Kunst verschärft die soziale Aufmerksamkeit

Kunst schafft trotz ihrer Diversität in den ästhetischen Konzepten und ihrer unbezähmbaren Widersprüchlichkeit meist eine Sensibilisierung für jene  Menschen, die aus dem gesellschaftlichen System hinausgedrängt werden, bzw. schon zur Gruppe der Wohlstandsverlierer und in irgendeiner Weise Marginalisierten gehören. […] Kunst verschärft grundsätzlich die soziale Aufmerksamkeit, die zu einem sozialen Engagement drängt.

Bischof Hermann Glettler in „Über Verflüssigung, Kunst und Kirche“, www.feinschwarz.net, 5. Januar 2018

Beitrag zur Visionsarbeit für eine tolerante, menschenwürdige Zukunft

Kunst stimuliert mit ihrer öffentlichen Präsenz einen Diskurs über Werte und Leitbilder heutiger Gesellschaft und leistet diversitätssensibel einen unschätzbaren Beitrag zur Visionsarbeit für eine tolerante, menschenwürdige Zukunft der Gesamtgesellschaft.

Bischof Hermann Glettler in „Über Verflüssigung, Kunst und Kirche“, www.feinschwarz.net, 5. Januar 2018

Beitrag zu größerer Lebendigkeit

Der kursorische Blick auf die Moderne zeigt, dass eine radikale Selbst-Infragestellung zum eigentlichen Entwicklungsfaktor von Kunst geworden ist und keineswegs zu deren finalen Liquidierung geführt hat. Beobachtete Verflüssigungsimpulse im Selbstverständnis von Kunst haben sich als notwendiger Ausgleich gegenüber systembedingten Erstarrungen erwiesen. Übertragen auf ein kirchlisches Selbstverständnis könnte dies bedeuten, dass aktuell zu beobachtende Verflüssigungstendenzen auch einen Beitrag zu größerer Lebendigkeit darstellen können. Verflüssigung bedeutet ein Plus an Beweglichkeit und Formbarkeit, ein Plus an situationsgerechter Einstellung auf gesellschaftliche Veränderungen und ein Plus an Präsenz an Orten, die vom Evangelium her ein Anliegen der Kirche sein müssen.

Bischof Hermann Glettler in „Über Verflüssigung, Kunst und Kirche“, www.feinschwarz.net, 5. Januar 2018

verdichtetes Leben

„Kunst ist verdichtetes Leben. Kunst ist poetisch verarbeitetes Zusammentreffen von Wahrnehmungen, Gedanken, Materialien, Fähigkeiten und Zeiten.“

Patrik Scherrer

ein Moment der Verführung

„Wer heute mit Bildern arbeitet, muss auch mit dem Moment der Verführung arbeiten. Der Betrachter muss sich auf das Bild einlassen, um mittels Kontemplation und Irritation zum Zweifel und von da aus zum kreativen Umgang zu kommen.

Thomas Florschuetz, 2000

dem Unvergänglichen Gestalt geben

„Es ist die Mission des Künstlers, dem Unvergänglichen der Natur Gestalt zu geben, ihre innere Schönheit zu enthüllen. Der Künstler kündet von der Natur, indem er sie sichtbar macht.; (…). Er zeigt uns eine vergrößerte, eine vereinfachte Natur, befreit von allen Details, die nichts sagen. Er zeigt uns ein Werk nach den Maßen seiner Erfahrung, seines Herzens und seines Geistes.“

Ferdinand Hodler, Über die Kunst, 1897/1908

evolutionäre Kraft

„Die Kunst ist nach meiner Meinung die einzige evolutionäre Kraft. Das heißt, nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich Verhältnisse verändern. Und ich glaube, viele Menschen spüren, dass das Menschliche, (…), in der Kunst am meisten weiterentwickelt werden kann.“

Joseph Beuys

bewusst herbeigeführte Kommunikationsstörung

„Zeitgenössische Kunst ist oft so etwas wie eine bewusst herbeigeführte Kommunikationsstörung und gerade dadurch Ausdruck des Wunsches nach besserem Verständnis und besserer Kommunikation.“

Peter F. Schmid, Universitätsdozent für Pastoraltheologie in Graz, 2004

offene Tür

„Gute Kunst erkennt man an ihrer offenen Tür. Daran, dass sie den Betrachter rein lässt, wenn der Interesse an der Arbeit zeigt. Daran, dass sie es schafft, ihren Kern zu transportieren. Also ein Gefühl auszulösen, einen Gedanken, eine Frage, eine Ahnung wenigstens. Gute Kunst muss ohne Erklärung funktionieren. Ob sie sich ganz erschließt hängt, immer auch vom Betrachter ab. Ob sie sich erschließen will, allein vom Künstler.“

