Seine Herrlichkeit schauen

Das mit Symbolen gestaltete Bild lädt von oben nach unten zur Betrachtung ein. Doch der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Krippe: Sie bzw. der in ihr Liegende weist den Weg, zum Verständnis und das Licht des Johannesprologs (Joh 1,1-18) beleuchtet ihn zusätzlich.

Im dunklen Querbalken sind Schriftzeichen zu sehen. Sie deuten das göttliche Wort an: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott.“ (Joh 1,1-2) Da Gott nicht darstellbar ist, sehen wir nur schriftähnliche Zeichen als Symbol für den göttlichen Logos. Der Balken selbst kann dabei als sichtbares Moment einer ewigen und gleichbleibenden Präsenz in der Schöpfung interpretiert werden.

Darunter entfaltet sich vor dem blauen Dreieck die Menschwerdung Gottes in seinem Sohn. „Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen.“ (Joh 1,3-4) – Es ist ein trinitarisches Geschehen, ein Zusammenwirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist. In der großen Sonne klingt die Unendlichkeit Gottes an und dass er die Quelle des Lebens und des Lichtes ist. Der kleinere untere Kreis weist durch die Überschneidung und die gleiche Form auf die Gottheit Jesus hin. Er ist der Einzige, der „am Herzen des Vaters ruht“ (Joh 1,18). Der nach unten versetzte Kreis macht auch deutlich, dass er sich entäußert hat, um uns Kunde zu bringen von der Gnade und der Wahrheit Gottes. Seine Geburt ist eine Sternstunde der Menschheit und der Schöpfung. Gott wird Mensch: Seine ganze trinitarische Fülle ergießt sich „Gnade über Gnade“ in unsere menschliche Armut, dargestellt durch die nach oben geöffnete Krippe. „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ (Joh 1,12) Die Krippe ist gleichsam die Antwort des unteren dunklen Balkens auf die vom oberen Balken ausgehende Frage.

Weder das Jesuskind noch Maria, Josef oder sonst jemand sind an der Krippe dargestellt. Nur zwei blaue Flügel deuten eine Anwesenheit von himmlischen Wesen an – seien es die Engel der Heiligen Nacht oder den Geist des Johannes. Letztlich sind es zwei Präsenzen, die das Geschehen wohlwollend begleiten.

Alles zwischen den beiden Kontinuen am oberen und unteren Bildrand ist in ein warmes, goldgelbes Licht getaucht. In dieser mystischen Vision der Menschwerdung Gottes symbolisiert auch es die Materialisation: vom farblosen Licht zum von Farben, Gefühlen und damit vom Leben erfüllten gelben Licht. Im Licht gießt sich Gott symbolisch in die ganze Schöpfung aus. Im Licht offenbart er sich allen wesenhaft in seiner grenzenlosen Güte, Wärme und Freude. Es verweist immateriell auf Jesus, der von sich sagt: „Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“ (Joh 9,5)

So abstrakt-symbolisch das Bild auch ist, letztlich wissen wir nur durch die geschichtlich konkret gewordene Person Jesu so viel über Gott und seine grenzenlose Liebe zu uns. Wir leben jeden Tag in der Erwartung Ihn zu sehen und Sein Erbarmen und Sein Heil zu erleben, denn „das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14)

Lebens(g)rund

Blau – Blau machen
Freiheit genießen
auf dem Boden liegend
in den Himmel schauen
ins Blaue!

Von der Enge des Alltags
hinauf in die Weite
durch einen Astkreis
den Blick fokussieren
Gott wahrnehmen, nicht sehen

Der Astkreis schwebt
wie eine Lebenskrone über mir
oder wie ein Fenster in die Ewigkeit
gewachsen, geflochten
gehalten von meinen Begrenzungen

Eine Momentaufnahme?
Wahrnehmung eines Augenblicks?
Oder ist es immer da?
Und ich sehe es nicht?
Das Lebensrad?

Was alles rund läuft in meinem Leben?
Was still und leise treibt
mich bewegt, aufbricht
sprießt und letztlich blüht?
Lebensfülle um die leere Mitte?

Lebensrad
in Bewegung sein
das Leben spüren
seine Veränderung erleben
unsichtbar gehalten und bewegt

Er ist da – und mein Halt
weiten Raum schaffend
Gestaltungsfreiraum gebend
luftige Kraftquelle
Lebensfülle – Atem

Lebensrund, Lebensgrund
zeit-leben-s aus Gott heraus
und auf Ihn hin wachsend als
sichtbare Gestalt des Unsichtbaren
vergängliche Schönheit des Ewigen

 

Bis zum 17. April 2022 sind in der Kirche St. Bonifatius Emmendingen von Carola Faller-Barris eine Kunstinstallation zur Fastenzeit 2022 mit zwei ihrer Kunstwerke zu sehen. Meine Gedanken zu den beiden Kunstwerken können Sie hier lesen: Voll-Kommen und Grace.

Freiraum für die Liebe

Drei geometrische Formen bilden in dieser Monumentalskulptur eine Einheit: Quadrat, Dreieck und Kreis. Während erstere einander „nach hinten“ zugeneigt sind und auf dem unteren Teil der Kreisform aufliegen, erhebt sich der Kreisring sie stützend in die Gegenrichtung. So aneinandergelehnt und einander durchdringend erheben sie sich im öffentlichen Raum, diesen im wechselnden Licht und in sich ständig verändernden Schattenmustern auf dem glatten Stahlblech reflektierend. Die geometrischen Elemente wirken vertraut – und doch erscheint das Kunstwerk in dieser Dimension, seinen klaren Linien, der hellen Erscheinung und den multiplen Spiegelungen wie etwas Außerirdisches. Man könnte die weißen Ringformen als monumentale künstlerische Spielerei zur Kenntnis nehmen, doch sie sind mehr.

Dreieck, Quadrat und Kreis sind geometrische Grundformen. Sie verkörpern in ihrer Unterschiedlichkeit Urprinzipien unserer menschlichen Existenz: So steht das Viereck für die Materie, die Welt, den irdischen Lebensbereich und damit auch für den Menschen. Das Dreieck ist ein Symbol für das geistig Dynamische, den Himmel, die Dreifaltigkeit und damit auch für Gott. Der Kreis symbolisiert Einheit, Vollkommenheit und Unendlichkeit, weil er in sich selbst zurückführt. Der Kreis verbindet Quadrat und Dreieck und symbolisiert damit auch die Liebe und die Überbrückung des Gegensätzlichen.

Im Kunstwerk erhalten die Formen durch eine dritte Dimension räumliche Tiefe. Diese Tiefendimension und der Stahl als Material verbinden das Gegensätzliche ebenso miteinander wie die freie Mitte, die das „Umfangende“ zu Ringen gestaltet und den voluminösen Elementen Leichtigkeit verleiht. Die Freiräume in ihrer Mitte, die sie umschließen und die zwischen ihnen übrig geblieben sind, wirken wie eine Seele. Sie sind da und wichtig, doch nicht wirklich greifbar. Sie erschließen sich in immer neuen Zusammenhängen im Umschreiten der Skulptur oder durch Abbildungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Sie sind wichtig, ohne sie ginge es nicht, denn sie geben den drei Elementen Freiraum für Durchblicke, die Gelegenheit zum Ineinandergreifen und sich gegenseitig Festhalten.

So könnten Quadrat und Dreieck einander zugeordnet sein, doch ohne die freie Mitte, die sie zu Ringformen und Symbolen für die Unendlichkeit macht, ohne das Kreiselement, das sie stützend durchdringt und verbindet, wären sie nichts. (vgl. 1Kor 13,2) Dreieck und Quadrat wären leere Raumköper ohne tragenden Grund, ohne vereinendes Band, ohne erfüllende Mitte. So kann der Ring, der das Quadrat und das Dreieck verbindet, in seinem vollkommenen Rund auch als ein Symbol für Gott oder die Liebe gesehen werden.

Es ist die Liebe, die das Gegensätzliche und einander Ausschließende verbinden kann, ohne die Einzigartigkeit des Verschiedenen zu zerstören. So geht es – übertragen gesehen – nicht um eine linear hintereinander gedachte, das Vorherige aufhebende Abfolge von These, Antithese und Synthese. Vielmehr geht es um einen lebendigen Prozess, in dem die Gegensätze in einer immer wieder zu suchenden Synthese affirmiert – also einander bejahend – enthalten sind, und – wie im vorliegenden Kunstwerk mehrdimensional räumlich und einander durchdringend sich auf einer höheren Ebene zu einem neuen Ganzen verbinden. Ganz so wie Paulus es im Hohelied der Liebe ausdrückte: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe“ (1Kor 13,13). Eine auf diese Weise durch die Liebe bewirkte Versöhnung der Gegensätze vermag Inseln der Humanität zu schaffen.

Die Skulptur war bis im Sommer 2021 an der großen Skulpturenausstellung Bad RagARTz in Bad Ragaz/Schweiz ausgestellt.

