Vertrauen – Verwandlung

Die Thematik dieses Bildes ist mit den römischen Schriftzeichen LK XXIII, XLVI und den großen Buchstaben PATER, IN MANUS TUAS eigentlich klar auf die Leinwand geschrieben. Sie verweisen auf die letzten Worte Jesu im Lukasevangelium: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist“ (Lk 23, 46).

Doch weder ein Kreuz noch ein Gekreuzigter sind zu sehen. Stattdessen eine lichtvolle Erscheinung, die aus einer rechteckigen Form in einen wie von Flammen erfüllten Himmel aufzusteigen scheint. Ebenso erregen eine gelbe Senkrechte im unteren Bereich, ein roter Balken am oberen Bildrand, zwei gemalte Nägel, zwei spiegelverkehrt geschriebene Worte sowie zwei am rechten Bildrand gezeichnete Kreuze die Aufmerksamkeit. Die verschiedenen Zeichen sind in eine fast rechteckige Form eingebettet, deren Seiten im oberen Teil leicht hervorstehen und dadurch ein T-förmiges Kreuz andeuten. Es geht also wohl um die Kreuzigung.

Erinnert die fleischfarbene pastose Form rechts unten nicht an einen menschlichen Körper, der durch einen roten Punkt als Verwundeter gekennzeichnet ist? Die violette Farbe lässt noch das Leiden spüren, dem er ausgesetzt ist. Aber seine Form lässt an einen Baumstumpf denken, dem Zeugen und Überbleibsel eines einst mächtigen Baumes. Alles Leben ist aus ihm gewichen, so scheint es. Doch in Anlehnung an das Heilswort von Jesaja 11,1 wächst zärtlich etwas Neues, etwas wie ein Trieb oder auch ein Gebäude aus diesem Baumstumpf hervor. Dieses nur bei genauem Hinschauen Sichtbare ist von einer wunderbaren Lichterscheinung umgeben und in eine nochmals neue Gestalt überführt. Eine Andeutung auf die Kirche, die aus ihm entstanden ist?

Es ist, als würde der Körper den Worten folgen, die Jesus voll Vertrauen am Kreuz gebetet hat und die sich bereits im feurigen Rot des Himmels verlieren. Die väterliche Liebe ist der Halt, an dem sich Jesus festhält. Dafür könnte der rote Balken stehen, der das Bild am oberen Bildrand horizontal durchquert. Unmittelbar darunter steht mit PATER, IN MANUS TUAS der Anfang der letzten Worte, die Jesus aus der größten menschlichen Tiefe gleich einem Rettungsanker betend zu seinem Vater im Himmel hinaufgeworfen hat: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Das Vertrauen erschließt sich aus dem zweiten Teil dieses Psalmverses (31,6), in dem es heißt: „… du hast mich erlöst, Herr, du treuer Gott.“ Der lanzenförmige Lichtstrahl, der nach unten immer stärker wird, mag die erlösende Gnade Gottes darstellen, assoziiert aber auch einen leuchtenden Hirtenstab, der dem gegeben wird, der durch die dunkle und verlassene Schlucht gehen muss: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Ps 23,4) Oder leuchtet in dieser gelben Linie gar als Zeichen des Sieges das verherrlichte Kreuz auf, dessen Querbalken mehr erahnbar als sichtbar ist?

Auch die zwei rostigen Nägel, die zur Hälfte über einem Kreis liegen und sich durch ihren Schatten geheimnisvoll von der Leinwand abheben, scheinen über die Kreuzigung hinausweisen zu wollen. Ihre leichte Krümmung lässt ein J und ein C in ihnen erkennen, die Anfangsbuchstaben von Jesus Christus. Oberhalb und unterhalb von ihnen sind ebenso mysteriös „tse“ und „mudrev“ der Leinwand eingeschrieben, was spiegelverkehrt als EST VERBUM lesbar ist. Diese Botschaft ist uns von der „anderen Seite“ gegeben und sichtbar gemacht worden. Jesus IST das WORT, das von Anfang an bei Gott war und in die Welt gekommen war, um allen Menschen Licht zu sein (Joh 1,2-3.9).

Auch wenn Jesus nach den letzten Worten den Geist ausgehaucht hatte, der ihm von Beginn seiner Menschwerdung und explizit bei seiner Taufe gegeben war (Lk 3,22), bleibt sein Wort bestehen. So luftig und transparent die Farben aufgetragen sind, so lebendig und feurig werden sie – wie er selbst gesagt hat – weiterwirken: „Amen, amen, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen.“ (Joh 5,24)

> weitere Informationen zum Zyklus “Sieben Kreuze zu den letzten Worten”

Durchbruch

Bewegung durchzieht das Bild in alle Richtungen. Sie verbindet kommunizierend das unten Liegende mit dem luftig Leichten im oberen Bereich und vollzieht sich in Leserichtung durch den Farbwechsel zum Licht. Die Mitte wird durch die gelbe Lichterscheinung betont, die von oben hereinzubrechen scheint.

Das Bild vermag den Tagesanbruch anzusprechen, bei dem das Licht siegreich aus dem Kampf mit der Dunkelheit hervorgeht. Dabei verdankt das Licht seine Kraft der Macht der Sonne. Letztlich ist sie es, die mit ihren Strahlen die Erde zärtlich berührt und aus dem Schlaf zu neuem Leben erweckt.

