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The Problem of God

Katalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 26.09.2015 – 24.01.2016 in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21 Ständehaus, Düsseldorf, die auch Herausgeber ist. Mit Texten von Alena Alexandrova, Isabelle Malz, David Morgan. Kerber Verlag Bielefeld, 2015. 408 Seiten, 171 farbige und 43 s/w Abbildungen, deutsch mit englischer Übersetzung, 49,95 Euro, ISBN: 978-3-7356-0150-6.

Um es vorweg zu nehmen, der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im K21 in Düsseldorf ist eine bibliophile Kostbarkeit. Nicht wegen seines Formats, der Seitenanzahl oder vielen Abbildungen. Sondern wegen seines Konzepts, mit dem die verschiedenen Akteure – Künstler, Autoren, Kuratoren, Kunstwerke und Texte in Anlehnung an den Ausstellungstitel das Göttliche, oder anders gesagt das Heilige, Transzendente und Besondere inszeniert haben.

Das Buch gibt wieder, was der Ausstellung zugrunde liegt: Die Frage, „wie sich die christliche Bildtradition als universales Kulturgut und soziales Gedächtnis in einem säkularen Kontext etabliert und unabhängig von ihren religiösen Bezugsrahmen weiterentwickelt hat.“ (S. 16) Nicht zufällig sind es in Anlehnung an die Lebenszeit Jesu 33 künstlerische Positionen, in denen die vielschichtige und ambivalente Auseinandersetzung mit den Formen und Zeichen der christlichen Bildsprache im kollektiven Bild- und Textgedächtnisses manifestiert.

Wunderbar gleich zu Beginn, allerdings versteckt unter dem Schutzumschlag, der als Prägung in das Softcover eingelassene Titel, die „unsichtbare“, aber spürbare Präsenz hinter/unter den in schwarz gedruckten Künstlernamen, die hier für ihr Arbeiten stehen.

Den Anfang des Kataloges bilden nach den Danksagungen drei solide geschriebene Essays. Die Kuratorin Isabelle Malz führt einfühlsam in Ausstellung, ihre Themen und Ausstellungsobjekte ein. Sie resümiert: „Das in den säkularen Bereich eingeflossene, von seinem religiösen Rahmen losgelöste christliche Bild- und Kulturerbe erweist sich in der Kunst nach wie vor als ein komplexes, aber durchaus auch paradoxes Referenzsystem von anhaltender Wirkung. Die in den Kunstwerken verarbeiteten religiösen Motive und Themen haben sich hinsichtlich ihrer ursprünglichen Funktion längst verselbständigt, weiterentwickelt und mit neuen und veränderten Bedeutungsebenen aufgeladen.“ (S. 34)

Alena Alexandrova verfolgt in ihrem Beitrag „Nach Bildern“ einen eher philosophischen Ansatz, bei dem sie in der Differenzierung zwischen „Kultbild“ und „Kunstbild“ auch dem Mythos und Einfluss des „wahren Bildes“, des sogenannten „Acheiropoietos“ nachgeht. „Wenn Künstler heutzutage religiöse Bilder benutzen, dann verwenden sie sie als „Dinge“, die eine öffentliche Bedeutung haben, doch nicht als Objekte einer Kultpraxis“ (S. 48), ist eine ihrer Feststellungen.

David Morgan beschreibt im dritten Beitrag hervorragend die Beziehung und präzisiert die Unterschiede von Kunst und Andachtsbild. Die „Visuellen Kulturen des Heiligen“ fasst er so zusammen: „Kunst und Religion geben sich große Mühe, visuelle Artefakte wertzuschätzen, den Betrachtern Hingabe zu entlocken, beim Erleben der Bilder Aura zu erzeugen und dies zu lenken, indem sie Bilder mit einem umfassenden Instrumentarium versehen. Doch die eine stattet das Singuläre, Einzigartige mit einer Aura aus, während es der anderen darum geht, das Heilige zu verbreiten, sodass die Kopie keinen Verlust der Aura bedeutet, sondern vielmehr eine Überfülle davon.“ (S. 63) Die beiden Sätze treffen seine Aussage im Kern, sollen aber vielmehr Appetit auf die Lektüre seines wirklich außerordentlich guten Aufsatzes machen.