Lebensenergie

Geheimnisvoll steht die Stele im Raum. Über dem Sockel aus Jura-Kalkstein erhebt sich eine tiefblaue rechteckige Fläche mit den Ausmaßen eines großen Menschen. Die Kontur der Stele folgt dem natürlichen Wuchs des Baumstammes, aus dem das Brett geschnitten wurde. So ruht die Stele breit auf dem Sockel, verjüngt sich zur Mitte und weitet sich nach oben wieder.

Die blaue Fläche wie der sie umgebende Goldrand sind unregelmäßig und wirken dadurch lebendig. In der Tradition der Ikonenmalerei hat die Künstlerin die Lindenholztafel mit Marmormehl und Alabaster grundiert und sie dann beidseitig in sechs Schichten mit verschiedenen Lapislazuli-Naturpigmenten bemalt. Der mehrschichtige Aufbau als auch das tiefgründige und leuchtstarke Lapislazuli geben der Fläche eine unvergleichliche Tiefe, so dass die Tafel auch wie eine Türe oder ein Durchgang wirkt. Die natürliche kristalline Struktur des kostbaren Pigmentes lässt die Oberfläche durch hellere und dunklere Bereiche unterschiedlich intensiv in Erscheinung treten. Blattgold umrahmt das ultramarine Spiel mit Licht und Schatten und enthebt es gleichzeitig ins Unergründliche, Immaterielle, Geistige.

Formal verweist das Kunstwerk, das uns in der Lebensgröße eines Menschen gegenübertritt, auf niemanden Konkreten, es hat keine praktische Funktion. Man begegnet dem Werk wie einem großen Unbekannten mit menschenähnlichen Proportionen. Im numinosen Blau und Gold bleibt Gott wie in einem unfassbaren Anders-Sein verborgen. Doch die schlichte Gegenwart, der kostbare Aufbau und die mystische Ausstrahlung ziehen den Betrachter geheimnisvoll in den Bann und laden zum Innehalten und zur Begegnung, zur stillen Einkehr und zum meditativen Verweilen, zur staunenden Auseinandersetzung ein. In dieser Gegenüber-Stellung stellt sich die Frage, wie und wo aus dem geheimnisvollen Ganz-Anderen ein persönlicher Gott für mich wird. Was sich in dieser Begegnung mit Gott konkret erlebbar für mich herauskristallisiert und zu einer kostbaren, individuellen Lebenserfahrung wird.

Das starke Blau kann Ausgangspunkt für Gedanken an den nächtlichen Himmel und die damit verbundene Stille sein, die den Blick in die unergründliche Weite des Weltalls begleitet. Es bringt auch die geheimnisvollen Dimensionen der Meere zur Sprache. So wandelt sich die Stele zu einem Durchgang oder einer Tür, die in die Weite des Nichtdarstellbaren und Unbegreiflichen führt. Die Farbintensität des Lapislazuli lässt eine kosmische Energie erfahren, die unsere Sinne zu ergreifen, zu erheben und in die Transzendenz hineinzunehmen vermag. Eine transzendente Gegenwart, die sich in Dunkelheit hüllt und durch Treue auszeichnet, denn die Farbe Blau steht symbolisch für die Treue. Die blaue Stele vermag deshalb ein höheres Da-Sein für den Menschen darzustellen („Ich bin, der ich bin.“ Ex 3,14), das Halt gibt und als wirkmächtige Kraft eine Energie ausströmt, die wie eine Quelle unerschöpflich fließend Erfrischung, Erneuerung und Leben spendet.

Vom 22. Mai bis 25. August 2021 war LAPIS SOLARIS in der Bahnhofkirche im Hauptbahnhof Zürich zu erleben. Auf der Website der Bahnhofkirche finden Sie mehrere Videos und Meditationen zum Kunstwerk.

Von Gottes Gegenwart erleuchtet erkennen

Kraftvoll umreißt die gelbe Linie eine menschliche Kopfform und lässt sie aus dem blau-grünen Grund hervortreten. Die Form ist nach oben geöffnet, wodurch die beiden geschwungenen Linien auch wie grafisch vereinfachte – den Kopf umfassende – Hände gesehen werden können. Nur das rechte Auge ist mit Bleistift ausgearbeitet und mit einem gelben Strich konturiert und hervorgehoben. Der Mund ist lediglich angedeutet. Alle anderen Gesichtsmerkmale sind weggelassen worden, um die Botschaft klarer zum Ausdruck zu bringen. Die Signatur am linken unteren Bildrand gleicht einem achtlos weggeworfenen Auge. Offensichtlich ist das zweite, für das räumliche Sehen wichtige Auge für den Prozess des geistigen Sehens unbedeutend.

Dafür bricht von der oberen rechten Ecke ein weißliches Objekt in die Bildfläche und den Kopf dieses Menschen ein. Die kantige Form lässt an einen keilförmig behauenen Stein denken, der, ohne die Schädeldecke zu verletzen, ins geistige Bewusstsein tritt, die eigenen Vorstellungen durchbricht und ins Geistige überführt. Die stilisierte Dreidimensionalität der Form kann auch als lichtes Buch gesehen werden, dessen Inhalte in den Geist des Menschen übergehen. Die weiße Farbe, die lebendige Offenheit der Form und die von oben hereinbrechende Bewegung erinnern auch an die Taube als Symbol für den Heiligen Geist.

Begeisterung? Oder geht es mehr um den Geist der Erkenntnis, um den Geist, der uns mit Gedankenblitzen mehr als nur das Sichtbare sehen lässt? Tut es nicht grundsätzlich und immer not, über die vordergründige Begrenzung hinauszusehen, die Wirklichkeit in ihren Höhen und Tiefen auszuloten und auch die geistige Dimension ins Auge zu fassen? Letztlich bis in die Seele zu blicken?  Der jugendliche Gesichtsausdruck und die wache Kopfstellung lassen spüren, wie dieser Mensch etwas Unsichtbares entdeckt hat und nun mit dem geistigen  Auge zu erkennen und mit dem Verstand zu „begreifen“ versucht.

Der fokussiert suchende und gleichzeitig die gesichtete Wirklichkeit abtastende Blick fasziniert. Der aufmerksam nach oben gerichtete Blick wirkt wie durch ein Fernrohr in die Weite gerichtet und gleichzeitig wie ein Röntgenblick, wie ein die Wirklichkeit durchdringendes Schauen, das auch unsichtbare Welten wahrnimmt und zu fassen versucht.  Die weichen, die Kopfform querenden Pinselstriche mögen für diese unsichtbaren und doch gegenwärtigen Welten stehen, die wie Gedanken durch den Kopf gehen und den Hintergrund wie das Wasser eines unergründlichen Sees erscheinen lassen.

Die gelben Linien elektrisieren. Es geht darum, nicht nur mit dem äußeren Auge zu erkennen, sondern die Wahrheit auch mit dem inneren, geistigen Auge zu sehen und anzunehmen, bis sich Gott im “Auge als Spiegel der Seele” wie ein Lichtpunkt widerspiegelt. Wer IHN in sein Leben aufnimmt und Jesus in allen Menschen erkennt, der ist ein von Gott wie von einem Keil Gezeichneter und gleichzeitig ein von Gottes Gegenwart Leuchtender.

„Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.“
(Eph 1,17-19)

Brücke ins Unvorhersehbare

Ein schmaler Steg mit hohen Geländern an beiden Seiten führt in den Nebel. Die gewundenen Vertikalen lassen eine Hängebrücke erkennen, die scheinbar ins Nichts führt: Es ist weder ihr Anfang noch ihr Ende zu erkennen. Es ist weder ersichtlich, woran sie befestigt ist, noch wie lange sie letztlich ist oder wie tief der Abgrund ist, über den sie führt.

Der Fußweg über die minimalistisch konstruierte Brücke, deren Boden und Geländer nur mit Drahtgittern verkleidet sind, zieht den Blick in eine fast bodenlose Tiefe. Man weiß, dass die Gitter ausreichend Schutz bieten, aber der Blick zu den Seiten und hinab in die Tiefe kann durchaus zu unangenehmen Schwindelgefühlen führen.

Im Bild ist die Landschaft durch den Nebel vollständig ausgeblendet. Damit ist die Brücke jeder geografischen Verortung enthoben. Sie könnte überall stehen. Es scheint nur die Brücke im Nichts zu geben – durch geheimnisvolle Kräfte gehalten. Wer sie beschreitet, begibt sich gewissermaßen in ein Niemandsland – oder mitten in die Cloud, von der man nicht nur sagt, dass hier unsere digitalen Daten gespeichert werden, sondern auch, dass hier Gott wohnt (vgl. Ex 40,34-38; 1. Kön 8,10-11; Lk 9,34f). Die Brücke in die neblige Wolke verwandelt sich so gesehen in einen schmalen Weg zu Gott, über den Abgrund mitten hinein in das verborgene Herz- und Lebenszentrum unserer Welt, in der das schöpferische Wissen und die Weisheit Gottes nicht „geparkt“, sondern höchst lebendig sind.