Liegt am Boden nicht eine menschliche Gestalt? Das Erdhafte, das auf oder im Boden Liegende, wird tornadoartig über eine kreuzförmige Himmelsleiter in die Höhe gerissen. Jakobs Traum (Gen 28,12-22) von der Treppe, die Erde und Himmel miteinander verbindet, wird sichtbar. Gott steht zu den Seinen, auch wenn sie sich in der Dunkelheit der Sünde oder des Todes zu verlieren scheinen. Gott steigt zu den Menschen hinab, um sie zu erlösen und durch seinen eigenen Kreuzesweg zum ewigen Leben zu führen.

So finden sich Jesu Tod und Auferstehung ebenso in diesem Bild wie seine Worte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben.“ (Joh 11,25-26) Diese Botschaft scheint das Kreuz in schlangenförmige, tanzende Bewegung zu versetzen und bringt Freude zum Ausdruck. Es ist nicht mehr Ort des Todes, sondern durch Jesus Durchgang zum ewigen Leben. Nach wie vor verbinden sich mit ihm dunkles Leid, Einsamkeit, irdisches Sterben. Durch Jesu Auferweckung von den Toten ist aber der Sieg über Sünde und Tod untrennbar mit dem Kreuz verbunden. Gottes Liebe hat den Durchbruch geschafft und neues, ewiges Leben für alle Glaubenden ermöglicht.

Noch sind die Spuren des Kampfes deutlich zu sehen: Das Durcheinandergewirbelte, Fragmentarische in der Bildmitte, das auch an Jakobs nächtlichen Kampf mit Gott erinnern mag, mit dem er rang, „bis die Morgenröte aufstieg“. Durch die Hüftverletzung lebenslang geprägt, ging er lebend aus dieser Gottesbegegnung „von Angesicht zu Angesicht“ hervor (Gen 32,25-31). Doch die Kraft von oben nimmt überhand und verwandelt übermächtig das ganze Geschehen. Das Kreuz darf vor Freude tanzen: Das Leid und der Tod sind überwunden, die Liebe und das Leben haben die Macht des Bösen und der Sünde gebrochen, durchbrochen, besiegt.

Dem Kreuz gegenüber steht eine lichte Säule. Sie erinnert einerseits an die Wolkensäule, die mit den Israeliten durch das Rote Meer zog und sie rettete (Ex 13,21-14,31), andererseits rückt sie den neuen, aufgerichteten Menschen ins Blickfeld. Wurzelt sie nicht am gleichen Ort wie die „Füße“ der liegenden Gestalt? Wir sind zum Licht berufen (Mt 5,14). Durch Christus leben wir. Unser Leben soll ganz und gar transparent auf IHN hin sein (vgl. Gal 2,20 „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“), damit ER durch uns sprechen kann.

Auferstehung

Ein ungewöhnliches Bildformat begegnet uns in dieser „Anastasis” von Rainer Jochims. Das Bild ist aus dem rechten Winkel heraus leicht rechts nach oben zu einem Parallelogramm verschoben. Die unteren Ecken sind gerundet, in der Oberkante sind zwei große Einbuchtungen herausgebrochen. Dadurch wirkt diese Kante grob und unfertig, behält mehr von dem, was sich an ihr ereignet hat und wodurch sie seither geprägt wird.

Spürbar will das Werk etwas von dem ihm eingeschriebenen Geheimnis weitergeben. – Doch was ist seine Sprache, was will es uns sagen? – Eine gewisse Ratlosigkeit kann sich breit machen. Es bleibt ein Staunen, aus dem heraus tastende Annäherungen hervorgehen.

Deutet nicht das nach rechts ansteigende Bildformat bereits eine Aufwärtsbewegung an? Auch die Farben werden nach oben heller. Das ruhige Rostrot im unteren Bereich löst sich nach oben gleichsam in gelben Farbtönen auf. Auch kommt von unten nach oben immer mehr Bewegung in die Strichführung hinein. Mit allen Mitteln werden wir zu den beiden geheimnisvollen, rundlichen Einbrüchen am oberen Bildrand hingeführt.

Sie erinnern mich an Fußabdrücke, wie sie auf manchen Himmelfahrts-Ikonen zu sehen sind: Hier stand eben noch Jesus, nun ist er in den Himmel aufgefahren. Durch den weißen Bildhintergrund könnten die Aussparungen tatsächlich als die Füße dessen gesehen werden, der durch seine Worte, Taten und insbesondere durch seine Auferstehung das „Licht der Welt“ geworden ist. So gesehen wäre das Kunstwerk der Boden, der Ausgangspunkt der Auferstehung, auf dem ER seine Spuren hinterlassen hat. Insofern wäre es richtig, wenn unser Blick über das Sichtbare hinaus auf das Unsichtbare und damit Unfassbare außerhalb des Bildes gelenkt wird. ER ist auferstanden!

Dennoch ziehen in der Bildmitte weißliche Aufhellungen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Unser Blick wird in die Tiefe geführt und kann im unfigürlichen, doch bewegten Farbfeld verweilen. Die warmen Farben geben Erinnerungen Raum und Geborgenheit: Erinnerungen an das Leben und Wirken von Jesus, aber auch an eigene Begebenheiten, in denen wir „Auferstehung“ erlebt und im Glauben auch bergende Aufnahme im Himmel erfahren haben.

Osterkreuz

Hell leuchtet das Kreuz von der Wand herunter, vom Glas wie von einem Heiligenschein umgeben. Diskret wird dadurch die Ausstrahlung erhöht und in den Raum hineintransportiert. Gleichzeitig gebietet der transparente Rahmen einen ehrfürchtigen Abstand vor dem Heiligen, das am Kreuz geschah.

