Geheimnisvolles Zusammenspiel

Rätselhaft gibt sich die Assemblage aus altem Holz, aufgesetzten Metallteilen und blauem Glas. Die Arbeit aus Fundstücken lebt von Gegensätzen wie rund – eckig, oben – unten, außen – innen, geschlossen – offen, aber auch durch Dreiklänge wie Metall – Holz – Glas oder die drei zentralen Rundformen aus verrostetem Eisenblech.

Bei der Annäherung an das Rätsel bildet die gestemmte Holztür die Grundlage und den Rahmen. Sie formt das rechteckige Pendant zu den drei Kreisformen im oberen Drittel. Im Zusammenspiel erscheinen sie wie ein Haus, bei dem die drei Metallteile das Dach bilden und sich vertraute Elemente wie die Öffnung oder der blaue Glasstein in der Türfüllung wiederfinden. Zwei sich gegenüberliegende flache Bogen betonen die sich nach unten öffnende Bewegung und formen gleichzeitig einen geschützten Innenraum.

Jedes einzelne Element des Werkes ist gleichsam energetisch aufgeladen mit seinem sinnlich-physischen Dasein und seiner Geschichte und weist doch im Zusammenhang darüber hinaus. Die drei Kreiselemente vermögen in ihrer runden Vollkommenheit die Unendlichkeit und die Dreifaltigkeit Gottes anzudeuten. Darunter findet sich in der rechteckigen Tür als Symbol für die Erde als viertes Kreiselement ein rundes Loch, das kreuzförmig mit Flacheisen versperrt wurde und deshalb an den Kreuzestod Jesu erinnert. So wie dieses Loch mit der Öffnung ganz oben korrespondiert, stehen die beiden blauen Glasstücke miteinander im Dialog. Während das obere im Kreis unzugänglich fern wirkt, erscheint das größere, herzförmige Glas näher und durch die offenen seitlichen Bogenformen greifbarer. Senkrecht von oben nach unten betrachtet thematisiert das Werk Entäußerung, Niederkunft, Gestaltwerdung im Herzen der Schöpfung und insbesondere des Menschen.

Denn die Assemblage kann auch als vereinfacht dargestellter menschlicher Oberkörper gelesen werden: Die oberste Kreisform als Kopf, die anderen beiden als Schulterpartie, die knochenartigen hellen Bogen als Rippen des Brustkorbs und gleichzeitig als bewahrende Arme oder große Hände vor dem rechteckigen Oberkörper. Bereits 2008 hat Jörgen Habedank eine ähnliche Assemblage geschaffen, die er „Heilige Umarmung der Welt“ genannt hat. Dieses Umarmende, Beschützende, Geborgenheit und Lebensraum Schenkende kulminiert in dem blauen Herz. Die Beleuchtung intensiviert seine Strahlkraft und lässt es noch lebendiger wirken.

In der Mitte der beiden „Rippenbogen“, die auch als offenbarende und verherrlichende Mandorla oder als symbolische Krippe gesehen werden können, gewinnt das himmelblaue Herz eine besondere Bedeutung: In seiner blauen Farbe schwingt die Symbolik des Saphirs mit, der als Edelstein mit der stärksten Energie gilt und für Reichtum und Weisheit steht. In ihm leuchtet die Weite des Himmels und die Tiefe der Ozeane, geheimnisvoll verborgen auch der Gottessohn.

So verwandeln sich die weggeworfenen Fundstücke durch den Künstler in Objets trouvés und erhalten im Zusammenspiel der Assemblage eine weitere Bedeutung und neues Leben: Die Geburt des Gottessohnes in der Welt und insbesondere in den Menschenherzen andeutend.

Die Assemblage ist Teil der 82. Telgter Krippenausstellung “Mittendrin” im RELíGIO, dem Westfälischen Museum für religiöse Kultur in Telgte. Die Ausstellung mit über 120 zeitgenössischen Ausstellungsstücken ist bis zum 22. Januar 2023 zu sehen.

Weitere Assemblagen des Künstlers

Schätze im Himmel

Der kompakte, aufgerichtete Figurenblock gibt sich in seiner menschenartig abstrahierten Gestalt verschlossen und unnahbar. Mit geöffneter Front jedoch stellt er sein reiches und feingliedriges Innenleben zur Schau. Die Mitte bildet ein hoher, spitzer Turm, der an die immer höher werdenden Wolkenkratzer dieser Welt erinnert. In den seitlichen Nischen befinden sich vier stilisierte „Heiligen“-Figuren in Turm-Kleidern und mit aufgetürmtem Kopfschmuck. Ihre phantasievollen Gewänder greifen die Formensprache des Turmes auf als wäre er das große Idol ihres Daseins.