Wer den Gang über die Brücke wagt, geht im Vertrauen und im Glauben, dass die Brücke hält und sicher ans andere Ende führt, auch wenn es nicht zu sehen ist. Ein Ende, das auf der persönlichen Lebenswanderung ein Neuanfang sein wird. Gerade aus der positiven Lebens- und Glaubenserfahrung heraus, auch in orientierungslosen Situationen sicher geführt zu werden, ja gleichsam über die Abgründe des Lebens getragen zu werden und durch Gott Halt zu erfahren. Sind Brücken nicht Lebenshilfen, welche das Überwinden von Schwierigkeiten erleichtern? Die Hängebrücke ruft in Erinnerung, dass es ein Segen ist, glauben zu können, dass wir von oben gehalten werden. Die feste Beziehung schafft Vertrauen. Sie verleiht Trittsicherheit und schenkt Zuversicht.

Ganz auf Gott vertrauen heißt nicht, dass man über Wolken gehen kann oder sein Lebtag auf Wolke Sieben schwebt. An Gott glauben und Ihm vertrauen heißt, das Unvorhersehbare der Zukunft und die scheinbar unüberwindlichen Hindernisse auf unserem Lebensweg zuversichtlich anzugehen. Gottes wahres Wesen ist zwar unbegreiflich wie eine Wolke und liegt wie in einem diffusen Nebel verborgen, aber die nächsten Schritte liegen konkret sichtbar zu Füßen und fordern dazu auf,  im Vertrauen auf Ihn Schritt für Schritt gewagt und gegangen zu werden.

zu gast mahl

Ein dreifacher Dreiklang klingt durch das von geometrischen Formen geprägte Bild. Farblich ertönt er durch den gelben Hintergrund, die dunklen Balken und die roten Dreiecke. Formal finden sich Quadrat, Rechteck und Dreieck wieder und jedes Element ist mehr oder weniger mit der Zahl Drei verbunden.

Ein warmes Gelb bildet den haltgebenden Rahmen für die nach innen und nach unten führenden farblichen Abstufungen, die im zentralen Freiraum des Quadrates ihre Ruhe finden. Diese „Mitte“ befindet sich über dem von links eingerückten waagrechten schwarzblauen Rechteck, welches die Basis für diese unsichtbare Gegenwart darstellt.

Die vertikalen Rechtecke sind schlanker und länger geformt als die Basis. Aber die gleiche Fläche und Farbe verbindet die drei Rechtecke und lässt eine von der linken Seite der liegenden Form ausgehende und über das äußere Rechteck aufsteigende Bewegung entstehen, die am oberen Ende des erhöhten und genau in der senkrechten Bildmitte angeordneten Rechtecks endet.

So überlagert sich die absteigende Bewegung der gelben Elemente mit der aufsteigenden Bewegung der dunkelblauen Elemente. Gleichsam als Symbol für diese Begegnung können die beiden roten Dreiecke gesehen werden, die sich auf der linken Seite des Quadrates mit der rechtwinkligen Spitze berühren. Das große Dreieck zeigt nach unten, das kleine Dreieck nach oben. Zusammen bilden sie eine stilisierte Kelchform, die neben der „freien Mitte“ über dem altarähnlichen Rechteck schwebt. Der Künstler erweist damit eine Referenz an die „Dreifaltigkeitsikone“ von Andrei Rubljow und weitet gleichzeitig die Symbolik der beiden Dreiecke, so dass sie auch als lebendiges Miteinander von Himmel und Erde oder als herzliche Zuneigung von Gott und Mensch gesehen werden können.

Die dreistufige Lichtmanifestation erinnert in Verbindung mit den drei tiefdunkelblauen Figuren und dem roten Kelch an Abrahams Begegnung mit Gott bei den Eichen von Mamre (vgl. Gen 18,1-15). In der „Hitze des Tages“ hat er in den drei Männern Gott erkannt und ihnen ein Gastmahl bereitet. In der Symbolik des modernen Meditationsbildes schwingt der Geist und die Bewegung dieser einzigartigen Begegnung mit: Im mehrfachen Dreiklang atmend, Gottes Anwesenheit und Abwesenheit gleichzeitig vergegenwärtigend (vgl. Jer 23,23), sie offenbarend im Licht und im Kelch, sie partiell verdeckend und verhüllend durch die schwarzblauen Rechtecke bzw. sie verbergend im unergründlichen Dunkel des Nachtblaus selbst.

Werke von Thomas Lauer waren bis zum 18. Oktober 2020 in der “Kunst am Berg”-Ausstellung “Wann reißt der Himmel auf?” in der Feldbergkirche zu sehen.

Gehalten und erfüllt

In diesen bewegten Zeiten der Corona-Pandemie erschrecken mich die rasend schnell steigenden Zahlen an Infizierten und Toten. Dieses Leid und diese Not wirbeln unser Leben durcheinander. Unweigerlich muss ich auch an die Worte aus Psalm 91,7 denken: „Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag. Fallen auch tausend an deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es dich nicht treffen.“ – Was für eine Zusage all denjenigen, die an Gott hängen, die seinen Namen kennen und zu ihm rufen!

Die Menschengestalt bringt die Verunsicherung durch die äußeren Ereignisse als auch ihren Glauben treffend zum Ausdruck. Die Person steht inmitten eines aufgewühlten und unruhigen Hintergrundes. Stürmische Zeiten, welche sich auch im Innern der Person fortsetzen. Sie kann sich dem Ganzen nicht entziehen, ist bis ins Innerste erschüttert, verunsichert, destabilisiert. Zu groß und unbeschreiblich ist das Leid und die Not um sie herum. Wieso soll gerade sie überleben, wenn 11.000 Menschen um sie herum sterben?

Die Bewegungen im Innern der Gestalt sind nicht mehr so wirr und diffus wie um sie herum. Eine rhythmisch geordnete Bewegung gleich einem Tanz durchzieht die Menschengestalt und gibt ihr eine eigene Dynamik. Sie ist dem Sturm nicht wehrlos ausgesetzt, sondern vermag sich mit einer ihr innewohnenden Kraft zu widersetzen. Diese Kraft wird mit runden Pinselstrichen charakterisiert, mit weißen, gelben und roten Kreisbewegungen. In den Rundungen klingt Gottes unendliche Größe und Kraft an. Im farblichen Dreiklang Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, die gemeinsam den Menschen schützen, beleben, aufbauen. So ist eine innere Freude zu spüren, ein Wandel von der Bewegtheit hin zur Beschwingtheit, von der Verunsicherung hin zur Stärke, von der Angst, den Boden zu verlieren hin zur Standfestigkeit.

Gott selbst bewegt und stärkt den Glaubenden in seinen Zweifeln, Abgründen und seinem Unglauben, wenn dieser ruft: „Herr, hilf meinem Unglauben!“ (Mt 9,24) oder steh mir bei „in meiner Not“ (vgl. Ps 18,7; Est 4,17r). Doch die Hinwendung zu Gott, das Vertrauen und die Hingabe, das muss von uns kommen.

“Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen.
Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue.
Denn er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus der Pest des Verderbens.
Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht,
Schild und Schutz ist seine Treue.
Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten,
noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt,
nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag.
Fallen auch tausend an deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es dich nicht treffen.
Mit deinen Augen wirst du es schauen, wirst sehen, wie den Frevlern vergolten wird.
Ja, du, HERR, bist meine Zuflucht. Den Höchsten hast du zu deinem Schutz gemacht.

Dir begegnet kein Unheil, deinem Zelt naht keine Plage.
Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen.
Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;
du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf junge Löwen und Drachen.
Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.
Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort.
In der Bedrängnis bin ich bei ihm, ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren.
Ich sättige ihn mit langem Leben, mein Heil lass ich ihn schauen.”

Psalm 91

Aufstieg in Frage gestellt

Eine Leiter ragt von der Chorstufe aus in den leeren Kirchenraum. Sie ist mit einem roten Seil am Altar befestigt, von ihm quasi gehalten. Auf ihren Sprossen sind mit Kabelbindern Küchenmesser festgebunden, die auf jeder Sprosse die Richtung wechseln. Ganz oben sind fünf farbige Ballone angebracht.

… es geht aufwärts … hat Hans Thomann seine Arbeit zur Fastenzeit 2020 betitelt. Er spielt damit auf einen Leitgedanken in unserer Gesellschaft an, der tief in unserer Leistungsgesellschaft verankert ist: Wachstum, grenzenloses Wachstum, es soll immer nur aufwärts gehen, alles nur besser werden. Wer nicht immer mehr, wer nicht immer höher hinaus will und mehr aus dem Leben herausholt, gilt schon mal als Spielverderber. Es ist doch erstrebenswert und so gewinnbringend, auf der Karriereleiter Sprosse um Sprosse hochzusteigen, um am Ende Spaß ohne Ende und schier grenzenlose Freiheit zu haben.

Doch die Messer auf den Sprossen erzählen etwas anderes und stellen ein solches Denken in Frage. Wer diese Leiter hochsteigen will, begibt sich auf einen gefährlichen Weg. Jeder Schritt wird einschneidende Konsequenzen haben, wenn er nicht mit Bedacht gemacht wird. Wer diese Leiter hochsteigen will, wird der Selbstverständlichkeit des Könnens beraubt. Er wird vor die Frage gestellt, ob es überhaupt möglich ist und wenn ja, ob es sich überhaupt lohnt. Was ist der Preis des Aufstiegs, mit welchen Mühen oder Gefahren ist er verbunden? Geht meine Karriere zu Lasten meiner Mitmenschen, der Natur oder gar meiner Gesundheit? Wer muss den Preis für meinen Aufstieg bezahlen?

