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Till Augustin, Laokoon I, 2013
© Till Augustin

Knotenlöser gesucht

Eine Ansammlung verschiedener Seile bildet ein wirres Durcheinander. Sie sind ineinander verschlungen, haben sich zu diesem großen Knäuel verfangen, sind in diesem gefangen. Ihre unterschiedlichen Durchmesser, Strukturen, Windungen und aufgedrehten Stellen vermitteln zusammen mit dem Drunter und Drüber der Seile einen lebendigen, ja kämpferischen Eindruck. Dr. Barbara Renftle schreibt über sie: „Augustins Verschlingungen und unentwirrbare Stahlseilknäuel bergen eine magische Kraft, die auf ein ungeahntes Potential an Energie schließen lässt, sollten sich diese Verstrickungen entfesseln lassen.“ (geschlängelt, 2017, S, 27)

Doch die Stahlseile, mit denen große Lasten bewegt oder gehalten wurden, sind so ineinander gearbeitet, dass sie ihre eigentliche Aufgabe nicht mehr wahrnehmen können. Sie symbolisieren Verwirrung, Chaos, Durcheinander. Sie bilden eine Art Endstation, weil ein Entwirren oder Ordnen der Seile aussichtslos erscheint. Sie haben sich zu stark ineinander verfangen und verknotet. Äußere Faktoren wie Wärme und Druck mögen ihren Teil dazu beigetragen haben.

Die Seile mögen an den gordischen Knoten erinnern, der nach der griechischen Sage am Streitwagen des phrygischen Königs Gordios die Deichsel des Wagens untrennbar mit dem Zugjoch verband, bis er von Alexander dem Großen mit dem Schwert durchschlagen wurde. Doch während der gordische Knoten aus ordentlich miteinander verknüpften Seilen entstand und eine Aufgabe erfüllte, erinnert der vorliegende, ebenfalls kunstvolle Knoten aus wirr ineinander gearbeiteten Seilen eher an das Drunter und Drüber in einem Schlangennest. Der Titel der Plastik verweist auch auf die berühmte hellenistische Laokoongruppe in den Vatikanischen Museen in Rom, welche den Todeskampf des trojanischen Priesters Laokoon und seiner Söhne mit zwei Schlangen zeigt.

Dieses ineinander Verschlungene, diese Verknotungen mögen für sich schön sein. Doch Knoten, die sich von allein und an falschen Stellen bilden, bereiten uns Schwierigkeiten und Probleme. Allein schon eine Schnur oder ein Kabel zu entwirren fordert von uns viel Geduld, Zeit und Geschicklichkeit. Sehr schnell gelangen wir bei Knoten aller Art an unsere Grenzen und sind auf Fachkräfte angewiesen, die sich darauf spezialisiert haben, die Knotenbildungen in unseren verschiedensten Lebensbereichen zu lösen und zu entfernen. Denn schwierige Probleme sind wie ein gordischer Knotenund können nur mit außerordentlichen Mitteln überwunden werden.

Da wir Menschen immer wieder in Situationen geraten, aus denen wir selbst nicht mehr herauskommen oder die wir selbst nicht wieder gut machen können, tut es gut, gerade im spirituellen Bereich einen dreifachen Beistand zu wissen. Ein Beistand, der einem präventiv hilft, Notlagen zu vermeiden und auch in der Not und aus der Not hilft. Gottes Wort ist Weisheit und Leben, es schenkt Klarheit und Orientierung auf allen Wegen. In Jesus hat Gott uns sein wahres Wesen offenbart und von den Fesseln der Sünde und der Schuld befreit. Der Heilige Geist führt von innen heraus und warnt geistesgegenwärtig vor Gefahren und führt aus dem Gefahrenbereich heraus. Er ist der Entfesslungskünstler und Knotenlöser par excellence, wie uns der Pfingstbericht (Apg 2,1ff) und auch die Befreiung des Paulus und des Silas aus dem Gefängnis (Apg 16,26) übermitteln. Bitten wir ihn, unsere Knoten und Verstrickungen immer wieder neu zu lösen, damit wir als stets neu Befreite von seiner Gegenwart und Größe Zeugnis ablegen können.

Patrik Scherrer, 27.01.2018

Till Augustin

Laokoon I
Entstehungsjahr: 2013
Stahlseile, feuerverzinkt, gesägt, geschliffen und patiniert, ca. 70 x 60 x 50 cm
© Till Augustin

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