die meisten Weihnachtsdarstellungen zeichnen ein idyllisches Bild der
Heiligen Familie. Dabei müssten bereits die Herbergssuche und die
Geburt in einem Stall aufmerken lassen, dass längst nicht alles in
Ordnung war. Das lässt auch die mit einem Querbalken durchkreuzte
Krippe spüren und lenkt den Blick über die Geburt Jesu hinaus auf seine Lebensaufgabe.
Ich wünsche Ihnen eine segensreiche Betrachtung und eine frohe dritte Adventswoche in der Vorbereitung auf Weihnachten zu.
Unter dem Titel „Göttlich!“ versammelt das Diözesanmuseum Freising in seiner neuen Sonderausstellung Meisterwerke der Renaissance von führenden italienischen Künstlern. Anhand 65 hochkarätiger Leihgaben aus 27 italienischen Museen und Sammlungen fragt die Schau nach der entscheidenden Rolle und der Macht der Bilder bei der Entdeckung des Ichs in Bezug auf Gott und die Gesellschaft in dieser für Europa zentralen Epoche.
„Kunst ist ein Platzhalter für das und den „ganz Anderen“, den unbegreifbaren, alle Kategorien menschlicher Begrifflichkeit und Fassbarkeit übersteigenden Gott. In diesem Sinne hat Kunst gerade als Kunst in der Kirche auch eine „heilige“ Funktion. Das hebräische Wort für heilig lautet kadosch und bedeutet übersetzt eben das ganz Andere. Kunst mahnt Themen ein, die man gerne verdrängt oder erledigt hätte. Ein ehrlicher Umgang mit Kunst ist eine Schule gegen Selbstgefälligkeit, Hochmut und theologische Biederlichkeit. Seriöse Kunst stellt auch den metaphysischen Kuschelkurs in so mancher Spielart von Spiritualität in Frage.“
Bischof Hermann Glettler, Die Furche, 29.09.2025
der andere Bild-Impuls
Dietlinde Stengelin: Im Herzen gebor(g)en
Allein, hilflos, ausgesetzt, wie unerwünscht liegt das Kind inmitten dieser eisigen Landschaft. Doch das göttliche Kind ist uns ans Herz gelegt. Es ist uns ins Herz gelegt, damit wir ihm Geborgenheit schenken, es schützen und für es sorgen. Wir sollen Jesus in unser Herz aufnehmen, er will in uns und durch uns zur Welt kommen und Licht in der Welt sein.