Die Leiter führt zudem ins Leere. Sie lehnt oben nirgends an, sie endet im Nichts. Wo soll denn der stetige Aufstieg hinführen? Was ist das Ziel meines Tuns? Und nicht zuletzt ist die Leiter nur mit einem roten Seil gesichert, das wie ein seidener Faden am Altar befestigt ist. Wenn die Leiter zu stark belastet wird, kann das Seil reißen oder sich lösen.

Hier wird bildhaft die Gottverbundenheit zur Sprache gebracht und in Frage gestellt: Von was werde ich gehalten, was gibt mir die Kraft, wer gibt mir das Leben? Auf einmal ist die Leiter nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern ein Symbol meiner selbst und die Messer werden zu Symbolen von einschneidenden Ereignissen in meinem Leben, von Hindernissen, die zu überwinden waren, von Verletzungen und Wunden. Sie sind mir auf meinem Lebensweg, in meinem Wachstum und in meiner Entwicklung zugefügt worden. Sie gehören zu mir, sind ein Teil von mir geworden.

Das vom Altar ausgehende rote Seil mutet wie eine verbindende Nabelschnur zu unserem Schöpfer an. Es kann für die haltgebende Liebe Gottes, für die alle Wunden heilende und Sünden vergebende Hingabe seines Sohnes und ebenso für die Führung und Kraft des Heiligen Geistes stehen.

Eindrücklich wird unser Denken, Verhalten und Glauben in Frage gestellt. Im Kontext der globalen Corona-Pandemie hat diese Arbeit geradezu prophetischen Charakter: Wir erfahren, wie klein und verletzlich wir sind. Wir erleben die Kehrseite und Grenzen unserer Fortschritte und Errungenschaften und stellen uns neu die Fragen: Wer leitet mich? Woran halte ich mich fest? Oder vielmehr: wer gibt mir den Halt und die Kraft dazu?

Flyer zur Ausstellung

Text und Bilder zur Installation in der Peterskapelle in Luzern

Gottes Liebe ist ausgegossen

Visionär ist die Schau, in der sich das Licht aus der Höhe in die menschliche Dunkelheit ergießt und sternförmig über einer winzigen Menschengruppe aufstrahlt. Denn dass ein Gott, der per se überirdisch, ewig und damit transzendent ist, sich entäußert und Menschengestalt annimmt, ist schlichtweg unvorstellbar.

Doch weil bei Gott nichts unmöglich ist, kam er in Jesus Christus zu uns auf die Erde und wurde durch Maria Mensch. Diesem Wunder nähert sich die Künstlerin ebenso wie die Heilige Schrift in Symbolen.

Gott ist Licht. Seine Ewigkeit wird durch die Kreisform, die keinen Anfang und kein Ende hat, beschrieben. Im Innern dieses Kreises erzählen wunderbar bewegte rote und gelbe Linien, dass Gott die Quelle des Lebens ist. Im weißen Herz kommt zum Ausdruck, dass Er reine schöpferische Liebe ist, die über sich hinauswachsen will. Davon erzählt die Schöpfungsgeschichte, die mit der Erschaffung des Lichts begann und mit der der Menschen endet (Gen 1,1-31).

Jesus ist das Licht der Welt, weil er aus dem Licht kommt. Durch die Parallelen zur Schöpfungsgeschichte verankert der Evangelist Johannes im Prolog seines Evangeliums Jesus in Gott, wenn er schreibt: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ (Joh 1,1-4)

Mit Jesus schenkt Gott seiner Schöpfung einen Neuanfang. Doch dieses Mal geht es nicht um die Erschaffung einer materiellen Welt, sondern um die Erneuerung des Menschen. Deshalb schreibt Johannes: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. […] Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut […], sondern aus Gott geboren sind.“ (Joh 1,9.12.13d)

Jesus ist der Erstgeborene dieser neuen Schöpfung. Im Bild ergießt sich das Licht in die Dunkelheit hinein. Es bahnt sich einen bleibenden Weg durch die Dunkelheit und explodiert förmlich in einem großen leuchtenden Stern über der kleinen Menschengruppe. Diese ist aus Wachs geformt und vor dem unteren Bildrand auf einer Zündholzschachtel erhöht angeordnet. Maria im blau-roten Kleid kniet anbetend vor der Krippe ihres Neugeborenen, Josef steht als Hirte gekleidet daneben.

Die Künstlerin hat mit dem gekneteten Wachs symbolisch den neuen Adam geschaffen. Indem sie ihn figürlich geschaffen hat, ließ sie das (gemalte) Licht Materie annehmen. Sie bildet damit ab, wie „das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat“ (Joh 1,14a).

Die Streichholzschachtel ist ein Hinweis, dass wir uns aufmachen, uns begeistern und anzünden lassen, und so Licht werden sollen. Sein Licht will wie der Stern im Bild in uns leuchten. Denn die schwarze Fläche im Bild ist mehr als ein effektvoller Hintergrund. Sie ist die symbolische Darstellung alles Dunklen in unserem Leben. Sie ist Ausdruck unserer Verlorenheit ohne Retter. Sie zeigt unsere Sehnsucht nach Licht, nach Erleuchtung und Orientierung, letztlich nach Gott.

Carola Wedell führt uns mit ihrer visionären Schau erneut die großen Zusammenhänge der Geburt Jesu vor Augen. Und alle, die von seinem Licht erleuchtet sind, die sein Wort in sich aufnehmen und ihm Wohnung geben, können staunend in das Bekenntnis des Johannes einstimmen: „Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14b).

Die Arbeit von Carola Wedell war in der 79. Telgter Krippenausstellung “Auf der Suche nach dem Licht der Welt” im RELíGIO – dem Westfälischen Museum in Telgte zu sehen. 

Gestaltwerdung des Geistigen

Ein Kristallmeer scheint im Raum zu schweben und aus dem Bild auf den Betrachter zuzufliegen. So dicht und undurchlässig sich die kristalline Fläche im unteren Teil des Bildes gibt, oben bricht sie auf und lässt den Blick auf einen vergoldeten Hintergrund zu. Gleichzeitig können kleine Kristalle ausgemacht werden, welche dem Bild eine außerordentliche Tiefenwirkung verleihen.

Die Raumtiefe wird durch die violette Farbe der kristallinen Formen gesteigert. In den dunklen Kristallen erscheint die Farbe verdichtet, was sie aus der Masse hervorhebt. Dies führt dazu, dass der Endpunkt des Bildes nicht die Spitzen der kristallinen Formen sind, sondern der Betrachter. Der dreifache (!) Rahmen intensiviert den Eindruck, wie durch ein Fenster hindurch in eine andere Welt zu schauen und Zeuge der Gestaltwerdung von etwas Kostbarem zu sein.

Der Goldgrund – technisch gesehen ist er als letztes auf das am Computer generierte Bild aufgetragen worden – erinnert an mittelalterliche Heiligenbilder und byzantinische  Ikonen, bei denen das Gold symbolisch für Gottes Gegenwart und Erhabenheit steht. So vermittelt das Gold auch in der Arbeit von Rainer Eisch einen kostbaren Urgrund und Ausgangspunkt. Von ihm ausgehend materialisiert und verdichtet sich das Geistige in einer neuen Gestalt, die wie ihr Ursprung von unvergleichlicher Schönheit und großem Wert ist.

Hier wird die biblische Schöpfungsgeschichte (Gen 1,1-2,2) auf eine andere, symbolische Weise erzählt. Dabei ist Gott zuallererst der lichte abstrakte Grund, aus dem sich eine wunderbare, kaum zu begreifende Ordnung herauskristallisiert, deren Ziel der Mensch ist. Eine Ordnung, die im Computer aus fast nichts geschaffen wurde, nämlich aus einem Schwarm von unendlich vielen Triakisikosaedern (aus der Familie der Catalanischen Körper), einem komplexen Polyeder aus 60 gleichschenkligen Dreiecken. Damit ist das Gold paradoxerweise das einzig Echte in der künstlichen Kristallwelt.

Immer wieder neu lässt diese Arbeit die Gedanken um das Wunderbare und Unfassbare kreisen, das wie aus kosmischer Ferne zu uns kommt und von uns bildhaft eingegrenzt versucht wird fassbar und begreiflich zu machen. Gedanken über die Undarstellbarkeit und die Größe Gottes, der von Anfang an diese Welt in einer bestaunenswerten Genialität erschaffen hat – allein und mit und durch uns Menschen.

Diese Arbeit war vom 12.9. bis 10.11.2018 in der Ausstellung Über das Geistige in der Kunst – 100 Jahre nach Kandinsky und Malewitsch in der DG in München zu sehen.