„Hack nimmt hier deutlich Bezug auf die mittelalterliche Tradition der Wandelaltäre, die an Festtagen geöffnet wurden und den Blick auf das Heilsgeschehen frei gaben, also durch einen Wechsel von Verbergen und Erscheinung das religiöse Staunen steigerten. Mit dem Unterschied, dass hier nun anstelle des christlichen Heilsgeschehens der Turm zu Babel als Menetekel menschlicher Vermessenheit, als Sinnbild der Selbstvergötterung erscheint. Der autonome Mensch wird selbst zum Schrein, in dessen Innerem verborgen er sein Babel trägt. Von Zeit zu Zeit stellt er es Ehrfurcht gebietend zur Schau. „ (Dr. Barbara Renftle in: getürmt, 2021, Stiftung bc – pro arte, S.41)

So stellt die geöffnete, stehende Altarfigur jedem Betrachter die Frage, was er im Verborgenen gesammelt oder aufgetürmt hat und welche Referenzpersonen ihm zur Seite stehen bzw. ihn auf dem Weg durch das Leben begleiten. Auf die Frage, was uns im Leben wichtig sein soll, gibt Jesus eine ganz klare Antwort: „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde …, sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Wurm sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen! Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. … Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. … Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie … sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? (Mt 6,19-21.24c.26)

Sinnbildlich weist der innere Turm auf Größenwahn, Hochmut und Überheblichkeit hin. Noch stehen er und seine Getreuen stark und sicher. Doch Jesus weist darauf hin, dass gesammelte Schätze (siehe auch Lk 12,15-21) und selbstgemachte Heiligtümer uns nicht retten können. Wir sollen immaterielle Schätze im Himmel (nicht in der Cloud …) sammeln, mit unseren Herzen auf Gottes Barmherzigkeit und Fürsorge vertrauen. Paradoxerweise bringt gerade das schlichte Äußere der Skulptur diese innere Haltung der Demut  zum Ausdruck: unauffälliges und unspektakuläres, aber hilfsbereites und haltgebendes Da-Sein für andere. Heilige Schätze zu sammeln bedeutet Haltungen und Werte leben, die von Achtung und Wohlwollen für alle Menschen, Lebewesen und die ganze Erde geprägt sind. Weil eine solche Haltung und solches Handeln von Umsicht, Fürsorge und Liebe beseelt Gutes bewirken wollen, sind sie heilig, überzeitlich und gehen in die Ewigkeit ein. Sie lösen jetzt schon ein interaktives Heilsgeschehen aus und werden deshalb zu einem Schatz im Himmel.

Skulpturen von Klaus Hack und Arbeiten weiterer Künstler*innen sind bis zum 26. November 2021 in der Themenausstellung “Getürmt. Turmmotive in der Gegenwartskunst” in der Galerie der Stiftung S BC – pro arte in Biberach im Original zu sehen. Dort kann auch der sehr informative Ausstellungskatalog bezogen  werden.

Das Herz Jesu vor Augen

Eine Bockleiter, ein antikes Herz Jesu, das früher als ewiges Licht gebraucht wurde, und ein Ei sind zu einer eigenartigen Installation zusammengefügt worden. Jedes der drei Objekte vermag in der Kombination mit den anderen beiden beim Betrachter Irritationen und Fragen auszulösen.

Was hat ein ewiges Licht in Form eines von einem Schwert durchstochenen Herzens mit einer Leiter zu tun? Was mag der Grund sein, dass es ganz Oben aufgehängt ist? Auf der anderen Seite steht die  Leiter mit einem ihrer Holme auf einem Ei und erhält durch die Schräglage einen unsicheren Stand. Andererseits fragt man sich, wieso das Ei von der Leiter nicht zerdrückt wird. Sehrwohl wird es zerdrückt werden, wenn jemand auf die Leiter steigt. Was hat das also zu bedeuten, dass der Künstler die Leiter genau auf das Ei gestellt hat?

Vielleicht werden uns Antworten auf diese Fragen gegeben, wenn wir den Eigenheiten der einzelnen Elemente nachspüren. Eine Leiter wird zum schnellen Hochsteigen an Orten gebraucht, an denen für kurze Zeit in der Höhe gearbeitet werden muss. Deshalb muss sie leicht, flexibel und doch stabil sein. Das Oben und das Unten sind bei ihr entscheidend. Deshalb kann sie auch für eine hierarchische Struktur stehen. Für viele ist es ein Ziel, auf der Karriereleiter schnell nach oben zu kommen. Während es die einen aus eigener Kraft nach oben schaffen, befinden sich die anderen in der Position des Eies und sind auf das Erbarmen oder die Gnade der Vorgesetzten angewiesen, dass diese sie fachlich nach- und damit auch hochziehen.

Das Ei steht für werdendes Leben in seiner ganzen Zerbrechlichkeit. Es ist der überstarken Macht seiner Umwelt ausgeliefert und bedarf deshalb eines übergroßen Schutzes. Die Installation macht deutlich, dass werdendes Leben in jeder Form Umsicht, Vorsicht, Wertschätzung und in der Folge Rücksicht benötigt, um unbeschadet überleben zu können.

Das Besteigen der Leiter ist in diesem Fall nicht möglich, ohne sich vorher zu bücken (= klein zu machen) und das Ei aus der Gefahrenzone herauszunehmen. Symbolisch ist das ein barmherziges Handeln, wie es Jesus ein Leben lang vorgelebt hat.

Die in die Leiter hineingehängte Lampe bringt wie ein Rotlicht bei einer Ampel Jesu Wirken in all unsere nach Oben strebenden Tendenzen hinein. Sie gebietet Einhalt bei einem herz- und gnadenlosen Kampf um die oberste Position, ja verunmöglicht sie einzunehmen. Als ewiges Licht in der Form eines vom Schwert durchbohrten Herzens wird es allen „Emporkömmlingen“ unmissverständlich vor die Augen gehalten, dass der erste Platz Gott gehört und sie sich ihm unterordnen und verantworten müssen.

