur und im räumlichen Kontext zeigt, dass der Stuhl mit seiner fragilen und stacheligen Konstruktion trotz seiner Höhe von 97 cm auch wegen der fehlenden und viel zu kleinen Sitzfläche nie zum Sitzen gedacht war. Auf einem Sockel erhöht, spricht der Stuhl das menschliche Streben an, mal ganz oben zu sitzen und den Überblick zu haben. Vielleicht auch den Wunsch, mal höher zu sitzen als andere und da oben über den anderen zu thronen. Die Beine bringen die mühsamen Aufstiege auf der Karriereleiter zum Ausdruck. Die kleine Sitzfläche wiederum mag ein Lied davon zu singen, wie unbequem und einsam es da oben sein kann und dass der bewehrte Platz in der Höhe sicher aussieht, aber auf Dauer nicht zu halten ist.

Auf dem Sockel stehend nimmt die Stuhlkonstruktion die Erhabenheit eines Throns als symbolischer Sitz der Macht, der weisen und gerechten Regierungsgewalt auf, doch vermag sie keine Stabilität und auch kein Vertrauen auszustrahlen. Im Gegensatz zu einem starken, kunst- und würdevollen Thron, von dem auch eine himmlische Legitimation ausgeht, wirkt dieser Hochsitz sehr menschlich, selbst gezimmert, armselig, ja gar leichtsinnig.

Aber gerade darin ist er eine starke Mahnung, nicht zu hoch hinaus zu wollen oder sich über andere zu erheben. Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Die Stuhlskulptur erinnert, dass der Mensch dort am Größten und Weisesten ist, wo er demütig handelt und sich nicht absondert, sondern im Dienst an den Mitmenschen und der Umwelt mitten unter ihnen lebt. – Uns zu loben oder zu „erheben“ steht den anderen oder einem Andern zu.

Patrik Scherrer, 02.09.2017

Gerhard Kubassa

Thron
Entstehungsjahr: 2014
Bronze patiniert, ca. 25 x 22 x 97cm
© Gerhard Kubassa

Kommentare

Eine Antwort auf „„Thron““

  1. Diese Skulptur hat es in sich. Die fehlenden Sprossen verbieten mir das Hinaufsteigen, das Festhalten an den Dornen erschiene mir doch zu waghalsig. Selbst wenn ich es riskierte, fürchte ich doch, dass auch die Statik mein Hinaufklettern verbieten würde. Sitzfläche gibt es auch nicht. Eine Leiter ansetzen?
    Die Skulptur scheint mir auch ein Symbol zu sein für den uralten Ehrgeiz des Menschen, hoch hinauf zu wollen. Turmbau zu Babel? Genetik, Eingriff in die DNA des Menschen zu seiner „Perfektionierung“? Nukleartests? Selbst wenn ich auf irgendeine Weise zum „Sitzen“ auf dem Thron käme, ist es doch offensichtlich, dass ich wieder abstürzen muss und den Stuhl mit mir ins Verderben reiße. Eine albtraumhafte Vorstellung.

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