Ronald Gerber / kopfkompass.de

unabhängige Größe

„Der Mensch mit Blick auf seine Wahrnehmung ist nicht  Herr im eigenen Haus. Was er geschaffen hat, kommt ihm als unabhängige Größe entgegen. Das muss selbst der Künstler eingestehen.“

Horst Bredekamp, Kunst und Kirche 02/2017, S.6

zu einer tieferen Wirklichkeit finden

„Die Kunst braucht daher die Kirche auch, um ihre eigenen Qualitäten besser wahrnehmen zu lernen. Die Kunst braucht die Kirche, da sie einen weiten Echoraum bietet, in welchem das Tun der Kunst auf eine einzigartige Weise den Bezug zu einer tiefen Wirklichkeit findet.“

Gustav Schörghofer SJ, Braucht die Kunst die Kirche? Editorial in: Stimmen der Zeit, Heft 7, Juli 2017, S. 433-434

den Sinn weiten, schärfen und verwirren

„Es ist wichtig Bilder zu haben, die einen lange begleiten, tagtäglich den Sinn weiten, schärfen und verwirren. Das ist zum Glück kein Privileg der sehr Wohlhabenden, das ist etwas für jeden Mann und jede Frau.“

Dr. Johann Hindrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD, in: reFORM, Zweiter Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg 2016, S.12.

Spiegelbilder unserer Zeit

„Kunst und Religion sind – jenseits der nüchternen Tageschauberichte – Spiegelbilder unserer Zeit, die auch von Problemen, Schrecken und Katastrophen der Gegenwart erzählen und mit eigenen Ausdrucksmitteln darauf aufmerksam machen.“

Dr. Ulrike Groos, Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, , in: reFORM, Zweiter Kunstpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg 2016, S.13.

unsere geistige Energie beflügeln

„Kunst … muss mehr bewirken als Vergnügen: Sie sollte etwas mit unserem Leben zu tun haben und unsere geistige Energie beflügeln.“

Sir Kenneth Clark, Looking at Pictures, London 1961, S. 15.

Vielseitige Kraft

„Die Begegnung von Kunst und sakralem Raum birgt die Kraft des Ungewohnten im Vertrauten, des Grellen in der Stille, des Lebendigen im Ewigen, des Sinnlichen im Geistlichen und umgekehrt.“

Kunst lehrt die Wahrheit begreifen

„Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt“ (Pablo Picasso).

Manches Bild, manche Musik spricht unmittelbar an und lässt etwas Wahres über das eigene Leben erspüren. Aber Kunstwerke verwenden keine vernünftigen Argumente, um Wahrheit zu zeigen, sondern gehen bunt und fließend vor, vieldeutig und assoziativ. Sie machen neugierig, anstatt zu antworten. Für das religiöse Denken liegen darin Provokation und Reiz.

Pfr. Christhard-Georg Neubert, Berlin 2017

Sehkraft schärfen

„Es ist Anliegen vieler Künstler gegen das Verkommen des Schauens in der Sehkonsumgesellschaft anzuwirken, denn auch der Kunst und ihrer Betrachtung tut dieser Abschliff der Sehfähigkeit weh.“

John Cage

Die Methode, Bilder zu verstehen

„Es gibt nur eine Methode, um Bilder zu verstehen – nicht versuchen, sie zu interpretieren, sondern sie so lange anschauen, bis das Licht hervorbricht.“

Simone Weil, Mystikerin

wie ein Gast willkommen heißen

„Von Angesicht zu Angesicht im Gegenüber zur Gegenwart gebotener Bedeutung, die wir einen Text nennen (oder ein Gemälde oder eine Symphonie), streben wir danach, seine Sprache zu hören. Wie wir auch die des auserwählten Freundes hören wollen, der zu uns kommt. … Es gibt Werke der Literatur, der Kunst, der Musik, die verschlossen bleiben oder selbst der entgegenkommendsten Wahrnehmung nur oberflächlich zugänglich sind. Kurz, im Impuls zu Rezeption und Aufnahme verkörpert sich ein anfänglicher fundamentaler Akt des Vertrauens. Er birgt das Risiko von Enttäuschung oder noch Schlimmerem in sich. Wie wir bemerken werden, konnte der Gast despotisch oder gehässig werden. Doch ohne das Wagnis der Bewillkommnung lässt sich keine Türe öffnen, wenn die Freiheit anklopft.“

George Steiner, Von realer Gegenwart: Hat unser Sprechen Inhalt? München 1990, S. 206