Das Herz Jesu mahnt alle Aufsteigenden, auf ihr Herz zu hören und gnädig mit Mitmensch und Umwelt umzugehen. Das durchbohrte Herz erinnert, dass nur jemand barmherzig handeln kann, dessen Herz schmerzhaft berührt worden ist, dessen Herz sich vor Mitleid krümmt und wie beim barmherzigen Samariter ein übergroßes Erbarmen bewirkt, das die betroffene Person rettet (vgl. Lk10,25-35).

So ist das Herz Jesu als Vorbild für ein barmherziges und damit gnadenvolles Handeln zu sehen. Jeder, der „nach oben“ will im Leben, soll Jesus vor Augen haben, wie er die Armen und Kleinen im Blick hatte und ihnen zu Ansehen und Leben verhalf. Jeder soll vor Augen haben, dass wahre Größe keine Überheblichkeit kennt, sondern grenzenlose Wertschätzung des Lebens bedeutet. Das gab Jesus auch dem Gesetzeslehrer zur Antwort: „Dann geh und handle du genauso!“

„Gnade walten lassen“ ist für das menschliche Herz nicht einfach, aber jeder kann es, wenn er will. Gertrud von le Fort schreibt: „Gnade ist nicht Gewalt, sondern Freiheit.“ Denn Gnade ist ein Akt der Freiheit und führt in die Freiheit. Sie ist eine wesentliche Zutat zur Erfahrung eines erfüllten Lebens.

Neues Herz und neuer Geist zu verschenken

Die Jahreslosung 2017 lautet: “Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.” (Ez 36,26) Wie kommt es, dass Gott eine so grundsätzliche Erneuerung des Menschen anstrebt? Warum macht Gott dieses unglaubliche Angebot, ein neues Herz zu schenken und einen neuen Geist in sie zu legen? Was ist passiert, dass Gott zu einer so radikalen Maßnahme schreitet? In den Versen, die Ez 36,26 vorausgehen, erklärt Gott, dass das Volk, das er sich auserwählt hatte und liebte, ihm untreu geworden war. Sie hatten „Blut vergossen und das Land mit ihren Götzen befleckt“ (V. 18). Deswegen zerstreute er sie unter die Völker – u.a. schickte er sie ins Exil nach Babylon. Doch weil sie auch dort ihr Verhalten nicht änderten und seinen heiligen Namen weiterhin entweihten, sah sich Gott zu einer radikaleren Maßnahme gezwungen, damit sein Name nicht weiter beschmutzt würde: Er will seinen Namen selbst wieder heiligen. Die Völker sollen erkennen, dass er der Herr ist.

Diese Heiligung seines Namens kündigt Gott mit einer mehrstufigen Maßnahme an, bei der die Geschenke des neuen Herzens und des neuen Geistes das zentrale Anliegen bilden. Vorbereitend holt Gott sein Volk aus der Fremde und bringt es in sein Land zurück. Dann reinigt er es von Unreinheit und falschen Göttern, um ihm sodann ihr Herz aus Stein gegen ein Herz aus Fleisch auszutauschen und einen neuen Geist in sie zu legen, der sie befähigt, seine Gebote und Gesetze zu achten und erfüllen (V. 26-27). Und damit es klar ist, wer diese Wende vollbringen wird, beginnen die elf Sätze mit fanfarenartigen „Ich …“ (V. 24-30.32). Gott drückt nach großer Enttäuschung gewissermaßen auf die „Reset-Taste“, um seinem Volk eine zweite Chance zu geben. So sehr liebt er es, dass er ihm alles vergibt und nichts sehnlicher wünscht, als dass sie ihn als ihren Gott anerkennen. Dieser heilige Bund soll dann bei den anderen Völkern zur Erkenntnis führen, dass Israels Gott der Herr ist, der heilige und höchste Gott.

Im Bild zur Jahreslosung sind die beiden Geschenke vor einem stilisierten Kreuz in Form einer Taube und zweier Herzen dargestellt. So wie die Taube und die Herzen am Kreuz angeordnet sind, kommt dem Kreuz etwas Menschenähnliches zu. Der obere Teil ist erleuchtet und aufstrebend, während die untere Hälfte tiefe Ruhe ausstrahlt, genährt von der Gnade der Vergebung und Erneuerung, die aus der „Seitenwunde“ des Kreuzes fließen. Damit verbindet die Künstlerin das Heilshandeln Gottes an seinem Volk mit dem Kreuzestod Jesu, durch den Gott wiederum den Menschen ihre Verbrechen verzeiht und ihnen die Möglichkeit gibt, im Glauben zu ihm zu finden und seine Kinder zu werden. Diese Treue und Großherzigkeit von Gott gegenüber seinem Volk ist übrigens sehr schön im tragenden Blau des Hintergrundes angedeutet. Hier wird die Weite des Himmels genauso spürbar wie die Tiefe des Meeres oder die reinigende Kraft von Gottes Liebe.