Zehn Bildtafeln mit religiösen Themen aus dem Bilderatlas „Mnemosyne“ des englischen Kunsthistorikers und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg gliedern „als zentraler Bildspeicher, als Denkfigur und Matrix“ die wissenschaftlichen Vorworte und führen den Leser als gesammelte Vorbilder des letzten Jahrhunderts genial an die Exponate heran und zeigen auf, dass sich Bildmuster schon immer tradiert und in neuen Inhalten und Bedeutungszusammenhängen manifestiert haben.

Die gediegene Präsentation der 120 Arbeiten der 33 Künstler ist geradezu vorbildlich. Sie ist eine gelungene Mischung von verschiedenen Beiträgen. So wurden von KünstlerInnen selbst konzipierte Künstlerseiten in das Gesamtkonzept integriert und leben die Präsentationen vom abwechslungsreichen Spiel der Beschreibungen, Interviews, Zitate und ergänzenden Fotos. Die Würdigungen der einzelnen KünstlerInnen machen deutlich, wie unterschiedlich, differenziert und selbstverständlich sie in den vergangenen 25 Jahren mit dem christlichen Bildererbe umgegangen sind und Gott dabei keinesfalls ein Problem darstellt. Und die Bandbreite der eingeladenen KünstlerInnen und ihre verwendeten Techniken sind der beste Beweis dafür.

Für deutschsprachige Leser ist angenehm, dass die englische Übersetzung an das Ende des Kataloges gelegt und dort auf gelbes Papier gedruckt wurde. Dadurch wurden die Beiträge nicht unnötig in die Länge gezogen. Dem gleichen Prinzip folgen die gesondert aufgeführten Werklisten, Künstler- und Autorenbiographien, die nachgelagert wurden, um die Quellenangaben und das Informationsangebot abrunden.

Fazit: Ein absolut empfehlens- und lohnenswerter Ausstellungskatalog für alle, die sich für die Spuren des christlichen Bildgutes und ihre Verwendung in der Gegenwartskunst interessieren. Ausstellung und Katalog sind ein weiterer wertvoller Beitrag zum Dialog zwischen Kunst und Religion, dieses Mal angeregt von der Deutschen Bischofskonferenz anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Zweiten Vatikanischen Konzils.

 

 


DU SOLLST DIR (K)EIN BILD MACHEN


Das Buch zur Ausstellung über das Bilderverbot und die Lust auf Bilder im Berliner Dom vom 1. März bis 14. Juni 2015.
Alexander Ochs und Petra Zimmermann (Hrsg.) Kerber-Verlag Bielefeld 2015, 170 S., 87 farbige und 14 s/w Abb.,
ISBN: 978-3-7356-0171-1, 32 Euro

Ein außergewöhnliches Buch über eine ungewöhnliche Ausstellung

Normalerweise erscheinen Kataloge zur Ausstellung und nicht nach der Ausstellung. Doch dieses Buch entstand als Reaktion auf die Reaktion vieler, die sich auf irgendeine Art und Weise zur Ausstellung geäußert hatten. So kann es als eine Dokumentation der unterschiedlichsten Interaktionen gelesen werden, welche die in zehn Stationen über dreieinhalb Monate gewachsene Ausstellung, die in stetem Dialog zwischen den Besuchern und den liturgischen Zeiten des Osterfestkreises stand, zu diesem außerordentlichen Ereignis im Berliner Dom gemacht haben. Die in fließenden Übergängen veränderte Hängung, dieser wechselnde Dialog zwischen sakraler Kunst des Mittelalters und Werken von rund 50 KünstlerInnen unserer Zeit ließ kaum jemanden unberührt und forderte zu einem lebhaften Dialog heraus.

So beschreibt das Buch die neue Lust einer kirchlichen Gruppe an Bildern und wie sie damit über 60.000 Besucher aus aller Welt zu begeistern vermochten. Wie es die Herausgeber schreiben, lädt das Buch ein, „hin und her zu flanieren, sich vom Haupttext in die Predigten zu lesen, sich die Kunstwerke dazu zu suchen, usw.“. Die lebendige Beschreibung des Ausstellungsverlaufs durch Alexander Ochs, die eindrücklichen Ausstellungsansichten, die berührenden Texte und die ausgezeichneten Predigten und Meditationen machen es dem Leser leicht, dem finalen Wunsch der Initiatoren nachzukommen: „Wir würden uns sehr freuen, könnten sie mit uns in diesem Buch reisen, neue Entdeckungen machen, um sich am Ende ein Bild der vielen Bilder, Ihr eigenes Bild und auch ein Bild von uns zu machen. Von uns, die wir das Gespräch zwischen Spiritualität und Kunst, zwischen Bild, Kirche und Gesellschaft mit Ihnen weiter führen wollen.“ (S.7)