Die Kreuzform erinnert nach wie vor an die schreckliche Tötungsmethode der Römer, doch sein Inhalt verkündet Licht und Freude. So bringt es zum Ausdruck, dass das Kreuz durch die Auferweckung Jesu zu einem Heilszeichen wurde, welches die Frohbotschaft verkündet: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Erinnert euch …“ (Lk 24,6)

Aus diesem Kreuz strahlt das Licht der Auferstehung. Österliches Licht! Mit zärtlichen Farbspuren, die von erwachendem Leben erzählen, in ihrer diagonalen Anlage Aufstieg andeuten und im lebendigen Strich Spontaneität und Freude spüren lassen.

Ein Kreuz, zu dem man gerne aufschaut. Es erinnert an Jesu Tod , aber auch an die Überwindung durch die Liebe, die Gottvater und -sohn miteinander verbindet. Was Jesus dem Nikodemus voraussagte, hat sich erfüllt: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.” (Joh 3,14-17)

Wer zu diesem Kreuz aufschaut, schaut in ein dreifaches Licht: Zuerst in Jesu eigenes Licht (Joh 8,14), dann in das österliche Licht seiner Auferstehung und durch beide hindurch in das Licht seiner Verherrlichung (Eph 1,18-23; Kol 1,16). Wer zu diesem Kreuz aufschaut, erhält Hoffnung und Zuversicht. Er wird gestärkt und ermutigt, wie Jesus in seinem Fühlen, Denken und Handeln Licht zu sein. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagte Jesus (Mt 5,14). Das ist unsere Lebens-Berufung, zu jeder Zeit und wo wir uns auch befinden. Ihn gleichsam vor Augen – sein Licht, seine Auferstehung, seine Herrlichkeit – sollen wir ihm ähnlich werden.

„Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens; er hat angesichts der vor ihm liegenden Freude das Kreuz auf sich genommen, ohne auf die Schande zu achten, und sich zur Rechten von Gottes Thron gesetzt.“ (Hebr 12,1b-2)

Vom Licht ergriffen

In gelbes Licht gehüllt zeigt sich dem Betrachter ein mehr- schichtiges Geschehen auf dieser kleinen quadratischen Glasplatte.

Zentral changiert ein lateinisches Kreuz mit einer menschlichen Gestalt. Weder Beine noch Arme sind zu erkennen. Der Oberkörper ist lediglich durch eine breitere Strichführung zu erahnen. Eigentlich weist nur der von einem rötlichen Heiligenschein umgebene Kopf auf den Menschen hin, der durch seinen Erlösungstod untrennbar mit dem Kreuz verbunden wurde: Jesus!

Bei diesem Kreuz spricht nichts von den Leiden, die er durchmachen musste. Farben und Formen wie das alles durchdringende Licht sprechen vielmehr von der Überwindung des Kreuzes: der Auferstehung. Das vorherrschende Gelb kündet von der Verherrlichung Jesu (vgl. Joh 17,1) durch seinen Vater. Jesus ist das Licht der Welt, das alle Menschen erleuchtet und das nun durch seinen Kreuzestod offenbar geworden ist (vgl. Joh 8,12; 1,9).

Die ganze Darstellung ist weiter in die breite Form eines Taukreuzes (T) eingebettet, welches als Zeichen der von Gott Auserwählten und Beschützten (Ez 9,3-6) gesehen werden darf. Jesus ist der geliebte Sohn, an dem der Vater Gefallen gefunden hat. (vgl. Mt 3,17). Und Petrus verkündet in seiner Pfingstpredigt: „Diesen Jesus hat Gott auferweckt …, er ist durch die rechte Hand Gottes erhöht worden.“ (Apg 2,32-33). Dieses Taukreuz erscheint mir wie ein Thron, von dem aus Jesus die Weisheit Gottes verkündet. Von Kindheit an hatte seine Weisheit zugenommen (vgl. Lk 2,52) und in ihm als Gekreuzigter offenbart sich „Gottes Kraft und Weisheit.“ (1 Kor 1,23-24)

Auch die untere Hälfte der Mandorla, die den Oberkörper von Jesus umfängt, weist über die Kreuzigung hinaus auf die Auferstehung. Der Gekreuzigte wird von einer Macht, die sich „vom Himmel her“ voller Erbarmen (blaue und rote Farbe) über ihn neigt, ergriffen und in sie aufgenommen. Die Mandorla ist hier als eine der archetypischen Formen des Weiblichen zu verstehen, als Hinweis, dass Jesus aus dem Geschehen der Kreuzigung heraus zu neuem, himmlischen Leben “wiedergeboren“ wurde.

Hat die Künstlerin vielleicht deshalb den Leib Jesu nur strichartig dargestellt? Weil nicht seine irdische Form für uns wichtig sind, sondern was dieser Leib durchgemacht hat, welche Worte und Erfahrungen sich in diesen Leib eingeschrieben haben? Insofern kann der Anblick dieses Auferstehungskreuzes dem Gläubigen frohe Erinnerung sein, dass er in der Taufe auf den Tod Jesu begraben, mit Christus aber auch durch Gott zu neuem Leben in seinem Geist auferweckt ist (vgl. Röm 6,4). Dieses Glasbild mag still daran erinnern, dass Himmel und Erde sich in jedem Menschen berühren und durchdringen – und dass es an uns ist, Gott für sein Geschenk der rettenden Zuneigung zu antworten: wie eine aufbrechende Blüte oder ein in den Himmel wachsender Baum!

bewegend

Eine stehende Person ist aus den vielen Umrisslinien heraus zu erkennen. Hervorgehoben durch die breite dunkle Linie scheinen Beine und Oberkörper einen festen Platz zu haben, während die Arme von seitlich bis nach oben ausgestreckt in unterschiedlichen Positionen variieren. Auch im Hüftbereich weichen die Linien vom „Hauptstrom“ ab.