Eine Liebesbeziehung

Gelb sind die wenigen Buchstaben in der Mitte der blau-grauen Fläche platziert. Es ist ein Wortspiel, ein Dialog zwischen den Worten „Er kennt mich“ und „Erkenntnis“. Da wir von oben nach unten lesen, geht sein Mich-Kennen meiner Erkenntnis voraus. Es sind Worte, die durch das „mich“ mich als Betrachter ganz persönlich ansprechen. Doch wer ist „Er“? Und wer erkennt wen? Wer wird erkannt, anerkannt und zur Erkenntnis geführt?

Der Künstler präsentiert eine Beziehung zwischen dem, der erkennt, und dem, dem als Geschenk Erkenntnis angeboten wird. Die Arbeit verweist auf den, bei dem Erkenntnis ist und der jeden kennt, der diese Arbeit betrachtet. Wie es die gelbe Farbe suggeriert, soll mir als Betrachter ein Licht aufgehen. Dabei lässt sich die obere Zeile mehr Dem zuordnen, der über mir steht, die untere Zeile mehr uns Menschen. So kann neben den Worten auch das Oben und Unten eine Verbindung mit Gott schaffen, einem Gott, der mich kennt und bei mir Erkenntnis eben dieses Kennen und Liebens ermöglicht.

Mit diesen schlichten Worten versinnbildlicht der Künstler die Beziehung des Christen zu Gott, wie es ein Glaubender schon vor langer Zeit in Psalm 139 (Verse 1-3.5-6) treffend zum Ausdruck gebracht hat. „Herr, du hast mich erforscht und kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du kennst es. Du durchschaust meine Gedanken von fern. Ob ich gehe oder ruhe, du hast es vermessen. Du bist vertraut mit all meinen Wegen. (…) Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt. Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.“

Was zunächst bedrohlich erscheint, dass Gott nichts verborgen ist und er alles weiß, wandelt und öffnet sich in „einen Raum der Zuneigung und des Vertrauens“, die sich „nur noch kindlich staunend wahrnehmen lässt“ (Mathee). Wer sich in diesen Raum begibt, darf Gott auf eine intime und innige Art und Weise erleben. Und er erfährt zudem bei Ihm, wer er ist. Denn nur bei Gott ist diese Erkenntnis.
Bei Gott wird der Mensch identisch mit dem, als der er gemeint ist. Und er entdeckt und erlebt sich dabei als Mensch, der von Gott geliebt, getragen und beschützt wird. Denn Er kennt mich!

Diese Arbeit ist beim Künstler unter der Bestell-Nr. 6014 auch als Postkarte erhältlich.

Mosesstab

Auf einem langen, dünnen Holzstock ist leicht schräg ein flacher Bruchstein aufgesetzt. Dieser helle Stein ist gleichzeitig Sockel für ein weiteres, diesmal dunkles Element, das plastisch geformt ist. Es ragt versetzt zum dünnen Stab in die Höhe, was der Skulptur eine besondere Spannung verleiht (Großansicht).

Die Skulptur vereinigt viele Eigenschaften von bekannten Objekten in sich und geht doch weit darüber hinaus. Sie verwendet Elemente eines Wanderstockes oder auch eines Hirtenstabes und lässt an die geschmückten Bischofsstäbe denken. Mit seinem starken doppelten Abschluss am oberen Ende verbindet die Skulptur sich aber auch mit archaischen Hoheits- oder Herrschaftszeichen, wie es in kleiner Form auch Zepter sind.

Der Stab sieht aus wie der Stamm eines jungen Baumes. Frisches Wachstum und jugendliche Strebsamkeit strahlt er aus. Seine Oberflächenstruktur mit den Wölbungen der abgeschnittenen Äste lassen an ein echtes Holz denken. Und doch ist er aus Bronze gegossen, was bedeutet, dass das Material gleichsam durch das Feuer gegangen ist und darin geläutert worden ist. Es hat gewissermaßen die Feuerprobe bestanden und ist erstarkt daraus hervorgegangen. Mit einer Stabilität, die wesentlich größer ist als beim Holz.

Diesbezüglich kann der aufrechte Stab für Mose stehen, der in der Wüste beim Hüten der Schafe von einem brennenden Dornbusch fasziniert zu diesem hingegangen war und dort Gott begegnet ist (vgl. Ex 3,1-6). Der Stein mag an die Wüste erinnern, das aufragende dunkle Element an die Manifestation des brennenden Dornbuschs. Dabei steht die Wüste symbolisch auch für die innere „Wüste“ des Mose, der abschließende Stein auf dem Stab auch für die innere Blockade des Mose, die jedes weitere Wachstum verhinderte. Der brennende Dornbusch und die unerwartete Gottesbegegnung bedeuten dagegen neues Leben und damit verbunden einen ganz neuen Auftrag: „Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus!“ (Ex 3,10).

Für die Darstellung des Dornbuschs hat der Künstler Wachs verwendet, das er mit seinen Händen zu einer aufragenden Stele geformt hat. Sie ist damit in der Begegnung zweier Hände entstanden. Sie stellt den Hohlraum zwischen ihnen dar, den Abdruck dieser beiden Hände an sich tragend. Als manifestiertes Symbol steht sie für die Begegnung Gottes mit Mose und erinnert an sie. Und doch ist diese Erinnerung durch das leicht schmelzende Material Wachs gefährdet. Sie muss gepflegt und geschützt werden, damit sie nicht wie Wachs in der Sonne vergeht.

Darüber hinaus verweisen die beiden Abdrücke auf betende Hände (vgl. Dürer) als Ausdruck des inneren Sammelns und der geistigen Verbindung mit Gott. Und ist es nicht diese innere Kraft, diese unzerbrechlichen Zusagen Gottes „Ich bin, der ich bin“ (3,14) und „Ich bin mit deinem Mund und weise dich an, was du reden sollst“ (4,12), welche Mose die Autorität verliehen haben, so zu handeln wie er gehandelt hat? Der Stab ist zum Zeichen dieser Verbundenheit und Führungsstärke geworden: „Diesen Stab nimmt in deine Hand! Mit ihm wirst du die Zeichen vollbringen.“ (4,17) Von nun an ist Mose und sein Volk nicht mehr allein, denn Gott geht als ihr Führer, Retter und Beschützer mit ihm.

Am Anfang wollte Mose nicht. Er suchte alle möglichen Ausreden, um nicht von Gott in den Dienst genommen zu werden. Auch daran erinnern der Stab und die Handabdrücke. Denn als erstes Zeichen verwandelte Gott den Stab von Mose in eine Schlange und wieder zurück. (4,1-5) Und als zweites Zeichen ließ Gott eine Hand von Mose vom Aussatz befallen und machte sie danach wieder rein, damit die Israeliten Mose glauben sollten, dass Gott ihm erschienen ist. Darüber hinaus verweist der Bronzestab durch sein Material auf die eherne Schlange (Num 21,4-9). Danach schickte Gott Schlangen unter die Israeliten als Strafe für die Ungeduld, Undankbarkeit nach dem Auszug aus Ägypten und der Auflehnung gegen ihn. Wer gebissen wurde und zu der an einem Stab aufgerichteten ehernen Schlange aufsah, wurde geheilt und konnte so weiterleben.

Mit drei ganz einfachen Materialien und Elementen ist dem Künstler ein einzigartiges Kunstwerk gelungen, das in sich Tradition und Moderne, Materielles und Spirituelles, Profanes und Religiöses vereinigt. Ein ermutigendes Zeichen der Gegenwart und der Führung Gottes – auch in unserem Leben.

Gegen Gewalt – Barmherzigkeit

Die abstrakte Komposition ist nicht einfach zu beschreiben und verlangt eine herantastende Bestandsaufnahme. Deutlich sind drei schwarze, miteinander verbundene Kreisformen zu erkennen. Darüber rote und blaue Farbspuren. Im Vergleich zu den breiten schwarzen Pinselstrichen, welche so etwas wie eine Grundform bilden, wecken sie den Eindruck von Leichtigkeit, von spontan hingespritzter Farbe. Die roten Spritzer umrunden den oberen Kreis wie ein blutiger Dornenkranz, der nach unten strahlenförmig ausläuft. Die blauen Farbspuren überziehen das Bild in alle Richtungen, setzen einen Akzent, bleiben aber unaufdringlich im Hintergrund.

Diese erste Differenzierung bildet die Grundlage für die Interpretation der Bildaussage. Außer der Andeutung an eine Dornenkrone hat sich noch nichts Konkretes ergeben. Aber ob es das braucht? Bilder können doch auch einfach schön sein, Bewunderung hervorrufen oder Freude machen. Doch diese Gefühle sind in der vorliegenden Arbeit nicht wirklich anzutreffen. Hier müssten wir vielmehr von Schmerz sprechen, von einer dynamischen Aktion, einer Bewegung, die vom oberen Kreis ausgeht. Dieses Bild hat nichts Statisches an sich. Es ist voller Leben. Durch die verschiedenen Farben und Linien ereignet sich etwas, scheint sich etwas nach unten hin aufzumachen, in einer sich öffnenden Bewegung freizugeben.

