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Jerry Zeniuk, O. T., 2017
© Jerry Zeniuk

Lebenskreise

Sechs Kreisflächen in unterschiedlichen Farben bilden in der Mitte des Blattes einen Sechserblock. Jede Farbfläche wird von körnig-porösen Farbringen umkreist. Auf dem weißen Hintergrund bilden die Sechs eine geschlossene abstrakte Gruppe, die in sich ruht und doch voller Leben ist.

Farblich und strukturell erinnert die Sechsergruppe an zwei nebeneinanderstehende Ampeln. Doch das Farbenspiel irritiert und fordert heraus, die Farbenwahl und ihre Anordnung als auch die umkreisenden Linien genauer betrachten.

Die Grundlage der Farberuption ist farblos neutral. In ihr spiegeln sich unendliche Weite als auch grenzenlose Offenheit. In ihrer Helligkeit wohnt die additive Fülle aller Farben, die sich in der Auswahl der sechs Farben beispielhaft in ihrer Vielfalt äußert. Die sechs Farben bilden eine Komposition aus Primärfarben (gelb) und Sekundärfarben (blau, rot), reinen Lichtfarben (gelb) und Druckfarben (grün, lila = magenta, orange = rot). Nur die Primärfarbe Cyan ist in der einen oder anderen Variante nicht vertreten.

Die verschiedenen Kreisflächen stehen durch ihre Farbidentität in unterschiedlicher Beziehung zueinander. So bilden die blaue und die rote Kreisfläche farblich gesehen die waagrechte Mitte. Der gelbe Kreis bildet mit der orangen Fläche und ihrer intensiven gelben Umkreisung eine Klammer oder Diagonale. Eine zweite Diagonale ergibt sich von links unten nach rechts oben über die zwei dunkleren Kreise unten in der linken und oben in der rechten Reihe. Zum anderen überkreuzen und verschränken sich die beiden vertikalen Farbachsen mit den obersten beiden Farbflächen, da der orange Kreise die gelb-rote Farblinie der rechten Seite fortführt, der grüne Punkt in der violett-blauen Farbfolge der linken Seite gesehen werden kann.

Dieses spannende Nebeneinander und Miteinander wird durch zwei weitere Faktoren verstärkt. Zum einen sind die Kreise von Hand geschaffen worden, also nicht kreisrund, zum anderen ist ihre Anordnung nicht genau untereinander oder nebeneinander. Diese freie Interpretation der strengen geometrischen Formen, diese kleinen Abweichungen von der Norm erfüllen die Komposition von der Grundanordnung her mit Leben und Lebendigkeit.

Die mit Wachsstiften gezogenen Ringe bilden neben den Kreisflächen und ihrer Anordnung das dritte gestalterische Element. Mit jeder der sechs Farben wurde jeder Kreis linear umkreist, eingekreist, umgeben, geschützt, gehalten, in Schwingung versetzt. Es ist, als würden sie sich gegenseitig Schutz geben, nicht nur durch die Nähe, sondern auch durch die ihm eigene Farbe. Gleichzeitig wurde so das Flächige aufgelockert, bilden sich Bezüge und Übergänge, Erweiterungen und Auren. Dem Gedruckten wurde somit etwas Manuelles beigefügt, dem Perfekten etwas Ungelenkiges, dem Geplanten etwas Spontanes, Einmaliges, dem Ruhendes etwas Bewegtes.

Damit führt die Grafik mitten in das spannende Miteinander, Zueinander und Füreinander des Lebens und der daraus entstehenden Gemeinschaften hinein. Sie lädt ein, durch die Symbole spielerisch über unsere Begabungen und Positionen in der Gemeinschaft wie über unsere Haltung und Beziehung zum Nächsten nachdenken. Das alles mit Blick auf den lichten, endlosen Hintergrund, der die kreative Fülle und Lebendigkeit Gottes andeutet.

Flyer mit der Präsentation der sieben Grafiken

Die Originalgrafiken sind bis zum 15. Februar 2020 in der Galerie Maurer Zilioli – Contemporary Arts in München ausgestellt und können dort oder beim Kunstverein für Christliche Kunst in München auch erworben werden.

Weiterer Bild-Impuls aus der Edition 2018 zur Fotografie von Michael Wesely.

Patrik Scherrer, 25.01.2020

Jerry Zeniuk

O. T.
Entstehungsjahr: 2017
Lithografie auf BVK Rives 250 g, 42,3 x 30 cm
© Jerry Zeniuk

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