Der Künstler Hans Thomann hat den Corpus von über 30 Kreuzen in den Umrisslinien aufgezeichnet.
Die unterschiedlichen Armhaltungen des gekreuzigten Jesus ergeben übereinander eine Bewegung, die dem Auf und Ab eines Flügelschlages nicht unähnlich sind. Zusammengefasst verleihen sie dem irdisch schweren Körper von Jesus so etwas wie Flügel und erhält er die Leichtigkeit eines Engels.

Das Kreuz, an dem Jesus mit Nägeln festgehalten und das ihn noch mehr als sonst an die Erde gebunden hat, ist überwunden. Von seiner Gestalt sind die Umrisse der vielen Darstellungsformen übriggeblieben, vom Licht umgeben und durchflutet. Aus dem Gekreuzigten ist so ein Auferstandener, aus dem Festgehaltenen ein sich Bewegender, aus dem irdischen ein geistiger Leib geworden (vgl. 1 Kor 15,44-49).

Durch die erhobene Handhaltung kommt mir Psalm 47 in den Sinn, wo es heißt: „Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!“ Die übereinander gezeichneten Gestalten könnten auch für uns Menschen stehen, die über einander folgende Generationen hinweg vor Gott stehen und den Tod und die Auferstehung seines Sohnes feiern.

Die weiteren Verse des gleichen Psalms könnten aus einem solchen Gottesdienst stammen und würden durch die Rede vom Aufstieg und dem Sieg gut in den Kontext dieses Kunstwerkes passen: „Gott stieg empor unter Jubel, der Herr beim Schall der Hörner. Singt unserm Gott, ja singt ihm! Spielt unserm König, spielt ihm! Denn Gott ist König der ganzen Erde. Spielt ihm ein Psalmenlied! Gott wurde König über alle Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams. Denn Gott gehören die Mächte der Erde; er ist hoch erhaben.“  (Verse 2.6-9)

Gehalten!

In quadratischer Form präsentiert sich uns diese Kreuzwegstation aus Glas. Eingelassen in das Mauerwerk der Kirche bildet dieser Kreuzweg  Übergänge zwischen dem Äußeren und dem Inneren der Kirche und vermag den Gläubigen gerade in schweren Stunden wahre Lichtblicke zu schenken. Alle Kreuzwegstationen scheinen bereits vom Licht der Auferstehung durchdrungen.

In der 13. Station sind die Kreuzabnahme und das Hinabsteigen zu den Toten zusammengefasst. Beiden gemeinsam ist die Abwärtsbewegung. Mehr Skelett als Leichnam ist eine menschliche Gestalt mit ausgebreiteten Armen erkennbar, wie ganz unten auf dem Meeresgrund schwebend. Es muss Jesus sein. Das Kreuz ist ihm noch nahe, das ihm durch das Kreuz aufgebürdete Leid und der Schmerz verlassen ihn nicht so schnell und prägen weiterhin seinen Körper.

Die beiden aus dem Zentrum einer Spirale hervorgehenden Linien suggerieren, dass Jesus auch in den Tiefen des Totenreiches von Gott Vater und Heiligem Geist gehalten wird. Seine Arme bilden die Basislinie eines gleichschenkligen Dreiecks, das auch durch seine Helligkeit Symbol für die göttliche Dreifaltigkeit ist. Dieses Dreieck bildet wie eine Taucherglocke ein schützendes Hausdach, den (Über-)Lebensraum in den Tiefen der Erde. Die offene Form beinhaltet eine Sogwirkung nach oben. Jesus ist hinabgestiegen, um alle Menschen an sich zu ziehen (vgl. Joh 12,32), sie zu retten und seinem Vater zuzuführen (vgl. Joh 6,39f; 10,27f).

Jesus ist hinabgestiegen in das Reich des Todes. Das Blau suggeriert die Tiefe des Meeres, aber durch die leichte Wellenbewegung spiegelt sich im Wasser bereits der Himmel und kündigt sich seine Herrlichkeit zur Rechten des Vaters an (Mt 26,64). Ein intensiver heller Lichtstrahl verbindet denn auch die ärmliche Gestalt Jesu mit dem oberen Teil des Bildes, führt ihn dort hinauf, wo über der Erde nach einer verregneten Nacht eben die Sonne aufzugehen scheint.

So wenig das Bild an traditionelle Bilder von Kreuzabnahmen oder Jesu Hinabstieg zu den Toten erinnert, so erzählt es doch in einer neuen Sprache von diesem zentralen Wesenszug des christlichen Glaubens. Dem Künstler ist es dabei wie den großen Ikonenmalern gelungen, den Hinabstieg Jesu zu den Toten im Licht der Auferstehung darzustellen, als Sieg Jesu Christi über die Macht des Todes.

Bilden nicht die ausgebreiteten Arme Jesu zusammen mit den beiden Schenkeln des Dreiecks ein Alpha, den ersten Buchstaben des griechischen Alphabetes? Es erinnert mich an Jesu Worte im Buch der Offenbarung, die in „Erfüllung“ gegangen sind: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, den werde ich umsonst aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt. Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn [oder meine Tochter, Anm. d. A.] sein.“ (Offb 21,6-7)

Auf der Website des Künstlers (sein Name links unter dem Bild ist verlinkt) finden Sie alle Kreuzwegstationen.

