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Sakral:Kunst.
Innovative Bildorte seit dem II. Vatikanischen Konzil in der Diözese Graz-Seckau.

Hrsg. Kunstkommission der Diözese Graz-Seckau (Hermann Glettler, Heimo Kaindl, Alois Kölbl, Miriam Porta, Johannes Rauchenberger, Eva Tangi), Schnell & Steiner Regensburg 2015, 286 Abb., 336 Seiten, ISBN: 978-3-7954-3079-5, 35 Euro


Lebendige Kirchen(t)räume

Das Buch hält, was sein Titel verspricht. 73 innovative Bild-Orte (Fallbeispiele) der Diözese Graz-Seckau werden dem Leser durch ein kompetentes Autorenteam kurzweilig vorgestellt. Es ist eine geistige Exkursion zu hervorragend gestalteten sakralen Orten in dieser Diözese, was, unterstützt durch die ausgezeichneten Bilder und Texte, eindrückliche Begegnungen mit diesen besonderen Orten und Räumen ermöglicht.

Wie es Alois Kölbl in seinem Vorwort schreibt, werden "neue Bild-Orte von hohem kreativem und künstlerischem Potential gezeigt. Nicht nur Altäre und Ambonen finden sich mit ihrer Funktion als Skulpturen definiert, auch Fassaden, Beichtstühle und Tauforte werden ganz neu und jenseits klassischer ikonografischer Traditionen als Bild-Orte entdeckt und herausfordernd gestaltet. (S. 14)

Der umfassende Essay von Mag. Johannes Rauchenberger, in dem er kompetent und gut verständlich die verschiedenen Bild-Orte auf Grund der Kultreform des ll. Vatikanischen Konzils, der vorangehenden liturgischen Bewegung und "der Sprache der Kunst auf der Höhe ihrer Zeit" (S. 26) beleuchtet, ist ein besonderes Juwel. Gelungen sind auch die zahlreichen Bild-Links, die den Text zum einen illustrieren, zum andern Lust zum Erkunden der einzelnen Kunstwerke macht.
Diese werden in der Regel auf vier großzügig gestalteten Seiten mit einer Detailaufnahme des Werks und einer weiteren Aufnahme zur Verortung im Raum sowie einer Beschreibung in deutsch und englisch gezeigt. So führt dieses Buch "im besten Sinn "katholisch" (...) herzeigbare Beispiele der Konsequenz dieser Reform aus einem Zeitraum eines halben Jahrhunderts vor - nicht mit restaurierten Steinen, sondern gerade durch Kunst." (S. 17)

Zusammengefasst ist es ein Buch nach allen Regeln der Kunst: Ein Buch, das nicht prätentiös daherkommt, sondern in einfacher Schönheit aufzeigt, was alles möglich ist mit Offenheit, Kreativität und Mut. Als Basiswerk ist es allen wärmsten empfohlen, die sich mit der Um- oder Neugestaltung von Bildorten in ihrer Kirche auseinandersetzen, insbesondere Priestern, Pastoralreferenten, Sakristanen, die täglich in solchen Räumen arbeiten, aber auch allen, die sich persönlich für spannungsvolle, lebendige Kirchenräume engagieren.

 

 

Timothy Verdon: Kunst im Leben der Kirche. Eine 2000-jährige Beziehung
Verlag Schnell & Steiner Regensburg 2010, 296 Seiten, 99 Illustrationen, 17 x 24 cm, 34,90 Euro, ISBN 978-3-7954-2359-9

Prof. Mons. Timothy Verdon, Kunsthistoriker und Leiter des Büros für die "Katechese durch die Kunst" der Erzdiözese Florenz, verfolgt in diesem Buch "die Entwicklung der Kunst im Leben der Kirche" und will dabei "die besondere Fähigkeit der Bilder, Inhalt und Wahrheit des Glaubens an Christus zu vermitteln, aufzeigen." In sieben katechetischen Themenblöcken (Biblia pauperum, Das sichtbare Wort, Eine Zeichensprache, Die menschliche Geschichte, Der Kosmos, Das Gebet, Das vollständige Werk) analysiert er "den Prozess zur Sichtbarmachung der Botschaften, die von der Kirche weitergegeben werden sollen." (10)

Beseelt und begeistert von den erlebten Zusammenhängen zwischen dem Schriftwort, den Kunstwerken in kirchlich-klösterlichen Räumen und dem liturgischen Vollzug zeigt er meisterhaft und gut nachvollziehbar die Bedeutung der Kunstwerke in der Verkündigung der katholischen Kirche auf. Als Mann der Kirche geht es ihm auch in diesem Buch um die Verkündigung. So wie die ganze Schöpfung auf Christus hin geschaffen worden ist, haben auch alle besprochenen Kunstwerke nur die eine Aufgabe, die Menschen für Christus zu öffnen und zu ihm zu führen.

