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Werner Mally, o.T., 2004
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Offenheit

Eine Holzskulptur aus einem Stück. Saubere, gerade Schnitte, die aus dem gewaltigen Stück des Baumstammes das Außen und Innen entfernten, bis nur noch diese fragile Hülle übrig blieb. Die genaue Verarbeitung, die ausgewogenen Proportionen und die Symmetrie stechen ins Auge – und wie die Skulptur auf der einen Seite gesprungen ist.

Beim Trocknen muss die des Holzes eigene Kraft überhand genommen und die streng geometrische Figur auf der einen Seite aufgebrochen, ja mit Urkraft aufgesprengt haben. Mit diesem „Aufbruch“ ist das Holz gerade durch seine Materialeigenschaft ein weiteres Mal entscheidender Mitgestalter geworden. Die Spannkraft des Holzes hat den geraden Linien weiche Biegungen verliehen, den mit vielen gleichen Öffnungen versehenen Körper noch weiter geöffnet und ihm dadurch eine Richtung verliehen.

Mir gefällt die Offenheit dieses Holzkörpers. Hier wird ein Raum umschlossen und doch offen gelassen. Ob es am Gleichgewicht zwischen dem einsehbaren Innenraum und der umgebenden Außenhaut liegt? Oder am einfühlsamen und respektvollen Umgang des Künstlers mit den Eigenheiten des Holzes, dessen Spuren überall zu sehen sind?

Die Skulptur ist auch offen in Bezug auf die Form. Man kann ein dreidimensionales Kreuz drin sehen. Allerdings würde sie auf einer ihrer quadratischen Öffnungen stehend viel von ihrer Dynamik verlieren. Diagonal stehend multipliziert sie hingegen unzählige Einblicke und Durchblicke, ermöglicht sie spannende Einsichten und Begegnungen durch das Spiel von Licht und Schatten auf den Flächen, Kanten und Hintergründen.

Die Skulptur weckt bei mir mit ihrer Einfachheit und Formschönheit das Staunen. Aus einem neuen Motiv heraus höre ich in mir die Worte des Psalmisten: „Kommt und seht die Taten Gottes! Staunenswert ist sein Tun an (und durch) den Menschen.“ (Ps 66,5).

Patrik Scherrer, 29.01.2005

Werner Mally

Werner Mally

Praterinsel 3
80538 München

Tel.: 089 / 29 57 66
e-Mail: w.mally@gmx

Biographie:
1955 geboren in Karlovy Vary/CZ
1966 Umsiedlung in Bundesrepublik Deutschland
1980 Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Sir Eduardo Paolozzi
1983 Risch-Art-Preis München
1985 Füger-Preis Akademie der Bildenden Künste Wien/A
1990 Debütantenpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
1999 Kunstpreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

viele Einzel- und Gruppenausstellungen seit 1985 sowie Arbeiten im öffentlichen Raum

o.T.
Entstehungsjahr: 2004
Pappel lasiert, 104 x 104 x 104 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020
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