Assoziativ lässt sich in den schwarzen Linien zudem eine vereinfachte Menschengestalt erkennen. Oben der Kopf, die beiden waagrechten Balken links und rechts können als Zeichen für die Arme stehen, die fast senkrechten Striche für den Oberkörper und die Beine, die unteren Kreisformen als Füße. Wenn ein Wesen so zeichenhaft dargestellt wird, möchte der Künstler meistens eine Haltung oder eine Eigenschaft des Dargestellten zum Ausdruck bringen. Insofern ist das Symbol auf seine Charakteristika zu befragen. Was ist anders dargestellt als sonst? Wie wirkt es auf uns? So erscheint dieser angedeutete Mensch von innen her offen, mit den erhobenen Armen freudig vital und bereit zu handeln. Mit den breit abgestützten Beinen bezeugt er zudem Standfestigkeit, aber auch ein mit großen Schritten Auf-dem-Weg-Sein.

Alles scheint vom wohlgeformten Kreis auszugehen. Die schwarze Farbe ist schön gleichmäßig verteilt und bildet eine feste, fast perfekte Form. Ein Zeichen für den Kopf, der mit seinen Gedanken alles steuert? Oder auf Grund der runden, anfang- und endlosen Form auch Zeichen für den unendlichen Gott, der in seinem Innersten Licht ist? Wie eine hoffnungsspendende Sonne leuchtet die helle Scheibe inmitten des Dornenkranzes. Soll sie Hoffnung für alle im Leid und in der Bedrängnis sein, Halt für die wie Jesus ungerecht Behandelten?

Thomas Werk hat seiner Arbeit den Namen „Barmherzigkeit“ gegeben und nicht „Der Barmherzige“. So muss es bei der Bildaussage um das Wesen der Barmherzigkeit gehen: wie es das Wort sagt, um das Erbarmen des Herzens. Dieses aus dem Innersten hervortretende Gefühl hat seinen semantischen Ursprung im Mutterschoß bzw. den Eingeweiden (hebr. răhāmīm). Barmherzigkeit ist demnach keine Sache des Verstandes, sondern des Bauches oder des Herzens. Wie im Bild dargestellt öffnet sich ein barmherziger Mensch von seiner gefühlten Mitte her. Ein Öffnen, das sich in sofortigem Tun äußert: in Form von Mitleid, Anteilnahme, Menschlichkeit und Güte, insbesondere in einer tragischen Situation, im Vergeben von Beleidigungen, im Gewähren von Gnade vor Recht.

Für den Gläubigen ist vor allem Gott barmherzig. So heißt es im Psalm 103,8: „Der Herr ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte“ und Jesus schließt in der Bergpredigt seine Rede über die Vergeltung und die Liebe zu den Feinden mit den Worten: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ (Lk 6,36). Wir würden nun vielleicht sagen, Barmherzigkeit bedeute, sich dem Notleidenden zuwenden, dem Unterdrückten und ungerecht Behandelten beizustehen. Jesus fordert aber mehr, wenn er darauf hinweist, dass Gott „auch gütig gegen die Undankbaren und Bösen ist“ (6,35c). Gerade im Umgang mit unmoralischem Tun und Ungerechtigkeit, die wir religiös gesprochen als Sünden bezeichnen, stellt er wie bei seiner Zuwendung zum Zöllner Matthäus klar: „Darum lernt, was es heißt: „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu berufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,13).

All das kann auch aus den Linien und Farben, der Pinselführung und Anordnung der Formen herausgelesen werden. Dabei erzählt die Bildzeichnung mehrschichtig, so dass ein und dasselbe Gestaltungselement unterschiedlich gedeutet werden kann. Das barmherzige Handeln des Menschen soll nach dem Vorbild Gottes geschehen, soll also seinen Ursprung in Gott haben. Für diesen Gott haben wir den schönen runden Kreis als Symbol gedeutet. Von ihm gehen die beiden Linien aus, bei denen zu spüren ist, wie sie mit einem Pinselstrich gezogen wurden. Am Anfang war noch viel Farbe in den Pinselhaaren, doch dann verliert sie sich, reicht aber, um mit gleichsam geschwächten Konditionen die Vollkommenheit seines Ausgangspunktes zu erreichen. Menschlichkeit wird da im künstlerischen Vollzug spürbar. So sehr der Mensch sich auch nach seinem göttlichen Vorbild ausrichtet, er wird nie so vollkommen sein wie Gott. Er wird immer schwächer dastehen, behaftet mit Fehlern. Das soll ihn aber nicht entmutigen, sondern ihm Ansporn sein, gerade deswegen sein Ziel hoch zu setzen, um in seinem Tun das Bestmöglichste zu erreichen.

Im Bild kommt auch zum Ausdruck, dass Barmherzigkeit gerade dort notwendig und Not wendend ist, wo Gewalt angewendet wird. Thomas Werk deutet dies in seiner Arbeit mit dem roten „Dornenkranz“ an. Die vom für Gott stehenden Kreis ausgehende (Pinsel-)Bewegung durchbricht den blutigen Kreislauf der Gewalt und bildet außerhalb neue, gewalt- und konfliktfreie Lebenszentren. Gerade dort, wo andere Leben in Brüche gegangen sind oder zu schwach sind, um selbst wieder auf die Beine zu kommen (vgl. das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, Lk 10,25-37). Barmherzigkeit eröffnet neue Perspektiven und damit einen Weg in die Zukunft.

Barmherziges Denken und Handeln muss im Leben immer wieder neu ansetzen, wie es der Künstler in den vier flüchtigen Spuren zwischen den beiden Hauptbewegungen angedeutet haben mag als Versuche, Zeichen der Barmherzigkeit zu setzen, die das Leben verändern, aus der Lebensmitte, dem Herzen wie aus Gott heraus. Die Tradition überliefert die sieben Werke der Barmherzigkeit – die Hungrigen speisen, den Durstigen zu trinken geben, die Nackten bekleiden, die Fremden aufnehmen, die Kranken und Gefangenen besuchen sowie die Toten gegraben Aber sind diese Werke heute noch aktuell? Es gibt Mittagstafeln und Suppenküchen, welche Speisen und Getränke verteilen. Die Toten werden von Bestattungsinstituten begraben, es gibt professionelle Gefängnis- und Krankenseelsorger/Innen. Außerdem gibt es für Asylsuchende, Obdachlose und Ausgegrenzte jede Menge Häuser und Heime, welche sie unentgeltlich aufnehmen. Aber obwohl viele Werke der Barmherzigkeit institutionalisiert worden und von Sozialgesetzen geregelt sind, bleibt weiterhin viel spontan und individuell Barmherziges zu tun.

Bischof Joachim Wanke ließ vor einigen Jahren Befragungen nach zeitgemäßen Werken der Barmherzigkeit durchführen und sie formulieren, weil er der Überzeugung ist, dass unser Land nicht nur Gerechtigkeit braucht. An den Beginn des Elisabeth-Jahres 2007 stellte er einige von ihnen, die zu praktischem Tun anregen, u.a. „Du gehörst dazu …“, „… ich rede gut über dich“, „ich gehe ein Stück mit dir …“, „ich teile mit dir …“, „ich besuche dich …“ und „ich bete für dich“.

Im Vergleich zu den traditionellen Werken der Barmherzigkeit sind dies geradezu einfache Dinge. Sie kosten nichts und sind nicht aufwendig. Aber sie sind in einer Gesellschaft mit zunehmendem Individualismus, in der viele Menschen vereinsamen, oft wirksamer als eine nur finanzielle Hilfe. Diese Werke lassen sich nirgends beantragen, sie kommen nicht vom Sozialamt, es gibt auch keinen Rechtsanspruch auf sie. Sie kommen aus Herzen, die sich öffnen, die teil-nehmen an der fremden Not.

Barmherzig zu sein ist nicht selbstverständlich. Aber Barmherzigkeit kann geübt werden, in dem ich mich ganz bewusst als Mensch in Situationen hineinbegebe, die meiner Anteilnahme bedürfen. Indem ich mich zum Mitmenschen aufmache und ihm durch meine Nähe und Hilfe zum Mitmenschen werde. Die Dynamik von Thomas Werks Arbeit lässt mich aufbrechen, sie fordert auf, “den Weg unter die Füße nehmen”. Dabei begleiten und motivieren Melodie und Text aus einem bekannten Adventslied: „Mache dich auf und werde Licht, …“ … denn Gott kommt unaufhörlich in unsere Welt, in mein Leben.

Ein hoffnungsloser Fall?

Ein Mann ist auf die schiefe Bahn geraten. Mit seinem ganzen Körper und Gewicht stemmt er sich gegen eine große Kugel. Während seine Füße, das eine Knie und eine Faust auf dem Boden Halt suchen, drücken die linke Schulter und die rechte Hand gegen das rollende Gewicht. Drahtiger und doch zerklüfteter, muskulöser und doch zerbrechlicher Widerstand. Wie lange er die Kugel wohl zu halten vermag?

