zeitgenössische Kunst eröffnet neue Horizonte

„Es gilt auszuhalten, dass nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, was für eine Bedeutung das jeweilige Kunstwerk hat. Es gilt anzuerkennen, dass Kunst eine Bedeutung in sich hat, aus sich heraus wirkt, nicht der Seh- und Erfahrungsgewohnheit des Alltags folgt und erst recht nicht verzweckt werden darf. Das Wahrnehmen von Kunst bedarf Zeit, damit Kunst räsonieren kann, zur individuellen oder gemeinschaftlichen Auseinandersetzung und schließlich zum Dialog führt. In jedem Menschen bewirkt das Wahrgenommene andere Resonanzen. Kirche ist im historischen Sinne „Kulturguterhalterin“. Aber so [der Innsbrucker Bischof Hermann] Glettler, Kirche muss auch „anschlussfähig bleiben für heutige Kunstschaffende. In diesem Offenen geht es viel um das Sich-provozieren-Lassen, Sich-herausfordern-, -herausrufen-Lassen, auch Fragen nach neuer Solidarität, der Weggemeinschaft.“ Einfache Antworten gibt es meist nicht. Und der Weg ist selten bequem.“

„Das Aussetzen im Angesicht zeitgenössischer Kunst lohnt sich. Was anfangs sperrig wirkt, führt durch die Auseinandersetzung zu neuen Einsichten, lässt über den Binnenraum Kirche hinausblicken und eröffnet somit neue Horizonte, nicht zuletzt des Glaubens.“

Katharina Seifert, in „aus unserem schaffen“, heft 18/2019, S. 334

Ausdruck des Unaussprechlichen

„Kunst vermag dem Unaussprechlichen einen Ausdruck zu verleihen, bei dem das zutiefst Verborgene des Lebens als auch das es himmelhoch Übersteigende berührt und thematisiert werden können.“

Patrik Scherrer

Kunst und Kirche sind Partner

„Nicht immer ist es ein einfacher Dialog. Denn die Kulturschaffenden bestehen auf ihre errungene Freiheit und Unabhängigkeit, die Kirche auf ein Werk, das den Glauben anschaulicher macht, den Betrachter berührt. Einig sind sich beide nur darin, dass ein Kunstwerk Fragen auslösen soll: nach dem, woher der Mensch kommt, wie er in seiner Gesellschaft verantwortlich lebt und wie er mit Gott und dem Kosmos in Verbindung steht. Große Fragen, die ebenso wie ihre Antworten immer wieder in neuem Gewand erscheinen.“

Alois Bierl, Chefreporter Sankt Michaelsbund

Unberechenbare Berührung

„Es lässt sich nicht vorhersagen, wann und warum eine Berührung mit dem Kunstwerk stattfindet, auf welche Details jemand besonders reagiert und was die Neugierde auslöst. Die Formen der Aneignung sind ebenso vielfältig wie die Lebenserfahrung der Menschen und in ihrer Intensität und Nachhaltigkeit von außen nicht zu bewerten. Gerade darin besteht eine Parallele von Kunst und Religion.“

Stefan Kraus, Das Thema christliche Kunst ist abgehakt, S. 39

Prinzip der Kunst

(Es ist das) „Prinzip der Kunst: mehr wiederfinden, als verloren gegangen ist.“

Elias Canetti

was Kunst und Kirche verbindet

„Es verbindet Kunst und Kirche, dass sie es mit dem Unaussprechlichen, dem ganz anderen zu tun haben – etwas sagen und zeigen zu müssen, was eigentlich nicht zu sagen ist.“

Susanne Breit-Kessler

aus der Tiefe

„Alles, was uns umgibt, prägt uns, und in dem es uns prägt, prägt es das Werk. Darum glaube ich, wenn wir nur ganz und gar ehrlich mit uns sind, wird das, was wir sagen oder schreiben, jeden anrühren. Es wird andere anrühren, wenn es tief aus unserem Innern kommt, denn dort beginnt der Kontakt zwischen den Menschen.“

