Kunst der Gegenwart – Kirche heute

“Die autonome Kunst der Gegenwart kann den kirchlich Engagierten nicht gleichgültig sein, wenn sie sich den Herausforderungen der Welt von heute zu stellen haben. Die ästhetische Wahrnehmungs-, Ausdrucks- und Deutungskompetenz in der Kunst berührt vielmehr den Kern christlicher Glaubensaussagen, wenn Christen etwa von der Selbstoffenbarung Gottes oder von der Menschwerdung des Sohnes sprechen.”

www.kunst-und-kirche.com / “Gesellschaft für den Dialog von Kunst und Kirche e.V.”

Der Glaube in der Kunst

„Maler sind die Gesellen Gottes – sie haben Gott geholfen, nicht die Welt zu erschaffen, aber sie sichtbar zu machen.“

„In der Kunst ist der Glaube etwas sehr Wichtiges. Kunst kann nicht beurteilt werden. Man muss sie glauben. Man muss dem Künstler glauben. Wenn man glaubt, kann man auch eine Qualität feststellen. Wie wichtig Religion ist, kann man nur daran messen, dass sie die Menschen zwingt zu glauben. Verlieren wir den Glauben, dann können wir auch unserem Nächsten nicht mehr glauben. Verliert man den Glauben, endet man in einer Art Zynismus.“

Markus Lüpertz

einfach geschehen lassen

“Jedes Kunstwerk ist ein Kompromiss zwischen dem Machbaren und dem Gewollten. Das angestrebte Ziel wird in der Kunst nie erreicht, allerdings kommt die Kunst mehr oder weniger nahe an das heran, was der Künstler wollte.

Ich glaube, ich habe eine Lösung: die Dinge einfach geschehen zu lassen. Ich lasse die Dinge einfach geschehen, und es ist so erstaunlich, dass ich selbst mich darüber wundere. Ich sage immer, ein Bild ist gut, wenn der Künstler über sein eigenes Bild überrascht ist.”

Friedensreich Hundertwasser

Ist es als Kunstwerk gut?

“Wenn Christen sich konstruktiv in der Kunst engagieren wollen, sollte die erste Frage zu einem Werk nicht die enge Frage sein: “Ist es christlich?”, sondern die weiter gefasste Frage: “Ist es als Kunstwerk gut?”

Steve Turner, Imagine, 2004

den Sinn der Menschen auf Gott zu wenden

“Zu den vornehmsten Betätigungen der schöpferischen Veranlagung des Menschen zählen mit gutem Recht die schönen Künste, insbesondere die religiöse Kunst und ihre höchste Form, die sakrale Kunst. Vom Wesen her sind sie ausgerichtet auf die unendliche Schönheit Gottes, die in menschlichen Werken irgendwie zum Ausdruck kommen soll, und sie sind umso mehr Gott, seinem Lob und seiner Herrlichkeit geweiht, als ihnen kein anderes Ziel gesetzt ist, als durch ihre Werke den Sinn der Menschen in heiliger Verehrung auf Gott zu wenden.”

LTHK – Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 1, Herder 1966, S. 101

Verborgene Sinn-Ebenen erspüren

“Wer Kunst nicht nur oberflächlich rezipiert, sondern die in ihr verborgenen unterschiedlichen Sinn-Ebenen erspürt, erfährt ihre Suche nach Wahrheit, nach dem Ganzen, nach dem ganz Anderen, nach Gott. Hierhinein kann die christliche Botschaft den Heilswillen Gottes verkünden und damit eine Dimension eröffnen, die aus menschlicher Sinnsuche heraus allein nicht erschlossen werden kann. Auch heute sind Kirche und Kunst keine Gegensätze, sondern aufeinander bezogene Wege zur Wahrheit, die letztlich Gott ist.
Wirklich christliche Kunstwerke sind geronnener Glaube, die die Kraft der Verkündigung ins sich tragen und in den Kirchen auf ihre Weise die Frohbotschaft erfahrbar machen.”

Friedhelm Hoffmann, Zwischen Verkündigung und Mehrzweck, Gesprächskreis am 24.10.2022, das münster, Supplement 2023, S. 62

Mitteilung und Teilhabe

“Schöpfertum und Kunst, die einer Seele im Glücksfall zukommen, sind zwar nicht jene wesensmäßige Kunst, die Gott ist, aber sie sind Mitteilung und Teilhabe an ihr.” (Nikolaus von Kues) Jegliche Kunst besitzt also, insofern sie dies auch wirklich ist, etwas von der Unmittelbarkeit des göttlichen, schöpferischen Tuns.

Friedhelm Hofmann

die engen Grenzen des Endlichen durchbrechen

“Aufgabe jeder Kunst ist es, die engen und beängstigenden Grenzen des Endlichen, in denen der Mensch, solange er er auf Erden lebt, gefangen ist, zu durchbrechen und seinem Geist, der sich nach dem Unendlichen sehnt, ein Fenster aufzustoßen.”

