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Jochen Höller, stairway to heaven, 2018
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Niemand wird sie benutzen – oder doch?

Buch um Buch stapeln sich über 130 Bibeln in schwindelerregende Höhen. Jedes Buch liegt leicht versetzt über dem anderen, so dass sich eine dynamische Treppe ergibt, die zuerst nach hinten, dann nach links oben führt, um dann noch weiter nach hinten anzusteigen.

Von allen Seiten  gesehen ist es ein sehr schiefer Turm, der sich in die Höhe schraubt. Es ist eine suchende Bewegung, die sich mal nach links, dann wieder nach rechts in die Höhe schraubt. Symbolisch steht die Bücherskulptur für den Menschen in seiner Gottessuche. Die Büchertreppe hat kein Zwischenpodest, auf dem mal eine Pause eingelegt werden könnte. Schritt um Schritt geht es weiter. Ohne Geländer, ohne Absturzsicherung. Was für ein Wagnis! Was braucht es für einen Glauben, sich auf so einen Weg einzulassen und zu hoffen, dass er mich trägt und vor allem nicht ins nirgendwo, sondern zu Gott führt.

Die Installation von Jochen Höller führt vor Augen, dass das Wort Gottes eine Stiege zum Himmel, zu Gott selbst ist. Das Wort Gottes ist eine Tritthilfe in ungeahnte Höhen und göttliche Welten. Es hilft sich zu erheben, Gott zu suchen und ihm zu vertrauen. Es hilft, sich auf den Weg zu machen.

Die Arbeit führt aber auch vor Augen, dass niemand diese Bibeln, die bislang schon nicht benutzt worden sind, benutzen wird. Ins Kunstwerk integriert, können sie nicht mehr geöffnet werden. Doch die Bibel muss ein offenes Buch sein, sonst kann Gottes Wort nicht lebendig werden. Die Bibel muss ein offenes Buch sein, damit Gottes Wort wirken kann, damit die göttliche Weisung zu den Menschen gelangen kann, damit die Menschen nicht nur menschlich miteinander umgehen, sondern göttlich.

Damit passt die Skulptur wunderbar in die 2004 von den Architekten Ulrich und Ilse Maria Königs in Burgweinting erbauten Kirche“, die sich öffnet zum Himmel und Geborgenheit gibt auf Erden“.

Jochen Höller hat mit der Skulptur seiner Himmelsleiter Mitte Mai 2018 beim Wettbewerb des Katholischen Bibelwerks Austria gemeinsam mit dem Bibelwerk Linz „Transformiert statt ausrangiert“ den 1. Preis gewonnen! „Die Schlichtheit und die spirituelle Gesamtaussage des Kunstwerks sowie die Professionalität der Umsetzung haben die Jury überzeugt“, heißt es in der Begründung.

Die Bücherskulptur kann bis Ende September 2018 in der Katholischen Kirche St. Franziskus in Regensburg-Burgweinting im Original angeschaut und erlebt werden. Weitere Informationen auf der Website der Bistumsmuseen Regensburg

Patrik Scherrer, 26.05.2018

Jochen Höller

stairway to heaven
Entstehungsjahr: 2018
130 Bibeln in 13 verschiedenen Sprachen, ca. 5 m hoch, © Fotos: Julia Knorr / Kunstsammlungen des Bistums Regensburg
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

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