Alle, die das Unfassbare annehmen können, erhalten im Austausch zum eigenen Herz und Geist kostenlos ein Herz und einen Geist von Gott. Gewissermaßen ein göttliches Herz, einen himmlischen Geist, die andere Qualitäten haben als unsere Irdischen. Und da Geschenke in der Regel dem Herzen des Gebers entspringen, ist es nur folgerichtig, dass die Künstlerin das kleine Herz aus dem großen Herzen hervorgehen lässt und beide durch eine Art Nabelschnur mit dem Kreuz verbunden sind.

Mit dem Geschenk eines neuen Herzens schenkt uns Gott von seinem Herzen und lässt uns teilhaben an seinem Herzschlag des Lebens, der Liebe, der Freude, des Erbarmens und Vergebens. Gottes Herz war fähig, seinen Sohn für unsere Rettung am Kreuz hinzugeben. Wer wie Jesus sich bzw. sein Herz ganz in Gottes Hände zu legen vermag und ganz sein Werkzeug in dieser Welt sein will, durch den wird Gott sichtbar und letztlich verherrlicht.

Mit dem Geschenk eines neuen Geistes schenkt uns Gott die Möglichkeit, an der Größe seines Heiligen Geistes teilzuhaben. Die Taube ist das Symbol dieser unsichtbaren göttlichen Kraft voller Energie und Weisheit. Er schenkt uns alle Gaben, um Gott treu zu bleiben im Glauben und in Werken.

Wunderschön hat Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus (3,17-21) die Wirkung der beiden Geschenke Herz und Geist beschrieben: „Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt. Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen.“

Dieses Bild kann als Karte, Poster, usw. HIER bezogen werden.

Ein leuchtendes Herz als Tor zur Welt

Ein gelbes Herz?! Das ist ja mal ganz was Neues! Außergewöhnlich! Absolut nicht „von der Stange“!

Aber das gibt es doch gar nicht! In unserer Welt sind Herzen zumeist Rot: Frisch Verliebte malen sie auf ihre Briefe oder fügen sie ihren elektronischen Nachrichten bei. Sie zieren die verschiedensten Autoaufkleber, mit denen Menschen bekunden, dass sie ein Herz für dies und jenes haben. Rote Herzen stehen für Liebe, Leben, Freude.

In Gottes Augen sieht das Herz freilich noch einmal ganz anders aus. Nicht weil er farbenblind wäre oder alles nur in tristes Schwarz-Weiß einteilt. Aber: Er sieht die Dinge so, wie sie sind. Und unsere Herzen sind eigentlich dunkel schwarz und hart wie ein Stein. Sie sollten lieben – Gott, unsern Schöpfer und die Geschöpfe neben uns! Unsere Herzen sollten fröhlich rot-pulsierend in beide Richtungen schlagen! Und sie tun es doch nicht. Wir hängen vor allem an uns selbst. Die Bibel beklagt sie seit Adam und Eva immer wieder, und wir spüren und erkennen sie durchaus auch selbst – unsere schwarzen, versteinerten Herzen, die unser Verderben und unser Untergang sind.

Doch nun: Ein gelbes Herz, das das Bild von Ulrike Wilke-Müller dominiert?! Hat sie nicht anders gekonnt oder gewollt? Hat sie sich die sprichwörtliche „künstlerische Freiheit“ genommen? Nein! Sie musste so malen. Denn sie fasst ja ein Wort, eine Zusage Gottes in Farben. Sie gibt der Jahreslosung ein Gesicht. Sie predigt darüber mit Pinsel und Leinwand. In dem Bibelwort für unseren Weg durch das Jahr 2017 sagt Gott seinen Menschen: Es soll nicht bei Euren dunklen, harten Herzen bleiben. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. … Ich will euch von all eurer Unreinheit erlösen. (Hesekiel 36, 26-27+29a – Lutherübersetzung) „Ich will, ich will, ich will etwas ändern!“ – sagt Gott. Die Einheitsübersetzung, der offizielle Text der Jahreslosung 2017, bringt zum Ausdruck, dass Gott es nicht bei Absichtserklärungen belassen hat. Seinen Worten folgten und folgen stets Taten. Er ist der, der Menschenherzen verändert und erneuert – bis heute: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Deshalb also ein gelbes Herz! Ganz etwas Neues! Absolut außergewöhnlich! Ulrike Wilke-Müllers Jahreslosungsbild stellt es uns vor Augen und lässt uns zugleich Zweierlei entdecken:

Zum einen, wie es zu einem derart „sonnigen“ Herzen kommt:

– Der Schlüssel dazu ist das Kreuz – das Zeichen Jesu, des Sohnes Gottes, dessen Herz ungeteilt am Willen des himmlischen Vaters und an unserer Rettung hängt. Himmlisch strahlend hell leuchtet sein Kreuz vor allem anderen. Es vertreibt alle dunkle Finsternis, verbindet mit seinem Längsbalken Himmel und Erde und umfängt mit seinem Querbalken die Welt.

– Wo ein Mensch zu Christus findet und unter seinem Kreuz zur Ruhe kommt, da tut dieses „Schlüsselerlebnis“ das Herz dieses Menschen auf. Die Tür am Fuße des Kreuzes macht es deutlich: Durch Jesus werden wir neu offen für Gott und offen für die Menschen und die Schöpfung um uns her. Alles Dunkel unserer Gottferne muss weichen. Neues, lichtes, fröhliches Leben wird möglich.