Papst Paul VI., 1976,  Papst Pius XII. aus dem Jahr 1952 zitierend

unsichtbar – sichtbar

„Nebel lässt sichtbare Dinge unsichtbar werden, während unsichtbare – wie Wind – sichtbar werden.“

Fujiko Nakaya

im Raum dazwischen

“Kunst bleibt so lange totes Material, wie keinen Betrachter, keine Betrachterin hat, keinen Hörer, keine Hörerin, keine Leserin, keinen Leser. Kunst ist weder bei den Betrachter*innen noch im Werk selbst, sondern im Raum dazwischen. Und dieses Dazwischen wird spannend, wenn wir über Vermittlung reden, denn es geht um das Wahrnehmen des Dazwischen. Als Kunstvermittler haben wir die Hauptaufgabe, den Zwischenraum zu beschreiben oder ihn gemeinsam mit anderen Akteur*innen herauszufinden.”

Stefan Kraus, Kunstvermittlung beginnt mit dem Zeigen, Kunst und Kirche 1/2023, S. 32

Kunst ist Form gewordenes Spiel mit Inhalten

“Kunst ist Form gewordenes Spiel mit Inhalten. Sie ist Spiel, weil sie es sich leistet, nicht nach vorgegebenen äußeren Kriterien zu funktionieren, sondern ihre eigenen Regeln aufzustellen und nach inneren Gesetzmäßigkeiten zu fragen. Sie ist Form, da nur über die Form eine Mitteilbarkeit von Inhalten zu erreichen ist. Das ist wie in der Liturgie. Um Form zu werden, ist das Kunstwerk auf Material angewiesen. Material ist alles, was unserem Sinne zugänglich ist: Worte, Klänge, Bewegungen, Bilder, Stoffe, usw. Erst die Form verwandelt das Material in Kunst. Diese Verwandlung geschieht nicht zufällig, sondern folgt intuitiven oder bewusst gesetzten Entscheidungen und subjektiven Handlungen des Künstlers, die meist als Erfahrungen der Reduktion von Möglichkeiten über Jahre hinweg erarbeitet und präzisiert werden und gleichwohl das Prinzip des Zufalls beinhalten können. Die Verwandlung des Materials in Kunst ist weder planbar noch wiederholbar. Sie stellt sich als Kongruenz von Form, Material und Inhalt ein. Diese Kongruenz bildet eine offene und ambivalente Sinnstruktur.”

Stefan Kraus, Formate bestimmen die Inhalte. Kunstbetrieb, Kunst und Kunstvermittlung, Berlin 2016

Kunst öffnet zum Unendlichen hin

“Gute Kunst öffnet sich über die Grenzen der Darstellung zum Unendlichen hin und offenbart etwas von der unsichtbaren Seite dieser Welt.”

Patrik Scherrer

Kunst erhebt und beseligt

“Die Kunst ist die irdische Schwester der Religion. Wenn wir ein Herz haben, sie zu vernehmen, dann werden wir erhoben und beseligt.”

Adalbert Stifter

das Geheimnisvolle

“Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern, nicht mehr staunen kann, der ist so gut wie tot und seine Augen erloschen.”

Albert Einstein, “Mein Weltbild”, 1934

die Schönheit

„Ohne die Schönheit wäre die Kunst gar nichts. Denn Kunst ist eigentlich nicht die interessanteste Art und Weise, etwas über die Welt zu erfahren. Literatur und Journalismus können viel besser informieren. Aber die Kunst ist gut im Zeigen.“

Jeff Wall

der Gesellschaft dienen

“Die wichtigste Aufgabe der Kunst ist es, der Gesellschaft zu dienen.
Künstler schaffen Verbindungen zwischen der Gesellschaft und der Zukunft.”

Marina Abramovic

kultivieren, beschenken, beeindrucken, erweitern

„Die Künstler kultivieren unsere Sinnlichkeit, beschenken unsere Augen und Ohren mit Nie-Gesehenem, Unerhörtem, beeindrucken unser Gemüt und erweitern unser Denken.“

Peter B. Steiner

Kommunikationsstörung

„Zeitgenössische Kunst ist oft so etwas wie eine bewusst herbeigeführte Kommunikationsstörung und gerade dadurch Ausdruck des Wunsches nach besserem Verständnis und besserer Kommunikation.“

Peter F. Schmid, Universitätsdozent für Pastoraltheologie in Graz, 2004

mehr als das fertige Bild

“Nicht das fertige Werk ist der höchste Ausdruck von wahrer Kunst, sondern der Strom der Gedanken, Absichten und Träume des Schaffensprozesses zu einem Bildnis dazu gehören, wie die Seele zum Menschen. Je mehr das fertige Bild dem Betrachter von diesem Hintergrund vermittelt, desto werthaltiger ist das Kunstwerk.”

Bernd Schäfer nach Erich Schickling

dem Transzendenten in uns innewerden

“Mir ist wichtig, den geheimen Sinn, der in uns angelegt ist, durch die Malerei zu erhellen. Unmittelbar ist immer wieder das Glas das Medium, welches mich fasziniert, nicht Abbilder zu schaffen, sondern im Gleichnis des Transzendenten in mir und in allem innezuwerden.”

Erich Schickling