Aber es ist nicht seine Aufgabe, sie nur am Weiterrollen zu hindern, also zu halten, sondern sie zurückzurollen, den Berg hinauf zu befördern. Die Aufgabe braucht Kraft und Geschick, Geduld und Ausdauer. Umso mehr, wenn der „Felsblock“ kurz vor dem Ziel immer wieder auskommt und den Berg hinunterrollt, so dass von vorne begonnen werden muss. Dem verschlagenen Sisyphos, der die Götter Zeus und Thanatos verraten, überlistet und betrogen hatte, wurde diese endlose Arbeit von Thanatos, dem Gott des Todes in der griechischen Mythologie, als Strafe für seine Taten zugeteilt.

Eine andauernde, äußerst anstrengende und oft auch vergebliche Aufgabe, die nie wirklich abgeschlossen werden kann, nennt man deshalb eine „Sisyphosarbeit“. Im „skulpturalen Filmstill“ scheint Sisyphos zudem nie eine Pause nehmen zu können, weil alles von ihm abhängt. Wenn er losließe, würde die Kugel zurückrollen, wenn er aufgäbe, wer würde dann der Kugel Widerstand geben und sie auf ihren Platz rollen?

Die Skulptur schneidet viele Fragen an. Ist eine Aufgabe oder Arbeit wirklich so wichtig, dass ich derart Zeit und Energie in sie investiere? Wenn ja, wäre es dann nicht vorteilhaft, die Aufgabe – gerade wenn sie groß und schwer ist – nicht allein, sondern mit anderen zusammen anzugehen und damit wahrscheinlich sogar ein schnelleres und besseres Resultat zu erreichen?

Weiter bietet die Skulptur Gelegenheit über Schuld und Sühne, über Strafe und Vergebung nachzudenken. Sisyphos wurde für seine Vergehen mit dem immer wieder neuen Hinaufrollen des Felsblockes bestraft. Sein Leben und sein Schicksal wurden damit an diesen großen Stein gebunden, Symbol für die Schwere seiner Untaten und Verletzungen, die er anderen zugefügt hat. Ihre Folgen hat er nicht im Griff, sie lasten schwer und entkommen ihm immer wieder.

Die ihm auferlegte Strafe kennt keine Vergebung der Schuld. Die Götter kennen kein Erbarmen. Sisyphos schiebt den Stein vergeblich nach oben. Seine Lage ist hoffnungslos, weil ihm die Götter den Stein nie abnehmen, sondern immer wieder entgleiten und hinunterrollen lassen, so dass Sisyphos in der Strafe gefangen bleibt. Jede Veränderung zum Guten wird ihm dadurch verunmöglicht.

Die ausweglose Situation des Sisyphos lässt unwillkürlich nach seinem Gegenbild fragen… und jenem der Götter. Es ist ein durch und durch aufrechter Mensch, der sich durch seine Rechtschaffenheit keine Schuld auflastet und in keine falschen Abhängigkeiten gerät. Er achtet Gott und die Menschen und bleibt gerade in dieser Verbundenheit in seinem Denken, Reden und Handeln ein freier Mensch. Gegenüber den griechischen Göttern offenbart sich der christliche Gott als guter Gott. Er ist ein Gott der Liebe und des Erbarmens, der allen, die zu ihm kommen, großzügig Vergebung schenkt. Das macht Mut und gibt Hoffnung, dass Veränderung und damit Besserung möglich ist, dass eine Strafe bei Einsicht und Reue nicht ewig dauern muss. Denn bei Gott ist niemand und keine Situation ein hoffnungsloser Fall.

Glaubenszeugnis

Das Bildgeschehen gruppiert sich um eine breite rötliche Senkrechte, auf der im oberen Drittel der Gekreuzigte schwebt. Er ist vom Kreuzbalken abgenommen und wird optisch nur von diesem starken Band gehalten, das für die Liebe Gottes steht, die bis in die menschlichen Abgründe geht und dort mit den Menschen leidet (violette Verfärbung am unteren Ende). Dadurch und in Verbindung mit dem Holz des Corpus Christi ist das Leiden durchaus gegenwärtig. Viel stärker jedoch wirken durch die Abwesenheit des Kreuzes, die Freistellung der Hände und die erhöhte Position der Skulptur die Auferstehung und die Himmelfahrt Jesu auf den Betrachter.

Im gelben Licht wird seine Himmelfahrt von Engeln begleitet. Sie schweben auf der intensiv-roten Linie, die von ganz unten in die Höhe führt und durch ihr Pendant diagonal gegenüber (links neben Jesus) auch mit Gott Vater in Verbindung gebracht werden darf, der seinen Sohn von den Toten auferweckt und zu sich geholt hat. Die Gestalt der gelben Fläche lässt zudem an einen Baum, durch Jesus an einen goldenen Lebensbaum denken oder auch an einen Kelch, in dem sein Blut aufgefangen und zu seinem Gedächtnis und zur Vergebung der Sünden zum Trinken gegeben wird.

Von Jesus, der seinen Kopf den Engeln zuneigt, geht die Bildbewegung über die Engel auf der Zwischenhöhe auf die andere Seite hinunter zu den Menschen. Das waagrechte Element dieser Figurengruppe bildet das Gegengewicht zum Geschehen auf der anderen Seite. In Blau gemalt bedeutet, in der Farbe des Glaubens dargestellt zu sein, des Wassers, in dem sie getauft wurden, dem Himmel, in den Jesus sie aufzunehmen versprochen hat. Sie sind als Pilgernde unterwegs, als Menschen auf dem Weg zu Gott, bereit in seinen Strahl der Liebe einzutreten, von seiner Barmherzigkeit umarmt und wie Christus erhoben zu werden. Spiegelbild der im Kirchenraum versammelten Gemeinde.

Dieses Bildgeschehen richtet auf und ermutigt. Es gibt die Bewegung der Auferstehung und Himmelfahrt Jesu wieder, in der er ganz der den Menschen Zugewandte bleibt und ihre Sehnsüchte aufnimmt. Es ist kein endgültiges Entschwinden oder sich Verabschieden, sondern die Wandlung seiner Gegenwart durch die Kraft des Heiligen Geistes. Dieser ist im Bild nicht explizit zu sehen, aber in der von Jesus ausgehenden Abwärtsbewegung, welche in die vertikale Menschengruppe einmündet, spürbar am wirken.

Im Weiteren macht die Bildkomposition deutlich, dass Gott in seiner unverbrüchlichen Liebe hinter seinem Sohn steht … und auch hinter allen Menschen, die an ihn glauben (Gesamtansicht).

Zahlreiche weitere Arbeiten in Kirchen finden sich im Buch Zeitgemäße Wand- und Deckenfassungen für Sakralbauten, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg, 2015, 304 Stein, > 350 Abb., 19,80 Euro.

Trösten

Goldene Buchstaben bilden ein fast menschengroßes Schriftbild. Ohne Abstände fügt sich horizontal und vertikal ein Buchstabe an den anderen, so dass sich Wort- und Satzsinn nicht sofort erschließen. Durch ihre Größe fallen wahrscheinlich als erstes ganz oben ICH WILL und in der zweituntersten Reihe EMUT auf. Kann das bereits die Botschaft sein, dass hier jemand Mut zusprechen will? Nach und nach erschließt sich der ganze Satz: „Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.“

Das Kunstwerk gibt einen Satz aus dem Buch Jesaja (66,13) wieder, in dem Gott zu seinem Volk spricht. Das Gold spiegelt die Größe und den Glanz Gottes. Es bringt auch zum Ausdruck, dass es ein ganz besonderes Wort ist. Ein kostbares Wort aus göttlichem Mund. Und dies im doppelten Sinn. Zum einen, weil es im Kontext von Bildern zu Geburt und Trost die eher weibliche Seite Gottes beschreibt und dadurch das männliche Gottesbild weicher und zugänglicher macht. Zum anderen sagt Gott damit, dass er sein Volk – und damit auch mich – wie eine gute Mutter ihr Kind – gut kennt und ihm fürsorglich vertraut nahe ist. Was ich auch anstelle, was auch immer mit mir passiert, seine Liebe bleibt unveränderlich. Ich kann immer zu ihm kommen. Er wird mich wie eine Mutter trösten und mir Mut zusprechen.

Das Wortgebilde ist mit seinen Abmessungen von 80 x 150 cm groß und stark. Wie ein Schild vermag es zu schützen, wie ein Mantel kann es Verfolgte umgeben und bergen, ihnen Halt geben und sie trösten. Das Buchstabennetz vermag die Fallenden aufzufangen, die Durchbrüche der Buchstaben bringen symbolisch zum Ausdruck, dass Gottes Trost in hoffnungslosen Situationen neue Durchblicke und Ausblicke ermöglicht. Sein Trost gibt den Gefallenen Mut, wieder aufzustehen, es nochmals zu versuchen – mit Seinem Glanz im Rücken und mit der Gewissheit im Herzen, dass er nahe ist und bleibt. ER ist mit mir. Wohin ich auch gehe, er bleibt mir nahe. Immanuel – Gott mit uns.