– Das ist nie ein Programm oder etwas, das wir aus eigener Kraft und Anstrengung erreichen könnten. Es bleibt immer ein „Geschenk des Himmels“: Die Strahlen, die sich von links oben kommend über das Herz und das ganze Licht erstrecken, bringen es zum Ausdruck. Es ist ein Werk des dreieinigen Gottes (viele Dreiecke finden sich im Bild). Es beginnt durch Wasser und Geist in der Taufe und ist getragen und verbürgt durch das Blut Jesu, das er für uns vergossen hat (das immer wieder von Weiß durchzogene Türkis-Blau und Rot im Hintergrund kann uns daran erinnern).

Daher kommt es zu so einzigartigen, von Gott bewegten, erneuerten Herzen.

Wir sehen auf dem Bild zum anderen aber auch, was diese Herzen ausmacht:

– Wo Gott ein Menschenherz verändert, da werden Ketten gesprengt und Horizonte eröffnet (die vielen Querlinien im Bild können uns darauf hinweisen)! Da ist es möglich „Segel zu setzen“ und aufzubrechen zu anderen Ufern (der obere Teil des Bildes lädt zum Träumen ein und die vielen Dreiecke gewinnen eine zweite Bedeutung)!

– Wo ein Mensch zu Jesus findet, da tut dieser Herr und Heiland nicht nur das Herz auf und bleibt draußen vor der Tür, sondern er zieht selbst darin ein! Er macht es „zu seinem Tempel, seinem Haus“ (vergleiche Evangelisches Gesangbuch, Nr. 389). Er wohnt durch seinen Geist darin und macht unsere Herzen fest – woran? An Gottes Wort und Willen! Das gelbe Herz erinnert so, wie es gemalt ist, zugleich an die beiden Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten, die übereinander und nebeneinander liegen. Geballter Ausdruck für die wahre, vollkommene Liebe zu Gott und dem Nächsten.

– Dieses herrliche „Veränderungs- und Erneuerungswerk“ Gottes ist nun schließlich und endlich nicht auf einen Schlag vollendet, sondern dauert ein Leben lang. Es beginnt unscheinbar und im Kleinen und doch sichtbar. Es ist wie ein Weizenkorn, das in der Mitte des Herzens, im Schnittpunkt der „Tafeln“ auf Ulrike Wilke-Müllers Bild bei intensiver Betrachtung sichtbar wird. Es schlägt vom Kreuz her Wurzeln, wächst und nimmt zu und bringt Frucht – in der Nähe zu Gott, im Bleiben bei Jesus, als Werk des Heiligen Geistes. Der wird es auch vollenden, einst vor Gottes Thron, am Jüngsten Tag, wenn Gottes herrliche Ewigkeit beginnt, für alle, in deren Herzen Jesus Christus lebt.

Die Jahreslosung mit dem „gelben Herzen“, sie kann und will uns so nicht nur ein Jahres-, sondern ein Lebensbegleiter werden: Zu viele „schwarze Herzen“ bevölkern noch diese Welt. Legen wir sie im Gebet immer wieder Gott ans Herz, der verspricht und zusagt, sie durch seinen Geist in Christus zu erneuern, dass sie nicht verloren gehen. Fliehen wir auch selbst zu ihm, wo unsere „roten Herzen“ nur schöner Schein und Tagtraum waren und weit hinter der Wirklichkeit zurückbleiben. Suchen wir die Nähe Gottes sonntags wie alltags. Denn ER sagt ja stets aufs Neue zu uns: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.

Bildbetrachtung von Pastor Helge Dittmer aus Kiel, Quelle: www.GemeindebriefHelfer.de.

Postkarten des Motivs können hier bestellt werden. Ebenso kann hier das Motiv in größerer Auflösung heruntergeladen werden.

In der Mitte gegenwärtig

Fasziniert mag das Auge auf der hellen Gestalt in der vertikalen Mitte des Bildes verweilen. Wie eine Erscheinung tritt sie aus dem lichten Gelb hervor, ganz Geist und doch sich materialisierend unseren Blicken zu erkennen gebend. Die Arme kaum erahnbar am Körper angelegt, Oberkörper und Kopf leicht nach vorne geneigt, spricht äußerste Zurückhaltung genauso wie auf uns Zukommen aus dieser Menschengestalt.

Ein Heiligenschein bezeichnet die Gestalt als eine mit Gott in enger Verbindung stehende Person. Kommt sie direkt von ihm? Wie aus einer Türöffnung scheint sie aus der rechteckigen Öffnung, die unsere Welt andeuten könnte, auf uns als Betrachter zuzukommen. Auch die beiden Flügel bezeichnen sie als Bote Gottes und als Lichtbringer in die dunklen Momente unserer Welt.

Doch kommt die engelsgleiche Erscheinung wirklich durch die rechteckige Öffnung auf unsere Seite? Die Öffnung könnte auch nur ein Fenster sein, ein Durchblick und Ausblick auf etwas Wunderbares. Der Engel wartet auf uns, will uns ermutigen, zeigt Zukünftiges, zu Erwartendes, weckt damit Sehnsucht nach Wärme, Heil und Geborgenheit. – Alles also nur Illusion, Vertröstung, bestenfalls Vision?

