ein kleines Schaf schaut auf seinen schlafenden Hirten und passt auf ihn auf! - Müsste es nicht umgekehrt sein? - Gerade deswegen regt die Skulptur zum Nachdenken über Lebensaufgaben und Lebenswege an.
Ich wünsche Ihnen eine segensreiche Betrachtung und grüße Sie herzlich,
Ihr Patrik Scherrer
Matthäus Merian ging als visueller Chronist seiner Zeit in die Kunstgeschichte ein. Seine Stiche und Radierungen eröffnen einen ganzen Kosmos. Seine Landschaften und Stadtansichten sind Teil unseres kollektiven Gedächtnisses. Im Gegensatz dazu sind die Icones Biblicae (1625–1627) – 233 Illustrationen von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament – weitgehend in Vergessenheit geraten. Schade! Sie sind so bemerkenswert, dass sie uns sogar dazu verleiten könnten, die Bibelgeschichten selbst noch einmal zu lesen.
Das aufrechte Stehen oder Gehen, Warten oder Schreiten, beide wesentlichen menschlichen Haltungen werden von Annette Zappe in ihren Figuren meisterhaft als universelle Spiegelbilder und Symbole des Menschseins thematisiert. Ihre Figuren sind nicht einfach Fußgänger, die eine Straße oder eine Türschwelle queren, sie sind Schreitende. Bedächtig Schreitende, durch das Leben Wandernde, die von einer inneren Ruhe gehalten und geführt werden.
Zu sehen bis 9. Nov. 2025 im Malura Museum in Oberdießen.
„Ein Kunstwerk kann nur aus der Gnade entstehen. Viele Zeitgenossen glauben, man könne Kunst ,machen‘. Aber Kunst wird nie produziert, sondern erschaffen – ganz gleich, ob es sich um gegenständliche oder abstrakte Malerei handelt. Über die Welt der Erscheinung gelangt der Künstler mit seinem intuitiven Wissen in die geheimnisvolle Tiefe des Unsichtbaren – in den Bereich des Geistigen, das die sichtbare Welt im Innersten zusammenhält.“
Oswald Malura
der andere Bild-Impuls
Michael Goller: Betender
Betender nennt der Künstler seine Arbeit. Damit legt er eine Spur, doch die Unsicherheit bleibt. Ist eine allein betende Person dargestellt oder sind es nicht vielmehr zwei Personen, bei denen die Obere für die untere, eher liegende Person betet? Möglich ist auch die Hinwendung des Betrachters zu dem Unbekannten, ganz Anderen, der seine Identität hinter der Maske – Gott – verbirgt? Jedes ist ein schlüssiger Gedankengang. Michael Gollers Arbeit belehrt nicht im Sinne von „so ist es“ und verkündet keine unumstößliche Wahrheit. Vielmehr zeigt er Spuren und Wege, das Gewohnte als einzige Denk- und Lebensmöglichkeit zu verlassen und sich dem ganz Anderen und Unbekannten zu öffnen und zu nähern … als Betender.