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Christoph Feuerstein, Mose, 2014
© Christoph Feuerstein

Im Angesicht Gottes

Explosiv breitet sich der orangefarbene Feuerball aus. Die ihn umgebenden Gestaltungselemente, unten dunkler und oben heller, erinnern an Gesteinsbrocken, wie sie bei einem Vulkanausbruch durch die Luft geschleudert werden können. Die Darstellung suggeriert, dass der Mann gefährlich nahe am Rande des Vulkantrichters kniet. Mit gefalteten Händen und erhobenem Kopf schaut er in die Höhe, als würde er von dort Ansprache oder Hilfe erwarten. Der Kniende wirkt durch sein Aussehen wie ein Eremit vor dem aus dem Untergrund hervorbrechenden Fegefeuer.

Andererseits befindet sich der Wartende und Fragende nicht nur davor, sondern auch auf Augenhöhe mitten im verzehrenden Feuer. Furchtlos verweilt er vor der gewaltigen Übermacht. Umfangen von der expressiv dargestellten Feuersglut scheint er in die Flammen hineinzuhorchen, um die Stimme darin zu vernehmen und zu verstehen.

Gott hat zu Mose aus dem Feuer des brennenden Dornbuschs gesprochen (Ex 3,5f). In der Darstellung ist aber kein Dornbusch zu erkennen. An seiner Stelle kniet der Mensch in seiner Sehnsucht nach Beziehung und Kommunikation mit Gott. Der Mensch ist das nach Erkenntnis dürstende und in seiner Existenz verletzliche Lebewesen, das mit Leben erfüllt werden will und mit einer sinnvollen Aufgabe. Trotz seines mehrfachen Haderns mit Gottes Auftrag hat Mose seine Berufung gehört und tief in sie hineingehört, bis alle Zweifel in ihm verbrannt waren und er seinen Weg unbeirrt gehen konnte. Er steht stellvertretend für uns alle, weshalb der Ort sich im Bild nicht lokalisieren lässt. Der Gottesberg Horeb befindet sich überall, auch wenn er in der Bibel nur zweimal erwähnt wird bei den ganz unterschiedlichen Gottesbegegnungen von Mose und Elija (1Kö 19,11f).

Die Erzählungen von Elija oder Mose zeigen uns, dass Gottesbegegnungen tiefe und prägende Erfahrungen mit Gott sind. Sie zeigen, dass Gott gerade in der größten Verlassenheit und Not überraschend zu uns spricht und uns führt. Leise wie ein sanftes Säuseln bei Elija, aufsehenerregend durch das Feuer bei Mose. Gott ist allezeit der Da-Seiende, der „Ich bin, der ich bin“. Er ist der Ewige, der sich in unserer zeitlichen Existenz und in unseren Nöten offenbart und uns mit Kraft erfüllt, leidenschaftlich für ihn zu brennen und ihm zu dienen.

Patrik Scherrer, 02.08.2025

Christoph Feuerstein

Mose
Entstehungsjahr: 2014
Öl auf Leinwand, 30 x 24 cm
© Christoph Feuerstein

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