Nein! Die Flügel des Engels sprechen da eine andere Sprache. Sie bilden in Form und Farbe ein großes Herz. So groß und warm könnte es Gottes Herz darstellen, denn aus seiner unendlichen Liebe zu uns schickt er uns Boten und Zeichen seiner liebenden Nähe. So wie das Herz für die glühende Liebe des Senders stehen mag, kann es auch als unser Herz gesehen werden, in das der Bote tritt. Es erhält durch die Lichtgestalt eine starke Mitte. Es wird zusammengehalten und zeigt zugleich Offenheit für die geheimnisvolle Präsenz eines Anderen an.

Denn die Erscheinung muss kein Engel sein. Wir können auch am oberen Bildrand den Querbalken eines Kreuzes wahrnehmen und die Lichtgestalt als Jesus deuten, eingehüllt in glühende Liebe. Oder als den Auferstandenen, der in der Liebe seines Vaters zum Leben erweckt worden ist und nun – nicht fern und undefinierbar im Irgendwo, sondern klar und deutlich – in unseren Herzen lebt und ihm göttliche Impulse gibt. Lässt das ihn umgebende wunderbare Rot nicht die kraftvolle Präsenz seines Heiligen Geistes spüren?

Weitere Bildmotive von Christel Holl finden Sie und können Sie bestellen auf der Website des Beuroner Kunstverlages, wenn Sie bei der Schnellsuche “Christel Holl” eingeben.

Vom Geld schenken

In beschwingter Bewegung füllt der Dollar-Schein das Bildfeld. Von links nach rechts aufsteigend, findet die horizontale Bewegung im farblich hervorgehobenen Bild eines Mannes ihren Höhepunkt, um dann in die Vertikale zu gehen und in der rechts unten angedeuteten Person ihren Abschluss zu finden. Mit wenigen Strichen lenkt der Künstler damit unsere Aufmerksamkeit auf den „am Boden“ liegenden, durch seine violette Farbe auch als leidend charakterisierten Menschen. Er scheint unter dem Geldschein Schutz gefunden zu haben und von der Person über ihm begünstigt zu werden.

Mit seiner runden Brille, den kurzen Haaren und dem gepflegten Aussehen ist letzterer unschwer als Bill Gates zu identifizieren, dem Gründer von Microsoft. Mit Computersoftware wurde er zu einem der reichsten Männer der Welt. Die schwungvolle Bewegung der Banknote unterstreicht seinen wirtschaftlichen Aufstieg, seine Positionierung neben George Washington stellt ihn als einen für Amerika und damit für die ganze Welt äußerst einflussreichen Mann dar. Dies geschieht einerseits durch die von ihm vertriebene Software, die unsichtbar weite Bereiche unserer Gesellschaft steuert, andererseits durch das Geld.

Die raumfüllende Banknote lässt die Dominanz des Geldes spüren. Ihre schwebende Darstellung suggeriert, dass es leicht verdient werden kann. Der Umstand, dass die Farbe des „Greenback“, wie der Geldschein aufgrund seiner Farbe genannt wird, zur Hintergrundfarbe geworden ist und das ganze Bild beherrscht, visualisiert zudem die Macht und den Einfluss des Geldes: So transparent und leicht die Banknote erscheint, so bedeutungsschwer durchdringt und beherrscht das Geld das Denken und Tun vieler Menschen – im Guten wie im Schlechten.

Dieser Gedankenansatz ist weiterzuverfolgen. Die rote, herunterhängende Krawatte von Bill Gates legt eine Verbindung zu der Person unter ihm nahe, die im Gegensatz zu ihm „gesichtslos“ und haltlos dargestellt ist. Der rote Schlips weist mit seiner Form zudem auf das Solidarisierungssymbol der Anti-Aids-Kampagne hin, so dass der Liegende als Aidskranker interpretiert werden darf. In seiner für viele stehenden Person schließt sich der Kreis. 1999 haben Bill und Melinda Gates die weltweit größte Privatstiftung gegründet, die heute mit den Zinsen des über 37 Milliarden US-Dollar großen Grundkapitals so umfassend wie keine andere Institution infektiöse Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und vor allem auch Aids bekämpfen kann. Darauf weist die Dollar-Note hin. Sie ist die Grundlage dieser einzigartigen Initiative und all des Guten, was damit gemacht wird.

Dass der Künstler sein Bild allerdings in den Zusammenhang mit dem Almosen Geben und Jesu Bergpredigt (Mt 5-7) bringt, muss uns stutzig machen. Almosen ist ein altertümliches Wort, das an kleine Geldbeträge erinnert, an die Münzen, die wir verschämt in den Hut eines am Straßenrand Sitzenden oder in den Klingelbeutel der Kirche werfen, aber nicht an Bill Gates und seine Riesenstiftung. Auch die Überlieferung der Worte Jesu aus der Bergpredigt – der Zusammenfassung der Maximen christlichen Verhaltens im Leben – will nicht zur Stiftung von Bill Gates und den Aids-Kranken passen. Sind das nicht heutige Probleme?

