Schätze im Himmel

Der kompakte, aufgerichtete Figurenblock gibt sich in seiner menschenartig abstrahierten Gestalt verschlossen und unnahbar. Mit geöffneter Front jedoch stellt er sein reiches und feingliedriges Innenleben zur Schau. Die Mitte bildet ein hoher, spitzer Turm, der an die immer höher werdenden Wolkenkratzer dieser Welt erinnert. In den seitlichen Nischen befinden sich vier stilisierte „Heiligen“-Figuren in Turm-Kleidern und mit aufgetürmtem Kopfschmuck. Ihre phantasievollen Gewänder greifen die Formensprache des Turmes auf als wäre er das große Idol ihres Daseins.

„Hack nimmt hier deutlich Bezug auf die mittelalterliche Tradition der Wandelaltäre, die an Festtagen geöffnet wurden und den Blick auf das Heilsgeschehen frei gaben, also durch einen Wechsel von Verbergen und Erscheinung das religiöse Staunen steigerten. Mit dem Unterschied, dass hier nun anstelle des christlichen Heilsgeschehens der Turm zu Babel als Menetekel menschlicher Vermessenheit, als Sinnbild der Selbstvergötterung erscheint. Der autonome Mensch wird selbst zum Schrein, in dessen Innerem verborgen er sein Babel trägt. Von Zeit zu Zeit stellt er es Ehrfurcht gebietend zur Schau. „ (Dr. Barbara Renftle in: getürmt, 2021, Stiftung bc – pro arte, S.41)

So stellt die geöffnete, stehende Altarfigur jedem Betrachter die Frage, was er im Verborgenen gesammelt oder aufgetürmt hat und welche Referenzpersonen ihm zur Seite stehen bzw. ihn auf dem Weg durch das Leben begleiten. Auf die Frage, was uns im Leben wichtig sein soll, gibt Jesus eine ganz klare Antwort: „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde …, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. … Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie … sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? (Mt 6,19-21.24c.26)

Sinnbildlich weist der innere Turm auf Größenwahn, Hochmut und Überheblichkeit hin. Noch stehen er und seine Getreuen stark und sicher. Doch Jesus weist darauf hin, dass gesammelte Schätze (siehe auch Lk 12,15-21) und selbstgemachte Heiligtümer uns nicht retten können. Wir sollen immaterielle Schätze im Himmel (nicht in der Cloud …) sammeln, mit unseren Herzen auf Gottes Barmherzigkeit und Fürsorge vertrauen. Paradoxerweise bringt gerade das schlichte Äußere der Skulptur diese innere Haltung der Demut  zum Ausdruck: unauffälliges und unspektakuläres, aber hilfsbereites und haltgebendes Da-Sein für andere. Heilige Schätze zu sammeln bedeutet Haltungen und Werte leben, die von Achtung und Wohlwollen für alle Menschen, Lebewesen und die ganze Erde geprägt sind. Weil eine solche Haltung und solches Handeln von Umsicht, Fürsorge und Liebe beseelt Gutes bewirken wollen, sind sie heilig, überzeitlich und gehen in die Ewigkeit ein. Sie lösen jetzt schon ein interaktives Heilsgeschehen aus und werden deshalb zu einem Schatz im Himmel.

Skulpturen von Klaus Hack und Arbeiten weiterer Künstler*innen sind bis zum 26. November 2021 in der Themenausstellung “Getürmt. Turmmotive in der Gegenwartskunst” in der Galerie der Stiftung S BC – pro arte in Biberach im Original zu sehen. Dort kann auch der sehr informative Ausstellungskatalog bezogen  werden.

Licht der Seele

Ein Sonnenbild mit Ausstrahlung. Nichts Ungewöhnliches, dass das Sonnenlicht gleich einem Tropfen, der ins Wasser fällt, Kreise zieht oder sich spiegelt in einem Gewässer.

Und doch ist es immer wieder staunenswert, was die Sonne alles bewegt und bewirkt (vgl. Sonnengesang des Echnaton). Relativ klein, doch strahlend weiß leuchtet sie über einem großen sonnengelben Pendant unter ihr. Striche in ihrem Innern und um sie herum deuten an, dass sie voll überschießender Energie ist. Sie kann nicht anders, als ihre überbordende Lebenskraft an ihr Umfeld weiterzugeben.

Der weiße Strahlenkranz ist nur der Anfang. Warm breitet sich um die Sonne herum ein dunkles Gelb aus, das nach unten zuerst in ein helles Rot, dann in ein Rotbraun und zuletzt in ein Braunschwarz wechselt. So durchdringt ihr Licht alles um sie herum. Es lässt jede Materie in der ihr eigenen Farbe leuchten und so eine Antwort auf das himmlische Geschenk geben.

In der Mitte erhebt sich übergroß ein weiterer Sonnenball. Er scheint näher dem Betrachter und vom braunroten Band gehalten. Das Energiefeld in diesem Sonnenkreis ist anders gestaltet. Nicht autonom, sondern spiegelbildlich andeutend. So ist in dem innenliegenden Feld die weiße Sonne und ihr Lichtkranz zu sehen, darauf hinweisend, dass das gelbe Sonnenrund seine Energie und seinen Bestand ganz aus der himmlischen Kraftquelle bezieht. Schön wie ein Edelstein und stark wie ein Kraftwerk ruht und leuchtet der himmlische Glanz in seinem Innern. Er verleiht dem Sonnenrund selbst einen roten Strahlenkranz, der zur weißen Sonne hin zärtlich im Austausch mit deren Ausstrahlung steht.

Ob die weiße Sonne als Antwort auf diese irdische Zuwendung eine hellrote „Krone“ trägt? So als wäre die freudige Aufnahme ihrer Kraft der Platz in unserer Mitte und das wie sie Leuchten und Strahlen ihr größtes Glück.

Das Bild regt zur Meditation unseres Gottesbildes und unserer Berufung an, sein Abbild zu sein, Licht in der Welt zu sein, das von ihm Zeugnis ablegt und die uns anvertraute Schöpfung zum Leuchten bringt. Immer wieder ist in der Bibel vom leuchtenden Antlitz des Herrn die Rede und insbesondere in den Psalmen wird die Bitte laut, dass Gott sein Antlitz über seinem Knecht oder seiner Magd leuchten lasse und mit seiner Huld helfe (vgl Ps 31,17). In Psalm 67,2 ruft der Beter: „Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten.“

In dem Sinne ist es nur konsequent, wenn Gott Aaron und seinen Nachkommen den Auftrag gibt, die Gläubigen mit diesen Worten Seine Nähe und Zuwendung spüren zu lassen, sie zu segnen und zu stärken:

„Der HERR segne dich und behüte dich.
Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
 Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.“
(Num 6,24-26)

 

Weitere Bilder aus dieser Serie von Sonnen-Koronen als Gegenbilder zum Corona-Virus Covid-19. Auf Anfrage mailt Ihnen der Künstler gerne diese Übersicht als große Datei zu. Auch Posterbestellungen sind auf Anfrage möglich.