Verwandeltes Leben

Es muss des Nachts geschehen sein, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Denn wie „Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab kam, sah sie, dass der Stein vom Grab weggenommen war.“ (Joh 20,1)

Wie durch den offenen Eingang der Grabkammer hindurch scheint der Künstler das verborgene Geschehen der Auferstehung zu beobachten. Nur die golden leuchtende Gestalt des Gekreuzigten ist zu erkennen. Von innen her leuchtet er, ja glüht er wie flüssiges Metall im Schmelzofen. Verwandlung wird hier angesprochen. Noch ist seine Gestalt vollkommen menschlich, aber bereits durchdringt ihn das göttliche und ewige Leben. Johannes sah bei seiner ersten Vision einen, der wie ein Mensch aussah: „Seine Beine glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht“ (Offb 1,15) und der Prophet Jesaja spricht sinnbildlich von Gott als dem „verzehrenden Feuer“, der „ewigen Glut“ (Jes 33,14).

Im Gegenlicht zeichnet sich das Kreuz auf dem Rücken von Jesus wie ein Prägemal ab. Auch als Auferstandener ist Jesus der vom Kreuz Gezeichnete. Jesus hat das Kreuz auf sich genommen und durch den Tod hindurchgehend das Leben gewonnen. Das ewige Leben – für ihn und uns alle! (vgl. Mt 10, 38-39) Das ist die frohe Botschaft: „Er [Christus] hat dem Tod die Macht genommen und uns das Licht des unvergänglichen Lebens gebracht …“ (1 Tim 1,10)

Mit der dunklen Metallplatte deutet der Künstler sinnbildlich den Tod an. Wie eine Mauer, kalt und drohend, steht er unausweichlich vor uns. Aber der Tod wird nicht unser Ende sein, sondern Durchgang. Paulus erklärt dies den Gläubigen in Korinth so: „Seht, ich enthülle euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, aber wir werden alle verwandelt werden – plötzlich , in einem Augenblick, beim letzten Posaunenschall. Die Posaune wird erschallen, die Toten werden zur Unvergänglichkeit auferweckt, wir aber werden verwandelt werden. Denn dieses Vergängliche muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. Wenn sich aber dieses Vergängliche mit Unvergänglichkeit bekleidet und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit, dann erfüllt sich das Wort der Schrift: Verschlungen ist der Tod vom Sieg.“  (1 Kor 15, 51-54; vgl. Jes 25,8)

Durch seinen Kreuzestod hat Jesus uns das Tor in seine Welt aufgestoßen, die Welt seines Vaters. In ihm kommt das Neue verdichtet zum Ausdruck – im  Bild durch die mit Blattgold ausgelegte Vertiefung, die Wärme und Lebendigkeit ausstrahlt. Jesus ist und bleibt die Einladung, ihm zu folgen, hier wie dort.

Dass uns dabei geholfen wird, dafür könnte die kosmisch anmutende Spur über dem Kopf von Jesus ein Hinweis sein. Denn auch Jesus ist nicht aus eigener Kraft auferstanden, sondern von seinem Vater auferweckt worden (vgl. Gal 1,1). Ebenso hat Jesus seinen Jüngern den Heiligen Geist verheißen. Er wird sie lehren und an seine Worte erinnern (Joh 14,26), damit sie wie Jesus Zeugen der Liebe Gottes sein können (vgl. Apg 1,8).

Weitere hervorragende Bildbetrachtungen von Karl Josef Kuschel finden Sie in dem mit Rudolf Kurz herausgegeben Buch Lebensspuren, ISBN 3-7966-1066-8, Schwabenverlag 2002.

Lebensweg

Drei künstlerische Arbeiten, die durch ihre Größe, Materialbeschaffenheit und Anordnung einander zugeordnet sind. Sparsam wurde mit verschiedenen Papieren, dem Stroh und der Farbe umgegangen. Material und Formen sollen für sich sprechen.

Links aus Stroh eine Ringform, darüber ein waagrechter schwarzer Balken, beide auf einem stark strukturierten, eingefalteten Papier. In der Mitte fällt das gerollte und vielfach eingerissene Papier auf, aus dem ein schwarzes T herausragt. Die Ringform des ersten Bildes ist als Rolle in die Höhe gewachsen. Strohreste sind an dieser Rolle sichtbar, die zerbrechlich geblieben ist, anfällig für Risse und Zerstörung. Im T wird die Waagrechte von links weitergeführt. Mit der in die Rolle hintauchenden Senkrechten aber gleichzeitig geerdet. Die T-Form könnte auch die Vereinfachung eines Kopfes sein, die Papierrolle der Mantel, der ein unfassbares Wesen umhüllt.

Eine weitere Steigerung ist beim dritten Bild zu beobachten. Rolle und Kreuz sind gewachsen und berühren fast den oberen Bildrand. Die vorher schmutzig anmutende Rolle strahlt nun in reinem Weiß, sie ist bis auf einen Riss im oberen Bereich unversehrt. Das Kreuz ist in beiden Richtungen breit und stark geworden, der waagrechte Balken nun golden verklärt.