Magdalena Abakanowicz

Große Kunst ist welthaltig

„Große Kunst ist welthaltig, auch und gerade, wenn sie nicht unmittelbar abbildend sein will. Das Unbewusste ist nicht so getrennt vom Bewusstsein und von realen Erfahrungen, wie viele annehmen. Die Welt gräbt sich ins Unbewusste ein. Realität ist durchaus in unbewusst entstandener Kunst enthalten, kann sogar eine konzentrierte, gesteigerte Dimension annehmen – so wie im Traum.“

Hanna Gagel, So viel Energie. Künstlerinnen in der dritten Lebensphase, Berlin 2005, S.198.

gut im Zeigen

„Ohne die Schönheit wäre die Kunst gar nichts. Denn Kunst ist eigentlich nicht die interessanteste Art und Weise, etwas über die Welt zu erfahren. Literatur und Journalismus können viel besser informieren. Aber die Kunst ist gut im Zeigen.“

Jeff Wall, 2010

spirituellen Impetus

„Eine Erfahrung aus vielen Ausstellungen in Kirchen und in religiösen Kontexten ist, dass zeitgenössische Kunst sich dort noch einmal anders zeigt als im Museum oder der Galerie. Einerseits verstehen wir, dass sich Moderne und Zeitgenossenschaft nicht aus einem luftleeren, säkularen Raum entwickelt und in einer vieltausend–jährigen Geschichte fußt. In unserer Ausstellung beachten wir jedoch sorgsam den autonomen Charakter jedes einzelnen Kunstwerkes und sehen anderseits, welches Gefühl es in uns auslöst. Wir sind sehr überzeugt, dass jedes gute Kunstwerk einen spirituellen Impetus in sich trägt, der sich dem Publikum mitteilt. Diesen nennen wir den Funken Gottes! Und so wird aus einer Schule des Sehens eine Schule des Fühlens.“

Alexander Ochs

Kunst ist Seelsorge

Kunst und Seelsorge laden ein, sich mit offenem Blick und offenem Ohr auf das Gegenüber, sei es Kunstwerk oder Mitmensch, einzulassen. Beide leben von der Bereitschaft, sich berühren zu lassen und auf innere Resonanzen zu hören. Sie wenden sich dem Hoffnungsvollen und Kostbaren in der Welt und in der menschlichen Seele ebenso zu wie dem Dunklen und Verletzten und halten sich offen für das Unerwartete in der Begegnung. So fordert die Begegnung mit dem Kunstwerk ebenso wie die seelsorgliche Begegnung dazu auf, Neues zu entdecken und dem Schöpfungsgeist Raum zu geben.

Erfahrung des ganz Anderen

„Liturgie muss Raum geben für die Erfahrung des ganz Anderen, darf nicht bruchlos in der Alltagserfahrung aufgehen, muss Ort sein für Mysterium und Erlebnis.“

Thomas Sternberg, in: voll Gott, Kath. Kirchgemeinde Maria Geburt, Aschaffenburg (Hrsg.), Regensburg 2019, S. 37

sinnliche Malerei

„farbe / in ihrer sinnlichen erfahrbarkeit / als tastende substanz / oder fast körperlose lasur, / in einem unermesslichen reichtum / von unterschiedlichen intensitäten / in einer nicht überschaubaren vierlzahl / von überlagerungen / und durchdringungen, / bewegt hingeschrieben / oder ruhig gesetzt, m a l e r e i“

Raimund Girke

Kunstwerke vermögen Unerhörtes zur Sprache bringen

„Ein Kunstwerk lässt sich nicht einengen und eingrenzen. Es ist immer offen in seiner Bedeutungsvielfalt und offen für Deutungen. … Gerade das Zeichenhafte …, das Symbolische, das Vokabular und die Sprache der Farben sind darauf angelegt, dass die Betrachter beginnen, mit ihnen etwas anzufangen. Und sie fangen mit ihnen etwas an, sobald sie sich auf das Spiel der Kunst einlassen. Dann bringen sie nach ihrer Weise Unerhörtes zur Sprache und zu Gesicht, solches, das in den Grenzen des Raumes nicht zu fassen ist.“

Wolfgang Urban am 01.11.2012 im Vortrag: Die „Kunst der Farbe“ im Raum des Glaubens