Sein Herz schlägt für sein Volk, für jedes einzelne seiner Kinder. Daran mag auch die rötliche Farbe auf der Rückseite erinnern, welche bei der richtigen Beleuchtung von der Wand reflektiert. Das Jesajawort ist ein wunderbarer Wegbegleiter für das Jahr 2016. Gott will uns wie eine Mutter trösten und in allen schwierigen Situationen ermutigen. Er will uns Heil zusprechen und uns stärken, die Schwierigkeiten zu überwinden und von neuem vorwärts zu gehen.
Gott will uns trösten … nun hängt es an uns, ob wir bei IHM Trost suchen …

Fließendes Licht

Unaufhaltsam kommt das Licht von weit hinten. Wie der Blick eines Auges flutet es aus einem Jenseits in das Diesseits hinein, aus der ungeschaffenen in die geschaffene Welt. Vom weißen Zentrum dehnt sich das Licht im Raum aus, sich gelb materialisierend, orange feurig sich entfaltend, um sich dann in warmem Rot über einen imaginären Rand zu ergießen.

Als Betrachter ist man geneigt, das Bild als eine Vision des ewigen Lichts zu sehen. Die Mystikerin Mechthild von Magdeburg (13. Jh.) sagte in ihrem Buch „Das fließende Licht der Gottheit“ zu Gott: „Du bist das Leuchtende in allem Licht.“

Michael Lesehr hat eine mystische Lichtschau (Lightshow) geschaffen, die Mechthilds Aussage sehr nahe steht. Das leicht aus der Bildmitte nach links verschobene Zentrum wirkt intensiv, konzentriert und kraftvoll. Es ist nicht groß oder vereinnahmend. Es lässt sich schauen ohne geblendet zu werden oder zu erblinden. Auch die warmen und gleichmäßig sich ausbreitenden Farben sind angenehm zu betrachten. Faszinierend ist zudem, dass das Bild trotz aller Einfachheit nicht langweilig wirkt.

Wie hat der Künstler es geschafft, das Licht so gleichmäßig fließen zu lassen, es von der Mitte unaufhörlich nach außen strömen zu lassen? Das Bild besteht aus unzählig vielen feinen, kurzen Linien, die strahlenförmig von der Mitte nach außen orientiert sind. Dadurch, dass auch zwischen den dunkleren Strichen hellere Striche gelegt sind, ergibt sich diese dynamische Bewegung nach außen. So vermag der Strahlenkranz von dem inneren Leuchten ausgehend immer neue Kreise zu ziehen. Ohne Unterlass.

Und wir können uns einüben in das Schauen des ewigen Lichts. Noch macht es den Eindruck, als sei es ein visueller Dialog durch das Loch in einer Wolkendecke, doch am jüngsten Tag werden wir ihn unverhüllt von Angesicht zu Angesicht sehen. Dann wird unser Schauen durch Gottes Schauen erwidert und wir werden hoffentlich die beglückende Erfahrung seiner Liebe, Güte und Barmherzigkeit machen.

Wo ist deine Mitte?

Was für eine Menschenfigur. Sie hat drei Beine und vier Arme, und mitten in der Brust gähnt ein riesiges Loch. Dort, wo sonst des Menschen Herz schlägt, ist einfach nichts. Man blickt durch ihn hindurch. Dieser Mann ist herzlos, er hat kein Herz mehr. Er hat sein Herz verloren oder es ist ihm genommen worden. Jedenfalls ist er sein Herz los, er hat seine Mitte verloren, auch wenn er scheinbar quicklebendig ist.

Dieser Mensch bewegt sich wie ein Roboter oder eine Marionette. Nicht aus eigener Initiative, sondern so wie es von ihm verlangt wird, hebt er seinen Arm zum Gruß, streckt ihn seitlich tastend aus oder hält beide Arme mit den offenen Handfläche nach unten, als wolle er sich von einer unsichtbaren Wand abstoßen. Ebenso vielsagend sind die Positionen seiner Beine. Neben einem kleinen Schritt (großes Bild), bei dem beide Füße am Boden sind, macht er mit dem linken Fuß auch einen großen Schritt. Militärisch steif erinnert er an den Stechschritt, was zusammen mit dem erhobenen Arm und der bräunlich-roten Farbe an die Zeit der Nationalsozialisten erinnert, die Herzlosigkeit und unbedingten Gehorsam forderten.

Unabhängig davon vermag der Mann auch eine Parabel für den modernen Menschen sein, der in sich ganz unterschiedliche Rollen zu vereinen hat. Dies gepaart mit dem Anspruch, vieles gleichzeitig machen zu können oder zu müssen, in einer Schnelligkeit und Perfektion, bei der es manchmal vorteilhaft wäre, mehrere Arme und Beine zu haben.

Der „Mann ohne Mitte“ stellt ganz offensichtlich die Frage: „Wo ist Dein Herz? Wo ist Deine Mitte?“ Und … nicht nur: „Was bewegt ihn? Was bewohnt diesen Menschen? Was belebt ihn?“, sondern auch: „Was bewegt mich? Was macht mein Leben aus, was gibt mir Kraft und Leben?“

Bei dem runden Loch ist man versucht zu denken: Wo nichts ist, kann nichts sein (Ansicht von vorn). – Aber der Freiraum ist kreisrund und kann damit eine unsichtbare Gegenwart andeuten, die ohne Anfang und Ende ist. Des Mannes Mitte ist somit transparent auf das Transzendente. Mit dieser unsichtbaren Präsenz wirkt der Mann wie eine Monstranz. Es kommt nun ganz darauf an, welcher Kraft er diesen Freiraum überlässt. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, sagt Jesus. (Mt 7,16) Es liegt an uns, was oder welche Kraft wir zulassen, in unserer Mitte zu wohnen, unsere Mitte zu bilden und damit unser Leben und Handeln entscheidend zu prägen.

In Frage gestellt

Blickfang des Bildes ist ein runder Gegenstand, der mit einer goldenen Folie verpackt ist. Nach rechts aufsteigend drücken drei Schnüre durch die Folie durch und geben dem Paket eine leicht diagonale Bewegung. In der Mitte lässt sich ein Knoten beobachten, der wie ein Bauchnabel in den Rundungen erscheint. Trotz der Verhüllung wirkt der Gegenstand wie ein Bild, das auf einem schwarzen Quader an der Wand lehnt. Davor liegt eine tote Taube auf dem rosaroten Boden.
Das Bild wirft mit seinen rätselhaften Objekten Fragen auf: Wieso ist der runde Gegenstand verschnürt und verhüllt? Was könnte die Bedeutung der goldenen Folie und des schwarzen Podests sein? Warum stellt der Künstler eine tote Taube dar?

Bei der Betrachtung von Kreis und totem Vogel fällt ihre Gegensätzlichkeit auf. In ihnen stehen sich symbolisch Unendlichkeit und Vergänglichkeit gegenüber. Auch wird der runde Gegenstand mit der Goldfolie als kostbar und schützenswert bezeichnet, während die Taube in ihrem grau-weißen Federkleid ungeschützt am Boden liegt. Der vollkommene Kreis ist zudem oben, die Taube unten platziert. Zwischen ihnen befindet sich ein altarähnlicher Aufbau, so dass sie sich nicht berühren können.

Das eingepackte Objekt lässt nach dem darunter Verhüllten fragen. Hält es das, was durch die vollkommene Kreisform und die glänzende Goldhülle angedeutet wird? Verweist es auf etwas oder jemand Erhabenen, das oder der kostbar und strahlend schön ist, ohne Anfang und ohne Ende? Soll es wenn möglich ein Symbol für den verborgenen Gott sein, von dem es im apokryphen Thomasevangelium (83) heißt: „und sein Bild ist verborgen durch sein Licht“? – Oder ist die Inszenierung nur Effekthascherei und nichts dahinter? Eine Art Konsumaltar? Der tote Vogel davor verstärkt die Unsicherheit im Umgang mit diesem Objekt. Auch hier ist das eine genauso möglich wie das andere. Der Vogel kann geopfert worden sein – es ist allerdings kein Blut zu sehen –, er kann aber auch versucht haben, das Göttliche zu sehen und hat es nicht überlebt (vgl. Ex 33,20; 1Tim 6,16), bzw. die Begegnung mit dem vermeintlich Göttlichen hat ihm kein Leben gegeben.

Eine ganz andere Sichtweise und Fragestellung ist die nach der Kommunikation. Hat sich „Gott“ versteckt, weil er nicht mehr mit uns kommunizieren will? Selbst die Taube als symbolische Übermittlerin seiner Botschaften liegt reglos darnieder. Hat er jeden Kontakt abgebrochen, weil er nichts mehr von uns wissen will? Oder ist es vielleicht gerade umgekehrt, dass wir Menschen nichts mehr von ihm wissen wollen, ihn an die Wand gestellt haben und jeglichen Kontakt mit ihm meiden, weil seine Worte unbequem sind?

Gott offenbart sich glücklicherweise nicht nur in von Menschenhand geschaffenen Objekten. Aber diese Objekte haben die Kraft, unseren Glauben, unsere Haltung und unser Verhalten in Frage zu stellen. Damit wir innehalten, uns besinnen und uns neu auf Ihn ausrichten, der unsichtbar in allem wirkt und mit Leben und Schönheit erfüllt.