Spannungsvoll und zurückhaltend erzählt die Künstlerin damit vom Leben. Wie es aus der göttlichen Ewigkeit heraus in unsere irdische Armut hineingeboren wird (Symbol dafür ist der Strohring) und sich auf dem senkrechten Trägerpapier entfaltet. Noch ist es nach hinten gefaltet. Es will Nährboden sein, damit etwas Schönes und Großes entstehen kann. Sieht der Strohring nicht auch wie eine Krone aus, die das Leben krönt?

Doch von Glanz ist keine Spur zu entdecken bei der ärmlichen Gestalt in der Mitte. Das Papier umschließt nun zwar einen eigenen Lebensraum, aber dieser erweckt den Eindruck von Leid, Tod und Vergänglichkeit.

Dem gegenüber wird im dritten Bild vom Leben die Auferstehung verkündet: Durch Leid und Tod hindurch ist das Leben nicht zerstört, sondern größer, stärker, schöner und ganzheitlicher geworden. Im Kreuz leuchtet die Herrlichkeit Gottes auf, die allen verheißen ist, die im Glauben, der Hoffnung und der Liebe auf ihn zuwachsen. Gott selbst ist es, der unsere Armut mit seinem Erbarmen krönt – mit der Vergebung der Sünden und der Aufnahme in den Himmel.

In diesem Triptyk leuchtet für mich die Überzeugung und Hoffnung des Apostels Paulus auf, wie er sie an die Gemeinde in Rom geschrieben hat: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. (…) Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. (..) Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.“ (Röm 8,18.20f.28f)

Österlicher Auftrag

Hinter der schwarzen Silhouette des Kreuzes erhebt sich farbenfroh das lebendige Licht der Auferstehung. Ostern, Auferstehung des Herrn, Grundstein des christlichen Glaubens wird hier gestalterisch gefeiert.

Beeindruckend sind die geometrischen Formen, die sich farblich mit menschlichen Figuren und ihren Bewegungen verbinden. Alles ist auf Begegnung zwischen Himmel und Erde ausgelegt. Alles ist vom warmen „Licht aus der Höhe“ durchdrungen, welches seinen intensivsten Ausdruck in den weißen Steifen findet. Die Prophezeiung des Zacharias hat sich erfüllt: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes hat uns das aufstrahlende Licht aus der Höhe besucht, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsere Schritte auf den Weg des Friedens zu lenken.“ (Lk 1,78-79)

In jedem Fenster bilden umlaufende Bahnen (blau, weiß, rosa), die nach oben hin offen sind, eine Art Gefäß oder Erfahrungsraum. Jeder ist mit einer österlichen Begegnung erfüllt, welche ihrerseits nach oben den Rahmen sprengt. Die Osterbotschaft und –freude kennt keine Grenzen!

Doch ganz unten – dem Betrachter am nächsten – weisen die in kühlem Blau gehaltenen Flächen und Menschen auf unsere Suche nach dem Auferstandenen hin. Am frühen Morgen des dritten Tages kommen die Frauen zum Grab (links) und finden es leer vor. Statt dessen begegnen sie einem Engel, der zu ihnen – und damit auch zu uns – vom Himmel her die tröstende Botschaft überbringt: „Fürchtet Euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“ (Mt 28,5-6) Der Engel ist ganz rot, weil er im Dienste dessen steht, der ganz Liebe ist und dadurch die Macht hat, Tote zum Leben zu erwecken.

Das mittlere Fenster leuchtet in strahlenden Gelb- und Rottönen, in denen die Liebe und die Barmherzigkeit Gottes ihren Ausdruck finden. Vom Zentrum der Komposition aus strebt ein Engelsreigen nach oben. Er beschreibt den himmlischen Chor der Seraphim, die in Liebe brennend (deshalb auch rot) in immerwährender Anbetung vor Gott stehen. Vollendung und Verherrlichung strahlt dieses Fenster aus – und lädt uns ein, über das Sanctus in der Eucharistiefeier hinaus ins Lob der Engel einzustimmen: „Heilig, heilig, heilig, Gott, Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe!“

Das rechte Fenster erzählt von der Himmelfahrt Jesu. Inmitten des gelben Lichtstroms erscheint Jesus und neigt sich den Jüngern zu mit dem Auftrag: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,18-20) Im Element des Lichtes, das Himmel und Erde verbindet, offenbart sich Christus als das „Licht der Welt“ seinen Jüngern. In seinem Licht sehen sie ihre Aufgabe klar und erfahren sie sich, von Christus gesegnet und mit seinem Heiligen Geist erfüllt (orange), bereit, in aller Welt seine Zeugen zu sein und die frohe Botschaft seiner Auferstehung verkünden zu können.

Viele haben sich von ihrem Zeugnis begeistern lassen und sind selbst zu Zeugen Jesu Christi geworden. So hat Jesu Botschaft uns erreicht … damit auch wir zu seinen Jüngern und Zeugen werden. Wie sieht das bei mir aus? Was habe ich aus der Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes gemacht? Ist in meinem Alltag etwas davon zu spüren – auch durch meine „Nächsten“?

Auferstehen

„Vor dem grünen Kreuz, das zum Lebensbaum wurde, steht der Auferstandene. Er ist die Frucht dieses Baumes, er gibt sich zur Speise – seinen Brüdern und Schwestern. Er teilt sein Wesen mit, sein verwandeltes, auferstandenes Leben. Nicht als philosophische Idee, sondern sich selbst – zu einem neuen Begegnen. In einer neuen Gegenwart, auf einer neuen Ebene. „Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist, damit sie (die Menschen) das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 5,33-35; 10,10)

“Seine Arme sind ausgebreitet, sie sind nicht mehr ans Holz genagelt, sie sind frei. Es ist, als bewegen sie sich leicht im Tanze, uns einladend.
Damit wir es immer wieder erfahren: in diesem auferstandenen Jesus, dem Christus, haben wir Anteil: an der Erde, am ganzen Kosmos, am Himmel.“ (Maria Hafner)

Mit diesen meditativen Worten der Künstlerin ist das Wesentliche gesagt. Ergänzend möchte ich noch auf das Kreuz und die Farben eingehen.

