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Andrea Hess, Tre Marie, 2017
© Andrea Hess

Wahrheit

Drei unterschiedliche Elemente bilden ein erzählerisches Ensemble. Die Abbildung der Stoffe und Perlen in der linken Arbeit, die Proportionen und Umrisse der beiden anderen Arbeiten weisen in dem modernen Bilderrätsel auf eine weibliche Hauptdarstellerin hin. Dabei verbindet die hellblaue Farbe die linken beiden formal, die weiße Farbe die äußeren beiden Arbeiten.

Ungewöhnlich ist die Ausweitung der blauen Stoffelemente in der Fotografie durch das Anfügen von seitlichen Flächen. Dadurch wächst die rechteckige Fotografie in den Raum und können in den blauen Flächen Ärmel eines größeren Gewandes gesehen werden.  Der Bildausschnitt von vorne spielt mit der Gesamtansicht von hinten der mittleren Figur und der kleinen Gesamtansicht in der Mitte der Fotografie. Im Zentrum dieses rechteckigen Ausschnitts wird – umspielt von den Perlen eines Rosenkranzes – in einem kleinen Medaillon auf Maria hingewiesen. Als gläubige Frau hat sie uneingeschränkt JA zu Gott gesagt (Lk 1,38) und dadurch die Wahrheit erfahren, dass Gott zu seinem Wort steht und er als Schöpfer der Welt durch einen Menschen Mensch geworden ist.

So wie sich Gott „entäußert“ (Phil 2,7) hat, um Mensch zu werden, scheint die rechte Figur darauf hinzuweisen, dass sich auch der Mensch „entäußern“ muss, wenn Gott in seinem Leben Platz haben und groß werden soll. Die Frauenfigur auf Zehenspitzen und erhobenen Armen zeigt sich im Profil  beim Entkleiden ihres Obergewandes. Sie zieht alles Überflüssige aus, entledigt sich ihm, kehrt das Innere nach außen oder macht es zumindest sichtbar. Es ist, als wolle sie im Gegensatz zum Artefakt ganz links sagen wollen, dass die Wahrheit nicht in äußeren Dingen und Symbolen liegt, sondern im Innern, im Herzen verborgen. Weil bei Gott nicht die Äußerlichkeiten zählen, sondern die innere Haltung.

Die beiden Gipsfiguren sind in genähten Stoffbeuteln gegossen worden. Die textile Prägung ist ihnen allerdings nach dem Entfernen der Stoffe auf der Oberfläche geblieben. Wie auch immer wir uns Gottes Wahrheit öffnen, die Silhouette und der textile Abdruck weisen darauf hin, dass wir erdgebundene Menschen bleiben. Wohl dem, der sich entsprechend demütig verhält, sich klein macht, gering schätzt. So wie Maria. Wo wir – wie sie – unsere Menschlichkeit von Gottes Wort durchdringen und prägen lassen, wird sich uns eine Wahrheit offenbaren, die im Glauben alles irdische Erkennen übersteigen und damit das Verborgene sichtbar machen wird.

Die Arbeit von Andrea Hess ist für den Kunstpreis der Erzdiözese Freiburg 2019 nominiert und im Rahmen der Ausstellung WAS IST WAHR an verschiedenen Orten Deutschlands zu sehen (siehe Ausstellungshinweise). Der Katalog zum Kunstpreis ist beim Mondo Verlag erhältlich.

Patrik Scherrer, 06.04.2019

Andrea Hess

Tre Marie
Entstehungsjahr: 2017
Gips, Acryl, Foto, Karton 70 x 110 x 5,5 cm © Foto Bernhard Strauss
© Andrea Hess

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