Jesus sagt: „Hütet Euch, Eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen, sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir her posaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,1-4)

Was für Gegensätze in der Zeit, in der Sprache und sicher auch in der Geldmenge! Kann denn eine Milliardenstiftung verborgen bleiben, so dass nur Gott davon weiß? Geht es nach Jesu Aussage wirklich darum, dass Geldspenden nur im Verborgenen gemacht werden dürfen? Jesus lebte und lehrte in einem sozialen Umfeld, in dem die Bedürfnisse der Hungernden und Dürstenden, der Obdachlosen und Kranken vom „Nächsten“, das heißt von der Familie, Verwandtschaft und Nachbarschaft abgedeckt wurden. Da lag es nahe, in den kleinen Gemeinschaften mit seinen Guttaten zu prahlen, um Anerkennung und Lob zu erhalten und sich gegenseitig zu übertreffen.

War das nur damals? Sind uns diese menschlichen Verhaltensweisen nicht auch bekannt? Vor aller Augen Gutes zu tun, um mit seinem Vermögen zu imponieren, Wählerstimmen zu gewinnen, den Steuerfreibetrag zu erhöhen usw.? Dieses Verhalten prangert Jesus an. Ihm geht es um die Transparenz des Einsatzes. Wer etwas Gutes tun will, der muss es uneigennützig machen, voll und ganz für den Bedürftigen. Alles andere ist unehrlich und ungerecht. Diesbezüglich gilt das Wort Jesu für seine Zeitgenossen wie für moderne Wohltäter, für kleine wie unermesslich große Almosen. Bill Gates steht stellvertretend für jeden von uns, der mit einem Teil seines Vermögens Gutes tut, der Dollar-Schein für jeden Geldbetrag und Zeitwert, den wir teilend einsetzen, um die vielgestaltigen Nöte anderer Menschen zu lindern und ihr Leben lebenswerter zu gestalten.

Gerade wer viel Geld spendet, wer viel Gutes tut, kann dem Medieninteresse und -rummel schwer entgehen. Das Verbreiten eines guten Werkes kann ja auch Gutes bewirken und z.B. andere Menschen anregen, auf ihre Weise Ähnliches zu tun. Entscheidend wird die Herzensbewegung des Gebers sein. Diesen in der Tiefe des Herzens verborgenen Grund wird nur Gott einsehen und bewerten können … Aber ist das überhaupt nötig, wenn man mit einem reinen Herz schenkt?

Diese Arbeit stammt aus dem sehr schönen und mit 34 anregenden Bildern gestalteten Buch „Die Bergpredigt. Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5-7″. Weitere Informationen sowie eine Bestellmöglichkeit finden Sie auf der Website des Fütterer-Verlags.

Begeisterter Aufbruch

Kann eine Osterbegegnung bereits ein Pfingstereignis sein? Das Bild von Manfred Hartmann suggeriert es und lässt die Emmaus-Erzählung (Lk 24,13-35) in einem neuen Licht sehen. Sein Bild ist horizontal in eine dunkle und eine helle Hälfte zweigeteilt. In ihrer Anordnung erinnern sie unwillkürlich an Tod und Auferstehung. Zwei Tage ruhte Jesus im Grab. Am dritten Tag erstand er von den Toten. Ob deswegen der Bildträger dreigeteilt ist?

Aus der Dunkelheit des Todes und des Grabes ragt das Kreuz weit nach oben. Es trägt keine Merkmale der Folter mehr. Hell und freundlich scheint in seiner Mitte eine aufgehende Sonne zu leuchten, die beiden Kreuzarme können freundschaftlich die beiden gelben Menschengestalten umarmen: Erscheinung des Auferstandenen inmitten der beiden Jünger! Wie er den Lobpreis sprach und das Brot brach, haben sie ihn erkannt. Ihm zugeneigt, sind die beiden dargestellten Jünger der äußeren Form des Brotes ähnlich geworden. Wie zwei Klammern ( ) umgeben sie das geteilte Brot. Sie sind auch von der warmen Farbe des Brotes erfüllt, Jesus endgültig gleichförmig und gleichfarbig geworden, können sie nun nach Jerusalem zurückkehren und bezeugen, dass Jesus sie auf ihrer Reise begleitet hat und sie ihn als Auferstandenen, als Lebenden erkannt haben.

Im Nachhinein haben sie erst das Brennen ihrer Herzen deuten können, das ihnen die Gegenwart Jesu signalisiert hatte.. Allein sie weilten in der Dunkelheit der Erkenntnis. Ihre dunklen, von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit erfüllten Gestalten sind links unten neben dem Herz und in der Mitte der rechten Bildtafel zu erkennen. Wie Jesus vor einigen Tagen von der Dunkelheit des Grabes umschlossen war, so waren ihre Herzen von den unbegreiflichen Eindrücken der vergangenen Tage umgeben und brauchten einen äußeren Impuls, um zu erkennen und von neuem lichterloh für die Sache Jesu zu brennen.