Außergewöhnlich ganzheitlich und interaktiv ist zudem, dass das Buch auch nur als ein Medium in diesem kontinuierlichen Bildungsprozess gesehen wird und dem Interessierten darüber hinaus weitere Informationen zu den Künstlern und der Ausstellung auf der gleichnamigen Website zur Verfügung stehen. Das Buch ist eine hervorragendes Zeugnis über einen auf Augenhöhe geführten inklusiven (im Sinne von selbstverständlich dazugehören) Dialog zwischen Kunst und Kirche.
 

 

 

Vom Allmächtigen zum Leibhaftigen.

Religiöse Motive in der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin. Hg. Thomas Rusche, Andrea Fromm und Tom Beege im Auftrag des Kunsthauses Apolda Avantgarde. Wienand Verlag, Köln, 2016. 160 S., 124 farbige Abb., 29,80 Euro, ISBN 978-3-86832-313-9

Neue Bilderwelten zum christlichen Glauben

Der Katalog zu den gleichnamigen Ausstellungen im Kunsthaus Apolda (bis 28.3.) und im RELiGIO - Westfälisches Museum für religiöse Kultur, Telgte (10.6. - 4.9.2016) gibt einen Einblick in die nahezu unbekannte Bilderwelt der Sammlung SØR Rusche. Für die Ausstellung sind etwa 30 Arbeiten des niederländischen Barock und 80 zeitgenössische Arbeiten ausgewählt worden. Sie bilden spannungsvolle Bögen zwischen dem 17. Jh. und der Gegenwart, zwischen den Niederlanden und (Ost-)Deutschland/Polen. Beachtlich sind die vielen Arbeiten der letzten zehn Jahre, die belegen, wie intensiv sich Künstler mit philosophisch-religiösen Themen auseinandersetzen und dabei ganz selbstverständlich Motive aus der christlichen Bildtradition für den Transport ihrer eigenen Aussagen verwenden.

Die knapp 110 Werke sind im Buch in acht Kapitel gegliedert, deren Überschriften einen theologischen Höhenflug durch die christliche Glaubenswelt versprechen. Angefangen bei der Erschaffung des Menschen, bei Gut und Böse, geht es über Gott, die Götter und die Päpste zum Kapitel "Gott ist tot! Und wir haben ihn getötet!" zu Maria als Gottesgebärerin, in der der Allmächtige leibhaft wird. Nach "Christi Passion. Der Erlöser am Kreuz" folgt das Kapitel "Wunder, Glauben und der Weg in den Himmel", um mit der einzigen englischen Überschrift zu enden: "There is one death but many heavens." Das eigentlich Spannende dabei ist jedoch, dass diese Ausstellung nicht von der Kirche initiiert wurde, sondern durch das Engagement des Unternehmers, Kunsthistorikers und bekennenden Katholiken Dr. Dr. Thomas Rusche und des Kuratorenduos Dr. Andrea Fromm und Tom Beege, die sich seit 2010 mit zahlreichen Ausstellungen einen Namen gemacht haben, zustande kam. Letzteren ist auch zu verdanken, dass im Katalog alle Werke ausführlich beschrieben und in ihre jeweilige kultur-, kunst- und geistesgeschichtliche Umgebung eingebettet sind.

Ausstellung als auch Katalog sind ein glückliches Zusammentreffen von einem begnadeten Katholiken, der ganz aktuell religiöse Motive in der Gegenwartskunst aufspürt und in seine Sammlung ankauft, und zwei engagierten Kuratoren, die es durch ihr Tun und ihre Worte verstehen, die besonderen Kunstwerke für alle Bevölkerungsgruppen zu erschließen und zugänglich zu machen. Das macht die Betrachtung der Kunstwerke und die Auseinandersetzung mit der oft ungewohnten Verwendung der christlichen Motive zu einem Genuss und einem Erlebnis, die noch lange bewegen und erfüllen.

 

 

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