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Eberhard Münch, Ohne Titel, 2011
© Adeo-Verlag, Gerth Medien, Verlagsgruppe Random House

Verheißung

Dreieckförmig bricht von oben kommendes Licht die nachtblauen Schatten auf. In seiner Mitte scheint ein dunkelgelber Lichtstrahl die Dunkelheit wie ein scharfes Messer zu teilen und zur Seite fallen zu lassen. Wie schroffe Berghänge beim ersten Tageslicht geben die Schatten nun einen Blick durch das Tal und auf das Dahinterliegende frei. Es ist kein Weg zu sehen, der sich dem Betrachter eröffnet und den er mit seinem geistigen Auge beschreiten könnte.

Vielmehr lädt ihn das hinter den nachtblauen Schatten Offenbarte und gleichzeitig Verborgene ein, schritt- und stufenweise durch die weichende Dunkelheit dem Licht entgegen zu gehen. Denn die Dunkelheit hat ihre Macht verloren. Mit der Vertreibung der Nacht ist die Herrschaft des Lichtes ist angebrochen. Diese Verheißung steht im Raum.

Im Hintergrund ist von den letzten Schleiern der Nacht noch halb verborgen  eine Architektur mit einer Türe sichtbar. Noch ist sie verschlossen, aber sie weist eindeutig auf ein Haus und auf die Möglichkeit hin, dass es weitergeht, wenn sie entriegelt und geöffnet wird. Wohin sie wohl führen wird? Und wer wird die Türe öffnen? Was wird demjenigen zu schauen gegeben, der mutig anklopft und um Einlass bittet?

Das Bild scheint auf den ersten Blick keine Auskunft darüber zu geben. Doch direkt hinter der Lichtsäule ist mehr angedeutet als sichtbar eine engelsgleiche Gestalt auszumachen, die mit einem erhobenen Leuchtschwert der Türe zugewandt ist. Sie scheint die hellblaue Türe zu bewachen und weist gleichzeitig auf sie hin. Ob die Türe den Eingang zum Himmel bildet? Ist sie eine Art Himmelspforte? Darf der Besucher dahinter – wie auch immer – den Himmel erwarten, den Himmel auf Erden? Das Bild schweigt dazu. Es lässt die Verheißung im Raum stehen.

Allerdings vermag eine andere Assoziation die Ahnung zu vergrößern, was denjenigen erwarten wird, der auf das Licht zugeht. So wie die Intervention von oben einen Weg durch die Dunkelheit bahnt, werden Parallelen zum Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer sichtbar. Gott selbst ist „herabgestiegen, um es [sein Volk] der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land heraufzuführen in ein schönes, weites Land, …“ (Ex 3,8). Wie die Israeliten von den Ägyptern verfolgt dann am Meer standen, streckte Mose seine Hand aus, ließ Gott durch einen starken Wind die Wassermaßen zurückweichen, so dass „rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand“ (Ex 14,22). Damit war für das Volk Gottes der Weg in die Freiheit offen.

Auch heute befreit Gott uns von den Dunkelheiten unserer Zeit, damit wir in der Freiheit seines Lichtes seine Nähe zu uns in seinem Sohn erkennen und selbst Lichtträger werden.

Patrik Scherrer, 02.12.2017

Eberhard Münch

Ohne Titel
Entstehungsjahr: 2011
Mischtechnik, 28,2 x 37 cm
© Adeo-Verlag, Gerth Medien, Verlagsgruppe Random House

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