Kunst als Türöffner

Die Künstler heute sind keine Diener der Theologie. Im Mittelalter war der Glaube in den einzelnen Künstlern so verankert, dass der Auftrag der Kirche mit ihrem eigenen Lebensgefühl übereinstimmte. Gerhard Richter und viele weitere sind selbstständige Künstler, die sich bereitfinden, innerhalb des kirchlichen Umfeldes zu arbeiten. Insofern ist es aber wichtig, dass wir uns nicht einfach ihrer Kunst bedienen, Kirche darf der Kunst keine Vorschriften machen. Die Kunst ist eine eigenständige Möglichkeit der Verkündigung, auch der Evangelisierung, weil sie auf Gott verweist. [Wenn ein Brech oder ein Richter nun ihre tiefen Zweifel am Glauben in ihrer Kunst ausdrücken? (Frage von Cornelius Stiegemann)] Dann können sich die Leute mit ihren eigenen Zweifeln darin wiederfinden und sich fragen, wie sie diese Zweifel überwinden können. Was muss geschehen, damit ich Gott vertraue, damit ich wieder einen Zugang finde? Da kann so ein Kunstwerk doch wie ein Türöffner sein. Deshalb haben auch moderne, kritische Werke in der Kirche ihren Platz.

Bischof Friedhelm Hofmann am 19.10.2018 in www.katholisch.de (entnommen am 05.04.2019)

Kunst erwächst aus jeder spezifischen Situation.

„Ich habe mit vielen Materialien experimentiert. Ich arbeite auch mit Material, das viel Berührung und Verwendung durch Menschen erlebt und erfahren hat …, und diese Arten von Material und Arbeit sind stärker aufgeladen als bei Materialien/Werken, bei denen ich mit Maschinen gearbeitet habe. Kunst erwächst aus jeder spezifischen Situation, und ich glaube, Künstler sollten besser mit dem arbeiten, was ihre jeweilige Umgebung gerade bereitstellt.“

El Anatsui, 2003

Lebensmittel für die Bedürftigen

„Es hat sich gezeigt, dass sie [die Kunst] nicht nur ein Luxusmittel für die Reichen und Saturierten, sondern ein Lebensmittel für die Bedürftigen ist.“ Was Max Reinhard 1917 unter dem Eindruck der ‚furchtbaren Wirklichkeit‘ des ersten Weltkriegs und im Blick auf die Kunst des Theaters schrieb, hat ein Jahrhundert später nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt. ‚Lebensmittel-Sein‘, das verbindet die Künste mit der Religion. Beiden ist es eigen, die großen Existenzfragen der Menschen und des Menschseins zu stellen und wachzuhalten: Leben und Tod, Schmerz und Erlösung, Schuld und Versöhnung, Angst und Hoffnung, Lüge und Wahrheit …

Peter Stengele in: Was ist wahr – Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019, S. 5

Bilder – ein Weg zur Wirklichkeit

„Denn ein Weg zur Wirklichkeit geht über Bilder. Ich glaube nicht, dass es einen besseren Weg gibt. Man hält sich an das, was sich nicht verändert, und schöpft damit das immer Veränderliche aus. Bilder sind Netze, was auf ihnen erscheint, ist der haltbare Fang. Manches entschlüpft und manches verfault, doch man versucht es wieder, man trägt die Netze mit sich herum, wirft sie aus, und sie stärken sich an ihren Fängen. Es ist aber wichtig, dass diese Bilder auch außerhalb vom Menschen bestehen, in ihm selbst sind sie der Veränderlichkeit unterworfen.“

Elias Canetti, Die Fackel im Ohr. Lebensgeschichte 1921-1931. Frankfurt a. M. 2015 (ungekürzte Ausgabe 1982), S. 110.

Licht

Von der Schöpfung bis zum Licht der Welt des Evangeliums ist die biblische Erzählung nicht ohne Licht denkbar. Es ist Antithese zum Chaos, das Gegenstück zur Finsternis, eine Quelle von Güte und Gerechtigkeit, Zeichen des Lebens.

Maria Baumann

Die Augen öffnen für geistige Landschaften

„Kunst soll anregen zu sehen und die Augen öffnen für geistige Landschaften in unserem Inneren: Unverborgenheit sozusagen. Es geht dabei um Intensivierung der Wahrnehmung, um etwas zu begreifen, was nicht neu ist, was man im Grunde durchaus weiß.“

Josef Roßmaier