So sehr das Bild im Gesamtaufbau sich von unten nach oben entwickelt, von der Dunkelheit zum Licht, so kann gleichzeitig eine Kreisbewegung im Uhrzeigersinn beobachtet werden, die ihren Anfang rechts unten, in der kleinsten Bildtafel, hat. Zwischen den beiden roten Flächen können auf der einen Jüngergestalt auch die Umrisse einer Schrifttafel gesehen werden, welche an die Darstellungen der beiden Gesetzestafeln des Mose erinnert. Sie könnte auf Jesus verweisen, der von Mose und den Propheten ausgehend, den ihn begleitenden Jüngern dargelegt hatte, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. Die linke rote Fläche mag deswegen pfeilförmig in den oberen Teil hineinragen. Andererseits können die beiden Flächen auch als die Herzen der Jünger gedeutet werden, zweigeteilt, uneinig, unförmig. Und es wäre dann die in dieser symbolischen Steintafel verborgene geheimnisvolle Gegenwart Jesu, welche die Jünger unsichtbar zusammenhalten würde. Durch seine Worte werden sie unterwegs immer mehr zu einer neuen Einheit geformt und mit neuem Leben erfüllt, demjenigen des Auferstandenen. Wie im linken unteren Bildteil dargestellt, brennt diese neue Lebensfülle ähnlich der einem Samenkorn innewohnenden Kraft alle einengenden Grenzen durch und eröffnet dadurch neue Erkenntnisse und daraus resultierende neue Handlungsweisen, die sich ganz am Auferstandenen orientieren.

Vom Geist des Auferstandenen befreit und von Gottes Geist bewegt, werden sie von nun an immer wieder von diesem prägenden Ereignis erzählen und sie werden in der Nachfolge Jesu selbst das Brot in die Hand nehmen, den Lobpreis sprechen und das Brot brechen, um allen Menschen seine hingebende Gegenwart zu offenbaren und lichtvolle, begeisterte Gemeinschaft mit ihm zu ermöglichen.

Leuchtendes Kreuz

Wie ein einfaches Gewand mag einem die rote Fläche erscheinen. Durchsetzt mit schwarzen Bereichen vermittelt sie den Eindruck eines gebrauchten Kleidungsstücks. Unten und seitlich wird sie vom Bildrand beschnitten, oben kann der leichte Einschnitt in der Mitte als Kragen gedeutet werden.

Doch das von oben eindringende Licht und der lebendige Pinselduktus verleihen dieser T-förmigen Fläche etwas Körperhaftes, Menschliches. Das weißgelbe Licht, das von außerhalb in das Bild hineinfließt, sich in das Gewand und über das Gewand bis zur helleren Mitte ergießt, befindet sich an der Stelle des Kopfes. In der Art und Weise wie es den dunkleren Hintergrund überdeckt erscheint es als erleuchtetes Gesicht, das leicht zur Seite geneigt Vergeistigung und Transzendenz ausstrahlt.

Dieses weißgelbe Gebilde hat etwas Hinweisendes und zugleich Mitteilendes an sich: aus der Höhe kommend deutet es auf den Brustbereich des Gewandes hin. Die dort leuchtende Kreuzform mit einem Herz in seiner Mitte mag andeuten, dass die Herzmitte des Menschen nicht nur anatomische Bedeutung hat, sondern ebenfalls spirituelles Aufnahmeorgan für Immaterielles und Transzendentes ist.

Links neben dem Licht können zwei weitere Kopfformen gedeutet werden: eine weiß Schraffierte links, eine weitere in violetter Farbe in der Mitte. Ob dadurch in dem ganz von Licht erfüllten oder verhüllten, zur Seite geneigten Kopf das letzte Stadium einer Entwicklung gesehen werden soll? Nun ist es vollbracht. Was sein musste, ist geschehen. Alles an ihm ist von den vergangenen Stunden, Tagen und Wochen gezeichnet.

Die T-Form lässt eine Person mit ausgebreiteten Armen wahrnehmen: einen Menschen, dessen Innerstes von einem Licht erfüllt ist, das auch Schmerz und Kreuz aufhellen kann. Und sie bringt im feurigen Rot die Begeisterung dieses Menschen zum Ausdruck, die weder durch das Leid noch den Tod gebrochen werden konnte. Ein Heiliger?

Vor dem unbestimmbar grauen Hintergrund nimmt das starke Rot eine klare Position ein, legt ein deutliches Bekenntnis zum Leben ab, trotz der in der schwarzen Farbe erkennbaren Bedrängnis. Wie ein Blick in sein Innerstes offenbart sich das leuchtende Kreuz als zentrale Kraftquelle. In der Art und Weise wie es das kleine Herz umgibt ist es auch Schutz und erweiterter Lebensraum. Damit könnte zum Ausdruck kommen, dass der vom Herzen ausgehende Glaube die tragende und alles verwandelnde Kraft ist.

So sehr das Bild als symbolische Darstellung für den gekreuzigten und auferstandenen Herrn gedeutet werden kann, ist es vor allem Ausdruck für jeden Christen, dessen Gedanken und dessen Tun von unfassbarem Licht umgeben sind. Ihm wohnt eine zum Guten wandelnde Kraft inne, die wie bei Jesus zum Vorbild für viele wird, sich für die Liebe und das Leben einzusetzen, Zeit und Leben für den anderen hinzugeben. Damit alle das Leben haben und es in möglichst großer Fülle erfahren dürfen.