Das grüne Kreuz hat eine lange Tradition (z.B. Glasfenster in Chartres) und will sagen, dass aus dem Kreuz des Todes ein Kreuz der Hoffnung geworden ist durch den Tod und die Auferstehung Jesu. In das Holz des Kreuzes ist Leben eingekehrt, so dass es wieder grünt. Die Arme des Kreuzes gehen von einem Bildrand zum anderen – Ausdruck für eine Hoffnung, die über alle Grenzen hinaus geht und alle Menschen erfassen soll.

Vor diesem Kreuz des Lebens steht der „Lebendige“, der von den Toten Auferstandene. Ganz in Rot: Zeichen seiner Liebe, in der er für uns und zur Vergebung der Sünden sein Blut vergossen hat. Wie Maria Hafner schreibt, lädt Jesus uns ein, zu ihm zu kommen. Eine Einladung, an seinem neuen Leben teilzuhaben. Die vielen Farben um Jesus herum suggerieren, dass er uns zur Freude einlädt, die diese innige Kommunion mit ihm beinhaltet. Eine Freude, wie sie beim Aufblühen eines Gartens und ein Verweilen in ihm empfunden wird. Das Paradies von Adam und Eva klingt hier an, als sie in unmittelbarer Gemeinschaft mit Gott wohnten (Gen 2,4-25; 3,8) wie das endzeitliche Jerusalem, das in allen Farben leuchtet und wo Gott lichtvoll in ihrer Mitte wohnt ( Offb 21,9 – 22,5).

Maria Hafner hat dieses Bild innerhalb einer Serie von acht Bildern geschaffen. Eine Bildmappe mit 8 Doppelkarten und Meditationstexten von Maria Hafner kann zum Preis von SFR 22,- (zzgl. Versandkosten) bezogen werden bei:

Margreta Camenzind
Weinbergstr. 7
CH-6330 Cham
Tel./Fax: (0041) 041 780 26 18
e-mail: ma.camenzind@bluewin.ch

Schwebendes Kreuz

Ein liegendes Kreuz, nein schwebend, von vielen transparenten Ballons getragen. Was geht hier vor, was hat es uns zu sagen? Das liegende, und nicht stehende Kreuz? Die vielen Ballons, die dem Kreuz für einen Moment die Schwere nehmen?

Ohne die Hilfe von oben liegt es schwer auf dem Boden. Umgefallen, niedergestreckt von seiner Last? Wie wir Menschen, wenn wir krank sind, müde, überlastet?

Seine dunkle Farbe lässt mich zusätzlich an unsere Fehler, Unzulänglichkeiten und Vergehen denken, die unser Leben oft schwer machen. Die Psalmisten wie die Christen nennen diese Erfahrung Sünde. „Denn meine Sünden schlagen mir über dem Kopf zusammen, sie erdrücken mich wie eine schwere Last.“ (Ps 38,5) Und für diese Sünden ist Jesus am Kreuz gestorben: „durch sein Blut haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade.“ (Eph 1,7)

Deshalb verbinden viele Menschen ihre Hoffnungen mit dem Kreuz. Auch wenn wir den Stachel der Sünde wie der Krankheit an unserem schwachen und vergänglichen Leib immer wieder neu erfahren, spüren wir in uns eine Kraft, uns gegen alles Zerstörende zu erheben.

Vielfach sind wir allein zu schwach – dann tut es gut, entlastende Hilfe von Mitmenschen zu erfahren. Die Ballons sind für mich ein schöner Ausdruck eines derart erleichternden Beistandes. Sie zeigen vielerlei auf.

Die vielen Ballons können sagen, dass es viele „Liebkosungen“, Aufmerksamkeiten und Liebenswürdigkeiten braucht, um einen – aus welchen Gründen auch immer – Daniederliegenden „aufzustellen“, ihm Erleichterung zu verschaffen. Gemeinsam, von Gottes Geist durchweht und getragen, als von Gott und Mensch zusammengewirktes Ganzes haben die vielen einzelnen Gebete, guten Gedanken und Taten diese erhebende Kraft.

Durch die Ballons wird auch noch etwas anderes spürbar nachvollziehbar. Wer dauerhaft zusammenstehen will, jemandem helfen will, ist auf immer wieder neue Energie, Energieträger angewiesen, weil wie beim Ballon mit der Zeit die Tragkraft sinkt und die Luft „raus“ geht. Nicht nur das. Wie sich gute Absichten oft in Luft auflösen, kann auch ein kleiner Materialfehler, ein Nadelstich einen Ballon platzen lassen.

Wo viele Menschen sich in ihren Visionen und Gedanken vom Geist Gottes führen lassen und diese gebündelt in Taten umsetzen, wird das Kreuz vieler Leidender leichter werden und sie die Auswirkungen der Auferstehung Christi spürbar erfahren lassen.

