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Michael Bracht, Füllhorn des Heils / Wovon die Kirche lebt, 2025
© Michael Bracht

Das überfließende Maß

Groß ist das Schöpfmaß für die vielen runden Papiertaler. Wird hier Geld ausgeschüttet? Doch auf den ausgestanzten Teilen sind in altertümlicher Schrift Bibelworte zu erkennen. Sie stammen aus einer von Gustave Doré im 19. Jahrhundert illustrierten Bibel. Es sind keine einzelnen Worte oder gar ausgewählte Stichworte zu sehen, vielmehr wurde das Wort Gottes wie zufällig aus dem Buch herausgestanzt. Die ungewöhnlichen Wortkombinationen lassen an die Worte denken, die bei der Verkündigung des Wortes Gottes oder bei einer Predigt aufgeschnappt werden oder hängenbleiben.

Bei näherem Hinschauen kann man entdecken, dass die Wortextraktionen auf Oblaten geklebt sind. Damit verbindet sich das Wort mit dem Mahl, das Wort Gottes mit dem Leib Christi, den beiden Kraft- und Lebensquellen der Kirche und von uns allen. „JA“, sagt der Künstler dazu, „Wort und Mahl sind die unerschöpfliche Quelle der Kirche und Gemeinde, und somit jedes Christenmenschen. Und diese Quelle bringt keine Macht der Welt zum Versiegen. Diesen Brunnen kann niemand vergiften, keine noch so arge Gottlosigkeit, keine noch so fanatische Frömmigkeit. Das schafft – so sagt es das lutherische Bekenntnis – nicht einmal eine irrende Kirche.“

Aus dem „Füllhorn des Heils“ fließen uns unerschöpflich viele „Wortbrote“ zu. Die rote Farbe des Füllhorns lässt an die unermesslich große Liebe Gottes denken, die zu unserem Heil in Jesus Christus ausgegossen ist. Über Kopf und Bauch sättigen die Wortbrote Herz und Gemüt. Jesus selbst spricht das Wort Gottes belebend und stärkend, einladend und verwandelnd in unser Leben hinein: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Gott ist da, er lädt uns zu sich ein, um sich selbst im Wort und Leib Christi zu schenken. Das ist sein bleibendes Angebot für eine neue Werte- und Lebensgemeinschaft, der Bund des neuen und ewigen Lebens. Gott vergibt und verschenkt sich an uns, um unser Leben zum Guten zu verwandeln und uns mit seiner Kraft über unsere menschlichen Grenzen hinauswachsen zu lassen. In dieser untrennbar innigen Gemeinschaft durch Gott wird es möglich, seine Feinde zu lieben, denen Gutes zu tun, die uns hassen, diejenigen zu segnen, die uns verfluchen, für die zu beten, die uns beschimpfen (vgl. Lk 6,27-28). „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden! Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß wird man euch in den Schoß legen; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt, wird auch euch zugemessen werden.“ (Lk 6,38) – Es liegt an uns, wie wir die Lebensgemeinschaft mit Gott in unsere Lebensgemeinschaft mit den Mitmenschen einfließen lassen wollen.

Patrik Scherrer, 17.01.2026

Michael Bracht

Füllhorn des Heils / Wovon die Kirche lebt
Entstehungsjahr: 2025
Palmenblatt, Acryl, Papier, Oblaten
© Michael Bracht

Kommentare

Eine Antwort auf „Das überfließende Maß“

  1. Das schlichte bild ist für mich evident:
    klar sichtbar,einsehbar,nachvollziehbar!!!
    Einfach und reduziert dargestellt,das kann ich leichten Herzens nachvollziehen!
    Eine simple Schale-gleich einem Löffel ,eine schenkende austeilende Hand. Eine gabe!!!.. WAS GIBT SIE? WEN NÄHRT SIE?
    WAS VERSCHENKT SIE?
    UND WER von uns DÜRSTET UND HUNGERT DANACH? Ist bedürftig,näher hinzuschauen und zu kosten? „Nehmet und esset !….“
    BROT DES LEBENS-WORTE,DIE WIR BENÖTIGEN: SINN MACHEN:
    GLAUBE-HOFFNUNG ,LIEBE… TROST , BEISTAND ,HALT GEBEN, HILFE, RICHTSCHNUR, IM ALLTÄGLICHEN LEBEN MICH STÜTZEN UND BEGLEITEN.!
    EIN GESCHENK GOTTES ,WER ES ANNIMMT und sehsucht danach hat!!!…der nehme davon

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