So durchkämmt er in den ersten drei Kapiteln den Weg der Kirche mit der Kunst unter verschiedenen Gesichtspunkten. Er verwendet vor allem Kunstwerke aus dem italienischen Raum, um aufzuzeigen, wie sie exegetisch das biblische Wort verstärken und auf visuelle Weise in die Liturgie eingebracht haben (Kapitel 1), wie die Künstler durch die Jahrhunderte hindurch innovativ Bilder fanden, um Jesus Christus überzeitlich darzustellen (Kapitel 2), wie die Kirchenkunst durch Zeichen spricht, weil sie im "Dienst der sakramentellen Zeichen" (S. 89) steht (Kapitel 3). Hier wird zuerst das Warum von Zeichen besprochen, dann die Bedeutung des Kreuzes und seiner Ausformung in Christus, die Zeichen der Schöpfung, Maria als Zeichen der Kirche.

Darauf aufbauend zeigt der Autor im vierten Kapitel, dass die Kunst im Dienste der Kirche Kenntnisse über die Geschichte der Menschen vermittelt - und "in österlichem Sinn auslegt" (S. 131). Dabei zitiert er vor allem Werke aus dem Vatikan und dem Kapitelsaal des Dominikanerklosters Santa Maria Novella in Florenz. Der Schöpfung als zweitem Subjekt der Heilsgeschichte (vgl. Röm 8,18-22) widmet Mons. Verdon das fünfte Kapitel. Dabei spannt er den Bogen vom Garten Eden zum Garten der Auferstehung, betrachtet die Rolle Mariens in der Erlösung des Kosmos und verweilt lange bei der mystagogischen Wirkung der Wallfahrt auf den Sacro Monte di Varallo (auch im Folgekapitel), der als Gesamtkunstwerk mit über 700 lebensgroßen Statuen in 45 Kapellen konzipiert worden ist. Folgerichtig entfaltet Timothy Verdon in der Folge u.a. am Beispiel von Arbeiten des Beato Angelico, wie Kunstwerke das persönliche wie das gemeinschaftliche Gebet unterstützen und fördern können, nach dem Konzil von Trient auch in der Entfaltung theatralisch gestalteter Kunstwerke. Ähnlich der Vollendung der Schöpfung am siebten Tag führt er in seinem siebten und letzten Kapitel viele der vorher besprochenen Kunstwerke und Erkenntnisse in "Das vollständige Werk" zum Thema des Gesamtkunstwerkes zusammen. Hier kommen Meisterwerke aus der Kirche San Vitale in Ravenna, dem Refektorium von Santa Maria delle Grazie in Florenz, der Sixtinischen Kapelle (Michelangelo) und dem Petersdom (Bernini) zur Sprache.

So lebendig und brillant Timothy Verdon die Beziehung der Kunst im Leben der Kirche auch zu erzählen vermag, bleibt doch der Wehmutstropfen, dass er die Geschichte nicht wie im Untertitel angekündigt als 2000-jährige Geschichte zu erzählen vermag. Denn bis auf zwei Kunstwerke des 20. Jahrhunderts, die er äußerst kurz erklärt, endet bei ihm die Sakralkunst mit Beginn der Aufklärung. Klar entfalten die Kunstwerke auch in unsere Zeit hinein ihre Wirkung, aber die Lücke bleibt.

Anzumerken sind in dem sehr sorgfältig gestalteten Buch mit guter Bildplatzierung doch drei erstaunliche Fehler: auf S. 80 Mitte muss es anstelle Abb. 17 offensichtlich Abb. 27 heißen, auf S. 146 Mitte wird ebenso offensichtlich die Reihenfolge der vier Personen von rechts nach links - und nicht umgekehrt - beschrieben und auf S. 181 oben wird wie im Bild beschrieben die personifizierte Mutter Erde und nicht die Mutter Kirche dargestellt.

Dennoch bleibt das Buch empfehlenswert. Zum einen, weil Mons. Verdon begeistert von seinem Anliegen ist und dies eine stete Freude beim Lesen ist, zum anderen, weil er es wie wenige vor ihm versteht, die große Bedeutung ausgewählter Kunstwerke für den christlichen Glauben herauszuarbeiten und zu erklären. Ein wertvolles Grundlagenwerk für jeden, der mit Glaubensverkündigung in der Kirche und im Kirchenraum zu tun hat.
 

 

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