Auferstehungskreuz

Luftig leicht schwebt dieses Kreuz im Raum. Die Auferstehung ist spürbar. Hier hing eben noch ein Mensch, nun ist er unseren Augen entschwunden, sein Gewand ist zurückgeblieben. Verwandlung ist geschehen. Es erinnert an den Gekreuzigten, doch ist er nicht mehr fassbar.

Eigentlich ist diese Skulptur weder ein Kreuz noch ein drapierter Stoff. Aber das helle Holz und die Form erinnern an das Kreuz, die drapierten Falten erinnern an einen gewebten Stoff, ein hingelegtes Gewand, seine Größe an einen Menschen. In dem Sinne ist das Auferstehungskreuz von Hermann Bigelmayr in vielerlei Hinsicht ein eindeutiges Erinnerungszeichen an das am Kreuz in Jerusalem Geschehene und darauf Erfolgte. Seine Skulptur ist ein einziger Verweis auf den Gottmenschen, der verletzlich und sterblich geworden unter uns geweilt hat, nun aber durch die Auferstehung in die uns nur durch seine Erzählungen bekannte Welt seines Vaters zurück gekehrt ist.

Hier ist nichts mehr von der Erdanziehungskraft, der Schwere des Todes zu spüren. Von des Vaters unsichtbarer Liebe gehalten, ist Christus durch den Tod hindurch gegangen und hat uns dadurch das Tor zum ewigen Leben geöffnet.

In diesem neuen Leben zählen nur noch innere Werte. Äußerlichkeiten wie das „irdische Gewand“, eine menschliche Gestalt mit ausgebreiteten Armen andeutende Stoffdrapierung, bleiben zurück, so sehr sie Sinnbild der Auferstehung, der Himmelfahrt sind. Den Christen in Kolossä, die durch die Taufe bereits an der Auferstehung Christi teilhaben, schreibt Paulus: „Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld.“ (3,12)

Im Auferstehungskreuz von Hermann Bigelmayr wird deutlich, dass sich das Wesentliche der Auferstehung unsichtbar im Verborgenen vollzieht. Der gefaltete Stoff verhüllt – und enthüllt gleichzeitig mit dem angehobenen Stoffzipfel das vom Geist Gottes durchwehte Leben nach der Auferstehung.

Dieses Kreuz weist über das am Kreuz Geschehene hinaus. Die Hoffnung unseres Glaubens wird spürbar, unser neues Leben, das von der Taufe weg sich in uns entfaltet (wie der Stoff) und erst nach der eigenen Auferstehung seine wahre Größe und Schönheit zeigen wird.

Paulus beschreibt dies wunderbar: „Ihr seid mit Christus auferweckt, darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“ (Kol 3,1-4)

Auferstehung – Ostern

„Lumen Christi” ruft der Diakon beim Einzug der Osterkerze freudig dreimal dem im der dunklen Kirche wartenden Volk zu, worauf dieses mit dem Ruf antwortet: “Deo Gratias”!

In den Auferstehungsbildern von Jörg Länger dringt viel von dieser Liturgie und damit vom Geist der Auferstehung durch. Das von hinten durchscheinende Licht lässt die von Natur aus grauen Bilder in warmen Gelbtönen aufleuchten. Die verwandelnde Kraft der Auferstehung Christi vollzieht sich hier symbolisch im Material, eng verbunden mit dem Wachs, das ja wesentlich zur Osterkerze als Symbolträger für den auferstandenen Christus beiträgt.

Anschaulich zeigt uns der Künstler mit diesem Werk, dass wir durch die Auferstehung Christi die Welt in einem neuen Licht sehen – einem Licht, das die Welt und das Leben auf ganz neue Weise wahrnimmt – in neuen, verwandelten Farben sieht.

Was liturgisch an drei aufeinanderfolgenden Tagen gefeiert wird, schafft Jörg Länger mit großer Ausdruckskraft in einem Bild dazustellen: Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag – Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung.

Im unteren Drittel des Bildes ist Christus in der Kreuzigung nach dem Meister des Psalters Robert de Isle (vor 1339) dargestellt.  Eine waagrechte Linie erinnert an das Kreuz, trennt aber auch den unteren Bildbereich ab, als würde er zu einer anderen „Welt“ gehören, der Unterwelt. Unter der Herrschaft des Todes hat der menschliche Leib keinen Bestand. Der Körper scheint sich aufzulösen. Die Wachstropfen suggerieren aber andererseits ein Auseinanderfallen des Reiches des Todes – der Tod hat seinen Stachel verloren, wie es im Kirchenlied heißt!

Darüber in einer wunderbaren Kreisform zwei Gestalten, von denen die Obere aus dem berühmten Auferstehungsbild des Isenheimer Altars (um 1512-16) stammt. Wie bei Matthias Grünewald verschmilzt die Christusgestalt mit dem Licht. Hier wird das Bildwort Jesu „Ich bin das Licht der Welt“ verdeutlicht und unsere Hoffnung einleuchtender: „Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8,12).

Zwischen Tod und Auferstehung hat Jörg Länger die Jesusgestalt aus der Grablegung Christi (um 1438-43) von Fra Angelico platziert. Die drei übereinander angeordneten Jesus-Gestalten folgen dem Ablauf der drei österlichen Tage, dem Triduum pascale, und lenken die Augen in eine Aufwärtsbewegung. Die ganz unterschiedlichen künstlerischen Mittel wollen uns Betrachtende in das Ostergeheimnis hineinnehmen, uns etwas von seiner verwandelnden und das ganze Leben erneuernden Kraft erfahren lassen – ähnlich wie die Liturgie der Osternacht.