dazwischen

Zwischen Stoffbahnen, die längs um ihn gewickelt sind, liegt entspannt der muskulöse Körper eines Mannes. Von der Seite ist er an seinen Hand- und Fußwunden als Gekreuzigter erkennbar, als Jesus. Er wird hier als Verstorbener in seiner Grabesruhe dargestellt, zum einen respektvoll verhüllt, zum anderen doch so viel offenbarend, dass seine Person zweifelsfrei identifiziert werden kann.

Straff zieht sich das Tuch auf der Oberseite von Kopf bis Fuß über den leblosen Körper. Bis auf die Stirn, die Nase und die Augenhöhlen zeichnen sich keine Körperdetails im Tuch ab. Nur das Gesicht scheint leicht durch, so als sähe es durch das dünne Leinen hindurch die nahe Auferweckung.

Damit wird angedeutet, dass der Verstorbene nicht nur zwischen den Stoffbahnen liegt, sondern sich auch zwischen Tod und Auferstehung befindet. Dass das über den Leichnam gelegte Tuch gestreckt ist, mag ein Zufall sein, aber es vermittelt auch die Spannung zwischen tot und noch nicht auferweckt. Es lässt erahnen, dass das Leben noch nicht zu Ende ist. Denn da ist eine stille Kraft am Werk, die alles zu ändern vermag.

Eine weitere Dimension des Kunstwerkes erschließt sich nicht aus der Betrachtung, sondern aus seiner Geschichte. Denn das Holz stammt vom alten Dachstuhl des Klosters Wettenhausen zwischen Ulm und Augsburg. Das Holz ist vielleicht in der Zeit der Romanik gewachsen und in der späten Gotik oder im frühen Barock geschlagen worden und hat dann über Jahrhunderte den Dachstuhl verstärkt. Bei der letzten Renovierung des Dachstuhls sind wurmstichige und morsche Teile entfernt, aber gelagert worden, so dass der Bildhauer Franz Hämmerle die alten Balkenteile wieder verwenden und aus ihnen etwas Neues schaffen konnte zu Gunsten des heutigen Klosters. Dadurch erzählt auch das Holz vom Tod und der Auferweckung zu neuem Leben, von der langen Wartezeit dazwischen, von der wunderbaren Verwandlung der äußeren Gestalt in ein unbeschreiblich schöneres und größeres Mehr, das uns nach unserem Tod durch die Auferweckung erwartet.